max. Leistung über Niederspannungsanschluss

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Tarcom
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max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von Tarcom » Freitag 11. Oktober 2019, 12:44

Hallo,

gibt es eine Vorschrift aus der hervorgeht welche Leistung ein Versorger mindestens für einen Niederspannungshausanschluss zur Verfügung stellen muss?
Bzw. andersherum, gibt es eine Vorschrift aus der hervorgeht ab welcher Leistung ein Mittelspannungsanschluss mit kundeneigener Trafostation vorgeschrieben werden kann?

Hintergrund: der VNB kann die beantragte Leistung (110 kW) nicht aus dem Niederspannungsnetz bereitstellen da sich die Baumaßnahme in einem schlecht versorgten Gebiet befindet. Der VNB möchte die beantragte Leistung über das Mittelspannungsnetz mit kundeneigener Trafostation realisieren.

Gruß
Tarcom

ego11
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Re: max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von ego11 » Freitag 11. Oktober 2019, 16:29

Das kann doch auch durchaus attraktiv sein, dann nur Mittelspannungstarif bezahlen zu müssen?

bzw. wird bei Niederspannung halt der Baukostenzuschuß demtensprechend hoch ausfallen?

Wobei 110Kw natürlich nicht viel sind.

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Tobi P.
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Re: max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von Tobi P. » Freitag 11. Oktober 2019, 16:42

Moin,

bis zu welcher Leistung niederspannungsseitig versorgt wird legt der Netzbetreiber fest, da hast du als Kunde keinen Einfluss drauf. Wenn der VNB jetzt sagt dass er die geforderte Leistung technisch bedingt nur mittelspannungsseitig zur Verfügung stellen kann werdet ihr nicht um eine Station herumkommen. Und dass ihr die zahlen müsst dürfte ja wohl logisch sein - ihr wollt die Leistung haben und nicht der Netzbetreiber. Der stellt euch ja nicht für lau eine Station hin nur weil er zufällig gerade eine zu viel im Lager stehen hat joint1


Gruß Tobi

Joachim
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Re: max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von Joachim » Freitag 11. Oktober 2019, 16:58

Kann ich so nur bestätigen, ist übrigens auch einspeiseseitig nicht anders.

Ich habe hier einen Nachbarn mit einem kleinen Laufwasserkraftwerk, der eine Station inkl. rund 500m 20kV-Kabel mit Tiefbau zahlen durfte, damit er 150 kWp einspeisen darf...
...der VNB hat den selben Graben übrigens gerne genutzt, um die 0,4 kV-Verkabelung der an der Trasse liegenden Gebäude von Freileitung auf Erdkabel umzustellen und die Straßenbelechtung von Überspannungs- auf Mastleuchten zu ändern. :D

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Re: max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von Olaf S-H » Freitag 11. Oktober 2019, 17:35

ego11 hat geschrieben:
Freitag 11. Oktober 2019, 16:29
... Wobei 110Kw natürlich nicht viel sind.
Moin ego,

am Ende der langen Leitung sind 160 A ggf. doch eine große Hausnummer.

Ich habe allerdings auch schon Anlagen mit 2 parallelen HAK 315 A bauen lassen. War allerdings eher ein Innenstadtbereich.

Gruß Olaf
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Elt-Onkel
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Re: max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von Elt-Onkel » Samstag 12. Oktober 2019, 01:08

Hallo,

ich kenne das so, daß ab 250 A ein eigenes NS-Kabel zum MS-Trafo gelegt wird.

Wenn schon 160 A nicht klappen, wird der Trafo zu klein sein.

Daher dann auch die Idee mit dem Kundeneigenen MS-Trafo.

Warum braucht die Baustelle einen so großen Anschluss ?
Wenn das BV so groß ist, tritt das Problem bei Inbetriebnahme des BV ja wieder auf.
Dann müsste ja für den 'Normalbetrieb' des Hauses sowieso ein MS-Trafo da hin.

Ich denke, es liegt ehr an einem Baustellenkran, der die Leistung verlangt.
Kann man kein Aggi parallel zum Netz hinstellen, was die Leistungsspitzen abdeckt * ?
Das müsste ja nur laufen, wenn der Kran in Aktion ist.

Und dann könnte man ja auch über exotische Lösungen nachdenken.
Z.B., wenn nach Fertigstellung eine PV-Anlage verbaut werden soll,
könnte man die Panals vorher provisorisch aufstellen,
und (bei Tageslicht) den NS-Netzanschluß stützen.
O.K. 70 kW wären so etwa 700 kWP.
Das sind schon ganz schön viele Quadratmeter.

Ich hatte übrings mal innerhalb der Stadt Hannover ein BV,
da haben die Stadtwerke glatt 17 kW zur Verfügung gestellt.
Mehr war aus der Freileitung des Stadtteils nicht rauszupressen.



(*)
Das macht die hiesige Zuckerfabrik genauso.
EON-Avacon kann aber nicht genügend Leistung am MS-Anschluss bereitstellen.
Deswegen hat Nordzucker eine Gasturbine eingebaut.
Dort wird Netzparallel für 6 Cents die kWh Strom erzeugt.
Naja, natürlich nur, wenn Erdgas ankommt.
Dazu eine Anekdote:
Damit die Gasturbine garantiert nicht ausfällt, hat man extra zwei parallele Gaszähler eingebaut.
Dann kann man im laufenden Betrieb einen nach dem anderen wechseln,
und die Gasturbine läuft weiter.
Das war aber einem Meßstellenwechsler unbekannt.
Der hat also alle 4 Ventile zugedreht, und in Ruhe die zwei Zähler getauscht.
Im Ergebnis ist die Eigenstromerzeugung ausgefallen.
Und weil ja EON-Avacon nicht genug MS-Leistung hat,
sind die HS-Sicherungen in dem ehrwürdigen Turm der Luftisolierten Schaltanlage durchgebrannt.
Damit war die Zuckerfabrik tot.
Es hat 1/2 Tag gedauert, die Fabrik wieder anzufahren.

froebel88
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Re: max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von froebel88 » Samstag 12. Oktober 2019, 11:22

Moin,
Elt-Onkel hat geschrieben:
Samstag 12. Oktober 2019, 01:08
Und weil ja EON-Avacon nicht genug MS-Leistung hat,
sind die HS-Sicherungen in dem ehrwürdigen Turm der Luftisolierten Schaltanlage durchgebrannt.
Gab es da keinen Trafoschalter?

Josupei
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Re: max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von Josupei » Montag 14. Oktober 2019, 09:59

froebel88 hat geschrieben:
Samstag 12. Oktober 2019, 11:22
Moin,
Elt-Onkel hat geschrieben:
Samstag 12. Oktober 2019, 01:08
Und weil ja EON-Avacon nicht genug MS-Leistung hat,
sind die HS-Sicherungen in dem ehrwürdigen Turm der Luftisolierten Schaltanlage durchgebrannt.
Gab es da keinen Trafoschalter?
Trafoschalter ist oftmals eine Lasttrennschalter Sicherungskombination, da dies sehr viel kostengünstiger (ca. 2k€) ist als ein Leistungsschalter im 20kV Bereich.

froebel88
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Re: max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von froebel88 » Montag 14. Oktober 2019, 21:19

Josupei hat geschrieben:
Montag 14. Oktober 2019, 09:59
Trafoschalter ist oftmals eine Lasttrennschalter Sicherungskombination, da dies sehr viel kostengünstiger (ca. 2k€) ist als ein Leistungsschalter im 20kV Bereich.
Ich meinte in diesem Fall den niederseitigen Leistungsschalter, über welchen der Trafo auf die NSHV einspeist.. Wenn der nicht kommt (sofern es einen gaben), sondern die HS-Sicherungen vor dem Trafo, ist sicherlich irgendwas falsch gelaufen..

ThomasR
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Re: max. Leistung über Niederspannungsanschluss

Beitrag von ThomasR » Dienstag 15. Oktober 2019, 15:20

Die Nummer mit der Gasturbine als Spitzenlastversorgung ist in den USA gang und gäbe. Wir haben Anfang der 2000er Jahre die Steuerelektroniken für einige 100 McDonalds Filialen in den USA geliefert! Die hatten alle draußen eine Gasturbine stehen mit der die magere Netzversorgung gestützt werden konnte....

Macht aber durchaus Sinn: Schnellrestaurants sind "Saisongeschäfte", der Ansturm ist vorhersehbar (Ende des Football Games plus X = Hochlaufzeit der Turbine) und die Flauten lang. Dort sind die McD's meist 24 h geöffnet, nur kommen nachts wenige Gäste. Da lohnt kein hochgerüsteter Anschluß mit einer 24/7 Auslegung :D

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