Elektromeister in Achach verurteilt

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DBY656
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Elektromeister in Achach verurteilt

Beitrag von DBY656 » Samstag 12. Januar 2019, 19:27

Hallo zusammen,

in meiner lokalen Tageszeitung stand ein Bericht aus dem Gericht in Aichach.

http://www.aichacher-zeitung.de/vorort/ ... t18,153247

Es wurde ein Elektromeister zu einer Geldstrafe verurteilt. Ein Experte des LKA mit dem Fachgebiet Physik hat die Unfallursache erforscht.

Profi's ?? hair1

Gruß Markus

Olaf S-H
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Re: Elektromeister in Achach verurteilt

Beitrag von Olaf S-H » Sonntag 13. Januar 2019, 07:19

Moin DBY656,

Zimmererlehrling für 4 800,- €. Ohne fachliche Hintergründe lässt sich hier nur mutmaßen.

Auch bei einer Isolationswiderstandsmessung - so sie denn stattgefunden hat - kann man nicht alle Fehler finden.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
vde1
Für elektrotechnische Laien gilt: Dieser Beitrag erläutert die technischen Zusammenhänge. Die Umsetzung obliegt den konzessionierten Fachbetrieben (§13(2)NAV).

"Wer eine Handlung begeht, der übernimmt auch alle daraus folgende Pflichten." §33 I-3 prALR 1794

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Elt-Onkel
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Re: Elektromeister in Achach verurteilt

Beitrag von Elt-Onkel » Sonntag 13. Januar 2019, 10:04

Hallo.

naja, weil Kabel ja nur ein notwendiges Übel sind.

Niemand würde ein Wasserrohr, geschweige denn ein Gasrohr 'Durchspaxen'.

Bei Strom im Niederspannungsbereich gibt es ja keine Überschwemmungen und keine Explosionen.
Es ist subtiler.
Es gibt Tote ohne Kolaterealschäden.



ego11
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Re: Elektromeister in Achach verurteilt

Beitrag von ego11 » Sonntag 13. Januar 2019, 12:38

Hätte nicht unter diesen umständen genauso der Kollege des Verunfallten(oder war er es gar selber?) welche die Schrauben falsch eingedreht hat belangt werden können/müssen?

Was kann der Elektriker dafür? Und wie wurde begründet das er die Fehlerstelle unter dem Beton hätte finden müssen?
Leider endet der Artikel etwas schnell.

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didy
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Re: Elektromeister in Achach verurteilt

Beitrag von didy » Montag 14. Januar 2019, 20:12

Ich vermute es handelt sich um Trockenestrich. Warum sonst sollte man beim Estrichlegen Schrauben eindrehen?

Soweit ich es verstehe, hat er ja nur Spannung gemessen, nicht (zusätzlich) Isolation.

Insbesondere aber - soweit ich das verstehe konnten die Estrichleger ja sagen, *wo* es geraucht hat. Dann wäre die klare Ansage gewesen, dass diese Platten nochmal raus müssen um den schaden zu begutachten.

Über Rauchen und Brutzeln einfach mit "kann nix finden" hinwegzugehen, naja...

IH-Elektriker
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Re: Elektromeister in Achach verurteilt

Beitrag von IH-Elektriker » Mittwoch 16. Januar 2019, 09:39

didy hat geschrieben:
Montag 14. Januar 2019, 20:12
Über Rauchen und Brutzeln einfach mit "kann nix finden" hinwegzugehen, naja...
Einerseits ist ein „ich finde nix, also ist nix“ auf Basis einer einfachen Spannungsmessung nicht die Reaktion welche von einem Fachmann nach der Beschreibung „es hat gebrutzelt und geraucht“ erwartet wird, andererseits muss man vielleicht auch sehen wie oft man immer wieder eingebildete Rauchwölkchen, Brutzelgeräusche oder auch „mir hats da eine gewischt, da ist Strom drauf!“ gemeldet bekommt.

Je nachdem stumpft man ggf. etwas ab, reagiert da nicht mehr so sensibel drauf. Und wenn dann erst mal nix zu sehen bzw. messen ist. Eine Isolationsmessung wäre in so einem Fall allerdings wirklich angebracht, nicht nur ein lustloses herumstochern mit Duspol und/oder Multimeter.

So etwas sollte nicht sein, passiert aber immer wieder mal. Denn solche Horrorstories bekommt man ab und an immer wieder mal von Laien zu hören – da sind Funken gesprüht, alles um mich rum stand in Rauch und Flammen und ich stand unter Strom – dabei handelte es sich „nur“ um eine harmlose elektrostatische Entladung.

Solche Dinge habe ich selbst schon öfters erlebt, da sollten auf einmal Maschinen „unter Strom“ gestanden haben, bei sorgfältiger Überprüfung stellte sich dann heraus das alles völlig in Ordnung war und der Stromschlag wohl nur eine elektrostatische Entladung war weil eben die Maschine ein gutes Erdpotential dargestellt hat.

Funker
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Re: Elektromeister in Achach verurteilt

Beitrag von Funker » Donnerstag 17. Januar 2019, 08:40

Danke erst einmal für die Information über den schlimmen Fall.
Wie schon geschrieben läßt sich nicht viel mehr recherchieren.

Ist aber ein anschauliches Beispiel für Arbeitsschutzbelehrungen verschiedenster Art wo man viele Ansätze hereinbringen kann.
1. Verlegung des SK
- Verlegeart der Leitung, brennbare Baustoffe mit Anforderungen an RCD 300 mA, kurzschlußfeste Verlegung, Verlegetiefe 60 mm,
Verlegebereiche, Installationszonen DIN 18015
- angeschlossener SK mit Anforderungen daran Steckdose, Licht, sonstiges Gerät mit gegebenenfalls RCD 30 mA,
- brennbare Baustoffe und leistungsstarkes Gerät z.B. AFDD Anforderung,
- Prüfung des SK nach Installation nach VDE 0100 - 600 und Dokumentation

2. Anweisung an andere Gewerke z.B. grundsätzliches Bohrverbot in Decken und Böden
Gegebenenfalls Abschaltung elektrischer Anlagen bei unklaren Bauarbeiten,

Im DDR Fernsehen gab es früher so lustige Arbeitsschutzfilme, von und mit "Theo" für Laien mit netten Sprüchen zur
besten Sendezeit in den Werbeblöcken

https://www.youtube.com/watch?v=Qv151OCBahU

https://www.youtube.com/watch?v=ntzHAepLmbQ

https://www.facebook.com/DDRFernsehen/v ... 283343836/

"Hydranten müssen, päg Dir`s ein, im Winter Schnee und Eis frei sein" (Gilt übertragen für alle Energie- und Medienanlagen)
"Ohne Schachterlaubnisschein steig nie in einen Bagger ein" (Gilt übertragen auch für Hämmern in Wände u.a. Arbeiten in
Energieanlagen)

oder zu Fahren unter Alkohol nach Unfall
("Kurve rechts, Kurve links, an den Baum aus der Traum. Die Rechnung zahlst Du in diesem Falle, Du schadest Dir und
schädigst alle")

3. Schulung anderer Gewerke zu möglichen Erkennung elektrischer Gefährdungen auf Baustellen mit praktischen Versuchen,
sehen, hören, riechen, ggf. fühlen,

4. Fehlersuche nach Meldung elektrischer Gefährdungen und Gefahrenabwehr,

Das wäre das, was mir so auf die schnelle einfällt, gibt bestimmt noch mehr. Das sind Punkte zu denen die Presse nichts schreibt.
Die aber sicher Einfluß gehabt haben könnten um die Gefahr rechtzeitig zu erkennen und auszuschalten.

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