Schutzklassen - Ermittlung !?

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Strom
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Schutzklassen - Ermittlung !?

Beitrag von Strom » Mittwoch 17. Juli 2019, 18:22

Hallo zusammen,


ich habe hier viele Frage an euch.

wie erkenne ich welche Schutzklasse ich gerade prüfe.

Also mancher Staubsauger mit Steckdose ist natürlich Schutzklasse 1 und 2 ??.
Gelernt habe ich in unserem Forum dass wir nicht nach Schutzklasse sondern nach Schutzart prüfen.
Nun gut.

Ich habe wieder einmal an Kassen zu tun wie öfters in letzter Zeit.
Bei einem Förderband habe ich keinen Schutzleiter messen können, obgleich der entsprechende Schukostecker
vorhanden war. Ich habe eine Differenzstrommessung durchgeführt und einen Strom von 0,351 mA gemessen.
Aber das ist doch eher die Diffmenge von Schutzklasse 1 Geräten würde ich meinen.
Ist das Förderband nun Schutzklasse 1 oder Schutzklasse 2 oder kann man das nicht über die Diffmenge
ableiten. Ich habe bei diesem Förderband keinen Schutzleiter gefunden ( Gerät kommt aus Polen)
Bisher hatten alle Förderbänder Schutzleiterwerte.

Ich bin etwas unsicher, weil der Techniker hier viele Schutzkontakte von PC`s und Monitoren mit
Klebeband abgeklebt hatte. ( Natürlich habe ich bis dto. diese beseitigt, obgleich er mir sagte, dass ich das so lassen soll wie es ist)
Ich habe so etwas noch nie gesehen.
Er sagte zu mir dass es sonst starke Streifen bzw. geflimmer auf dem Bildschirmen gibt.
Nanu, was kann man Tun. KGL mit Farritkern hat nichts geholfen sagte mir der Techniker.
Als ich bei einem Gerät die Klebebänder an den Schutzkontakten vom Stecker entfernt hatte flimmerte der Monitor
tatsächlich sehr stark.

Gerne erwarte ich eure Hilfe/Antwort

Strom

Funker
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Re: Schutzklassen - Ermittlung !?

Beitrag von Funker » Mittwoch 17. Juli 2019, 21:19

Ich will nur einmal etwas zu den abgeklebten Schutzkontakten sagen, aber damit finden sich dann auch schon Herangehensweisen bei den anderen
Problemen.

Das beschriebene Flimmern von Monitoren oder anderen Fehlfunktionen von elektronischen Kommunikationsproblemen ist ein bekanntes oft auftretendes Problem.
Ursächlich sind vielfach früher als Brummschleifen benannte doppelte PE Verbindungen über verschiedene Erdungssysteme der Betriebsmittel.

Auf Fälle dürfen bei Geräten mit Schukostecker die Schutzkontakte auf keinen Fall abgeklebt werden, um diese PE Schleifen zu unterbrechen.
Wenn solche Probleme auftreten, darf eine Unterbrechung der Erdungsschleife nur auf der Seite der anderen geerdeten Kommunikations- und Datenleitungen die zum Betriebsmittel führen vorgenommen werden, z.B. LAN - Kabel, Schirme von Kommunikationsleitungen u.s.w..
Die Erdung der elektrischen Versorgungsleitung muß bei SK 1 Geräten immer erhalten bleiben.

Es sollte zur Lösung eine baumartige Erdungsstruktur der Kommunikationsleitungen erstellt werden.
Hauptleitungen sollten durch LWL - Systeme ersetzt werden.
Datenleitung sollen nicht parallel zu Energieleitungen mit großen Strömen geführt werden.

Der Schirm der Kommunikationsleitung wird z.B. am vorgelagerten Betriebsmittel wie üblich geerdet und angeschlossen, aber am oder kurz vor dem
Eingang in das Endgerät nicht angeschlossen oder über zweckentprechende Filter z.B. Kondensatoren angeschlossen.
Damit werden niederfrequente Signale gesperrt und nur die hochfrequenten Kommunikationssignale durchgelassen.

Zu den anderen Fragen bitte einmal Deine Fragen und Probleme noch einmal deutlich darstellen.
Was ist ein Staubsauger mit Steckdose ? Was ist bei Dir Diffmenge ?

IH-Elektriker
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Re: Schutzklassen - Ermittlung !?

Beitrag von IH-Elektriker » Donnerstag 18. Juli 2019, 08:53

Das mit den abgeklebten Schutzleitern ist gängige Praxis und wird auch im Audiobereich oft so gemacht. Der Techniker vor Ort weiß sich halt nicht anders zu helfen, der Fehler ist nach dem abkleben weg, der Kunde glücklich und das Gerät funktioniert doch augenscheinlich....bis auf die elektrische Sicherheit im Fehlerfall. Die funktioniert nicht mehr.

Das interessiert aber nur dann wenn der erste Tote an der Kasse liegt.... bravo1

Strom
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Re: Schutzklassen - Ermittlung !?

Beitrag von Strom » Donnerstag 18. Juli 2019, 18:48

Danke für eure Antworten.

Ich wollte hier auch gerne Wissen wie man Schutzklasse 1 und 2 mestechnisch unterscheiden kann.
Ich dachte am Diifferenzstrom könnte man das vielleicht erkennen.
Bei dem besagten Förderband habe ich keinen Schutzleiter messen können, aber einen
Ableitstrom im Differenzstromverfahren von 0,351 mA. Das ist doch für Schutzklasse 2 meine ich zu viel.
Die meisten Geräte von Schutzklasse 2 haben ca, 0,030 mA Ableitstrom durch die Isolierung.
Also ich habe hier Bedenken dass es sich vielleicht bei dem Förderband doch um Schutzklasse 1 handeln könnte.
Ich habe es aber als Schutzklasse 2 geprüft. ( Es sind ca. 7 Kassen insgesamt )

Im Übrigen war das mit dem Staubsauger nur ein Hinweis für Geräte die zwei Schutzklassen enthalten können.


Mit freundlichen Grüßen

Strom

Funker
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Re: Schutzklassen - Ermittlung !?

Beitrag von Funker » Freitag 19. Juli 2019, 11:31

Hallo Strom,

da es um die Messung von einzelnen Endgeräten geht müssen natürlich auch die Grenzwerte von VDE 0701/0702 angewendet werden.
Dort ist beim Differenzstrom grundsätzlich der Grenzwert von 2,5 mA für den Übergang von gut zu böse anzusehen, bei Heizgeräten sind wohl 7 mA
noch möglich.
Nach allgemeiner Auffassung sollte ein Gerät im Normalzustand jeweils weit darunter liegen. Der ermittelte Prüfwert soll ja auch bis zur nächsten
Prüfung unter dem Grenzwert bleiben.
Ansonsten gibt es noch die Richtwerte nach VDE 0140-1 1 mA / kW oder 0,5 mA je 1 A Laststrom zur Abschätzung.
Wie prüfst Du den Differenzstrom bei SK 2 und SK1 unterschiedlich ? In beiden Fällen wird L und N gemessen oder in die Zange genommen.
Die 0,351 mA können daher durchaus möglich sein.
Wenn aber bei gleichen Geräten sehr unterschiedliche Werte herauskommen sollte man der Ursache nachgehen.

Probator
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Re: Schutzklassen - Ermittlung !?

Beitrag von Probator » Freitag 19. Juli 2019, 13:16

Strom hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juli 2019, 18:48
Ich wollte hier auch gerne Wissen wie man Schutzklasse 1 und 2 mestechnisch unterscheiden kann.
Um richtig und vollständig zu messen, hast du hast du heutzutage eigentlich nur noch eine Chance:

1. Schutzleiterwiderstandmessung starten, alles mit der Sonde abtasten, was metallisch und berührbar ist.
2. Sind sämtliche Metallteile auf Schutzleiter, machst du eine Iso-Messung gegen PE und eine Schutzleiterstrommessung und bist fertig.
3. Hast du bei 1. festgestellt, dass es Teile OHNE Schutzleiter gibt, dann führst du an diesen Teilen eine Messung des Berührstromes (Sonde dranhalten!!!) durch.

Damit hast du alles getan was möglich ist, ohne den Hersteller zu befragen oder das Gerät zu zerlegen.

Challenger
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Re: Schutzklassen - Ermittlung !?

Beitrag von Challenger » Freitag 19. Juli 2019, 20:01

Funker hat geschrieben:
Freitag 19. Juli 2019, 11:31
Hallo Strom,

da es um die Messung von einzelnen Endgeräten geht müssen natürlich auch die Grenzwerte von VDE 0701/0702 angewendet werden.
Dort ist beim Differenzstrom grundsätzlich der Grenzwert von 2,5 mA für den Übergang von gut zu böse anzusehen, bei Heizgeräten sind wohl 7 mA
noch möglich.
Nach allgemeiner Auffassung sollte ein Gerät im Normalzustand jeweils weit darunter liegen. Der ermittelte Prüfwert soll ja auch bis zur nächsten
Prüfung unter dem Grenzwert bleiben.
Ansonsten gibt es noch die Richtwerte nach VDE 0140-1 1 mA / kW oder 0,5 mA je 1 A Laststrom zur Abschätzung.
Wie prüfst Du den Differenzstrom bei SK 2 und SK1 unterschiedlich ? In beiden Fällen wird L und N gemessen oder in die Zange genommen.
Die 0,351 mA können daher durchaus möglich sein.
Wenn aber bei gleichen Geräten sehr unterschiedliche Werte herauskommen sollte man der Ursache nachgehen.
Hallo zusammen,
ich möchte ergänzen, dass Differenzstrom ja nicht gleich Differenzstrom ist und deshalb auch unterschiedliche Grenzwerte gelten.

Nach VDE 0701-0702:2008-06 gilt:
-SK1, Differenzstrommessung (Schutzleiterstrom) Grenzwert: 3,5mA, bei Heizgeräten bis 10mA möglich.(1mA/kW)
-SKII, Differenzstrommessung (Berührstrom) Grenzwert: 0,5mA

Auch erlauben Produktnormen für einige Geräte Ableitströme die über diesen Grenzwerten liegen.

Ich würde wie Probater vorgehen.
Den Schutzleiterstrom im Differenzstromverfahren und den Berührstrom in der direkten Messung mit Sonde.


Gruß Challenger

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