Zugriff auf Gerät per GSM

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ThomasR
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Zugriff auf Gerät per GSM

Beitrag von ThomasR » Freitag 7. Juni 2019, 10:42

Liebe KollegInnen,

gestern haben wir erneut auf dem Betriebsgelände mehrere Ladesäulen in Betrieb genommen. Wir nutzen den Typ P30 von KEBA weil wir damit gute Erfahrungen gemacht haben. Diese Ladeanschlüsse sind offen, der Nutzer muß sich lediglich mittels einer normalen NFC Karte (unsere Werksausweise) identifizieren. Die bisher verwendeten P30c können ohne weiteres "vor Ort" konfiguriert werden, kein Internet oder ähnliches erforderlich.

Nun hatten wir gestern die erste P30x zu installieren, die sich aber NUR über ihr Webinterface konfigurieren lässt. Die P30x kann weitere angeschlossene P30c in der Ladeleistung steuern/begrenzen, so daß die Versorgungsleitung nicht überlastet wird. Das wird an diesem Standort mit bis zu 12 Ladeboxen a 22kW aber erforderlich werden.

Mit Mühe und Not haben wir das mit einer Fritzbox und deren DHCP und WLAN hinbekommen. Diese Ladestationen sind so weit vom Haus entfernt, daß der Funkkontakt nur bis zum Foyer reicht. Nicht gerade komfortabel, von da arbeiten zu müssen.

Die P30x hat auch ein GSM Modul zur Kommunikation mit einem Ladeprovider eingebaut. Über diese Verbindung werden normalerweise die Kartendaten und Verbrauchswerte an das Back-Office gesandt um die Abrechnung vornehmen zu können. Es wäre erheblich leichter, sich vom Schreibtisch aus über das Internet mit dem GSM Modul/der Box verbinden zu können.

Welche Art von SIM Karte benötigt man dafür? Wie funktioniert das Verfahren? Ich lese etwas von "öffentlicher" oder "fixer" IP Adresse und APN Daten.

Kann mir da jemand weiter helfen?

Der Hersteller KEBA verweist immer nur auf die Provider, die das alles zur Verfügung stellen würden. Wir wollen aber keinen fremden Provider/Verwalter!!

Jesaja
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Re: Zugriff auf Gerät per GSM

Beitrag von Jesaja » Freitag 7. Juni 2019, 14:05

Von den Ladesäulen habe ich keine Ahnung, aber bei Netzwerktechnik kann ich dir hoffentlich helfen.

Für die Kommunikation im Internet benötigt jedes Gerät eine (einmalige) IP-Adresse.
Da es davon aber zu wenig gibt bzw die anfangs zu großzügig verteilt wurden, bekommt nicht mehr jeder eine eigene.
Für Hausanschlüsse (z.B. DSL) gibt es eine IP pro Anschluss. Der Router zuhause (z.B. Fritzbox) muss jetzt mittels NAT alle internen Geräte (welche nur eine interne, nicht global eindeutige IP haben) hinter dieser einen IP maskieren.
Für ausgehende Verbindungen ist das kein Problem, weil er dafür eine Tabelle führt und demnach auch die Antworten zuordnen kann. Wenn jetzt aber eine Verbindung/Anfrage von draußen rein kommt, weiß der Router nicht wohin damit und verwirft sie.

Inzwischen ist die Knappheit schlimmer geworden und viele kleine (bzw schnell gewachsene) Provider machen dieses NAT beim Provider, heißt dann CGN.
Im Mobilbereich gibt es fast nur noch CGN.

Wenn deine P30x eine Verbindung zu der mobil angebundenen P30c aufbauen will, hast du ein Problem.
Falls die P30c selbst die Verbindung aufbauen sich bei der P30x anmelden, hast du dieses Problem vermutlich nicht, muss aber ggf am festen Internetanschluss eine Weiterleitung (Portforwarding) für diese Anfragen Richtung P30x einrichten.

Umgehen kannst du das z.B. mittels eines vorgeschalteten Routers, der eine VPN-Verbindung zu einem VPN-Anbieter aufbaut, der dir eine öffentliche IP stellt.
Oder vielleicht bietet der Hersteller einen Cloud-Dienst oder Vergleichbar an, du dem sich die P30c und die P30x einwählen und wo alle Anfragen dann verknüpft werden. Nachteil: Du bist direkt abhängig von denen.

Bei einigen Business-Tarifen kann es sein, dass du eine öffentliche IP für Mobilfunk bekommst.
Eventuell gibt es einen APN (Access Point Name), den du manuell konfigurieren kannst, damit sich dein GSM-Modul (naja, eher UMTS/LTE als GSM) mit einem anderen APN beim selben Provider verbindet, der doch eine öffentliche IP vergibt. Aktuell sollte es sowas für Konsumertarife nicht mehr geben.

In fast jedem Fall wird deine IP aber dynamisch zugewiesen sein, d.h. du hast keinen Anspruch auf eine fixe d.h. immer gleich bleibende IP.
Dafür gibt es Dienstleister wie feste-ip.net oder dyndns, die dir einen Hostnamen bereit stellen, der immer auf deine aktuelle IP zeigt. Dein Router muss dafür die aktuelle IP an den Dienstleister übermitteln, was aber fast alle Router können.

Ein ganz anderer Ansatz könnte sein, das WLAN mittels Richtantennen zu vergrößern oder parallel zum Stromkabel ein Glasfaserkabel zu legen.

karo1170
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Re: Zugriff auf Gerät per GSM

Beitrag von karo1170 » Freitag 7. Juni 2019, 21:07

ThomasR hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 10:42
Mit Mühe und Not haben wir das mit einer Fritzbox und deren DHCP und WLAN hinbekommen. Diese Ladestationen sind so weit vom Haus entfernt, daß der Funkkontakt nur bis zum Foyer reicht. Nicht gerade komfortabel, von da arbeiten zu müssen.
Waere ein Outdoor Access Point in entsprechend hochwertiger Ausfuehrung evtl. eine Alternative zur Fritzbox? Montageplatz an der Aussenfassade oder Mast, Versorgung ueber PoE z.B.

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Tobi P.
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Re: Zugriff auf Gerät per GSM

Beitrag von Tobi P. » Freitag 7. Juni 2019, 22:03

Moin Thomas,

wie das genau funktioniert kann man nicht pauschal sagen. Ich hab auch schon einige GSM-Modems verbaut bzw. Controller mit GSM. Verwendet werden handelsübliche SIM-Karten, in welchem Format auch immer. Zu diesen SIM-Karten gehört eine Telefonnummer wie bei jedem Mobiltelefon auch. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch auf. Es gibt Controller die permanent "online" sind und ihre Daten an eine Cloud senden, es gibt Controller die ihre Daten auf Anfrage senden (indem man bzw. eine Software sie anruft), es gibt Controller die über einen Fernwartungszugang in der Programmiersoftware angesprochen werden, es gibt unidirektionale Kommunikation, bidirektionale Kommunikation und und und.
Aber wenn ich vor der Entscheidung stehe was funkbasiertes zu verwenden oder was leitungsgebundenes würde ich immer irgendwie versuchen Option 2 zu verwirklichen. Wenn machbar würde ich euch auch zur Glasfaserlösung raten.


Gruß Tobi

chris_hh
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Re: Zugriff auf Gerät per GSM

Beitrag von chris_hh » Samstag 8. Juni 2019, 10:42

Moin!

Es gibt für solche Anwendungen M2M Karten. (Kosten nicht die Welt, geht ab ca. 1 Euro p.M. los, nur Datenvolumina sind teuer, gerne mehr per PN)
Je nach Tarief sind feste IPs und auch Private Netze (Eigener APN) kein Problem.

Für ein paar fest stehende Ladeläulen währe eine professionelle WLAN Anbindung über die Dauer sicherlich günstiger.

Das man mit der Zuleitung nicht gleich ein Leerrohr mit verlegt hat, recht sich jetzt wohl.

LG Chris

Joachim
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Re: Zugriff auf Gerät per GSM

Beitrag von Joachim » Samstag 8. Juni 2019, 11:32

Wenn ich das richtig interpretiere, habt ihr die Ladestationen untereinander bereits von Beginn an vernetzt, da dies Voraussetzung für die gegenseitige Leistungsbegrenzung etc. ist? Dann fehlte ein DHCP-Server, für den ihr eine FritzBox verwandt habt (man könnte übrigens auch die Master-Ladestation als DHCP-Server konfigurieren) und deren WLAN reicht nicht, um eine Verbindung ins Verwaltunggebäude aufzubauen?

In diesem Fall würde ich folgende Lösungsansätze, die hier teilweise auch schon genannt wurden, in Betracht ziehen: (Liste ist priorisiert)

- LWL-Verbindung in den Verwaltungsbau, in der Hoffnung, daß Leerrohr(e) existieren
- WLAN-Bridge aufbauen. Mit zwei von diesen Produkten binde ich z.B. seit Jahren eine Lagerhalle problemlos inkl. VoIP-Telefonie über eine Entfernung von ca. 500m an: https://www.amazon.de/gp/product/B00HXT8K4O
- nicht gerne, aber zur Not immer noch lieber als irgendein GSM-Konstrukt: ein PowerLAN-Produkt inkl. Filter um das "Restnetz" wenigstens weitgehend sauber zu halten...

ThomasR
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Re: Zugriff auf Gerät per GSM

Beitrag von ThomasR » Mittwoch 12. Juni 2019, 16:16

Vielen Dank für euren Input!

Demnach werden wir als nächstes eine Nano Station versuchen.

Alle P30 "c" und "x" sind/werden per Kabel mit einem Switch im Standverteiler verbunden. Dort kann auch die Nano Station arbeiten und dann hoffentlich bis ins Bürogebäude funken. Alles andere scheint zu aufwändig.

Wir haben zwar sowohl Leerrohr als auch Glasfaser zum Gebäude mitverlegt, jedoch müsste das Signal am Übergabepunkt in der Gebäudehauptverteilung aufwändig in ein bestimmtes Firmennetzwerk übergeben werden. Bei den herrschenden Sicherheitsbestrebungen wird das kritisch gesehen.

Dann lieber ein Funknetz, das man zwar angreifen aber nicht abhören kann. Man kann es für die Konfigurationssitzungen sogar bewußt Ein- und danach wieder Ausschalten.

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