LKW - Oberleitung

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Elt-Onkel
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LKW - Oberleitung

Beitrag von Elt-Onkel » Montag 4. März 2019, 00:53

Hallo,

gestern überraschte mich der Blick aus dem PKW, als ich über die A1 fuhr.
Zwischen Lübeck und Reinfeld steht die neue LKW-Oberleitung.

Alles schick neu.

Nach meiner Kenntnis 600 Volt bei maximal 1'600 Ampere.

Einfache Rechnung:
Maximale Leistung: 960 kW.

Nun hat ein aktueller LKW so an die 320 kW.
Ergo könnten 3 LKW dort (auf Sicht) fahren.

Nach meiner Info sind es rund 12 km Strecke.
Ein LKW braucht (etwa) 50 m Autobahn.
Bei Einhalten aller Sicherheitsabstände etwa 100 m.
Ergo könnten dort 120 E-LKW fahren.
Die Oberleitung liefert Strom für 3.
Was machen die anderen 117 ?
Alle 300 Meter eine Speiseleitung ?

O.K., in Hildesheim gab es bis in die 60er Jahre auch schon Oberleitung für die O-Busse.

Soweit - so gut.

ABER

Wie soll denn dann der Rettungshubschrauber zwischen den Fahrleitungen auf der BAB landen ?

Was ist, wenn die Fahrleitung reißt ?
Wissen die anderen Kraftfahrer, was sie dann tun, oder besser lassen sollten ?

Wie erdet man im Havariefall das Konstrukt ?

Kommt dann der Notfallmanager von der Autobahnmeisterei ?

Höhe der Fahrleitung.
Bei der DB hängt die Oberleitung auf 5,50 m.
LKW sind 4,00 m hoch.
Bei Schwertransporten und illegalerweise häufig 4,20 m.
Dann braucht man einen Sicherheitsabstand und den Platz für den Stromabnehmer.
Mithin müsste die LKW-Fahrleitung - geschätzt - auf 4,70 m Höhe hängen.
Die Brücken in Deutschland sind aber nur 4,30 m bis 4,50 m hoch.
Wer hebt die Brücken an ?

Was ist mit E-PKW und Stromabnehmer-Anhängern.
Können die dort auch 'andocken' ?

Wie wird das abgerechnet ?


...

.
Scania_OL_LKW.jpg

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Elt-Onkel
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Re: LKW - Oberleitung

Beitrag von Elt-Onkel » Montag 4. März 2019, 02:29

Hallo,

folgenden Text habe ich im WWW gefunden:

Zit.: "Bahnerden bei Spannungen bis 1000 V/DC 1500 V

In aller Regel können die nachfolgend genannten Bedingungen für einen Verzicht auf
eine Verbindung mit dem Rückleiter von den vor Ort tätigen Elektrofachkräften nicht
festgestellt werden, so dass auf Erden und Kurzschließen nicht verzichtet werden kann.
Bei Nennspannungen bis AC 1000 V/DC 1500 V darf von einer Verbindung mit dem
Rückleiter – bei OBus-Oberleitungen vom Kurzschließen – nur dann abgesehen werden, wenn

– der spannungsfreie Zustand durch Freischalten, Gegen-Wiedereinschalten-Sichern
und Spannungsfreiheit-Feststellen hergestellt ist
und
– Rückspeisungen, auch durch Fahrzeuge, z.B. aus Umformern, Kondensatoren,
verhindert sind
und
– Verbindungen mit unter Spannung stehenden Fahrleitungen durch Überbrücken von
Trennstellen durch Stromabnehmer ausgeschlossen sind
und
– gefährdende Berührungsspannungen durch beeinflussende Anlagen ausgeschlossen
sind."


Also - mit anderen Worten - im Havariefall muß Kurzgeschlossen werden.

Na, das gibt ja einen Rattenschwanz von Folgen.

Und wieder haben die Feuerwehren keine PSA zum Agieren an Fahrleitungen unter Spannung.

Da werden ja noch ganz spannende Rettungseinsätze passieren:
Unfall mit herunterhängenden 600 Volt Fahrleitung, und hunderte Zivilisten, die über die Autobahn laufen.

Müssen jetzt alle Führerscheininhaber zur EUP ausgebildet werden ?


...

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Elt-Onkel
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Re: LKW - Oberleitung

Beitrag von Elt-Onkel » Montag 4. März 2019, 02:50

Hallo,

mal eine Betrachtung der Werkstoffmenge:

In Deutschland gibt es 13'000 Autobahnkilometer.

Die Fahrleitung wiegt etwa 2,8 to / km.

Macht also bei flächendeckender Installation einer LKW-Oberleitung auf Deutschen Autobahnen einen Kupferverbrauch von:

m = 13'000 x 2,8 = 36'400 to.

Und das für eine Scontomarge (s.o.) fahrender E-LKW.

Wollen alle mit Oberleitung fahren, müsste man mit dem Faktor 120 rechnen.
O.K., es gibt auch weniger belastete Strecken.
Nehmen wir also nur den Faktor 60.

Macht einen Kupferverbrauch von:

m = 36'400 x 60 = 2'184'000 to.

Die to kostet in Deutschland ca. 5'700,- EUR.

Ist also eine Gesamtinvestition von: K = 2'184'000 x 5'700 = 12,5 Mrd. EUR (Nur für das Kupfer.)

Da ist der Schwund durch Zap-Zerapp noch nicht eingerechnet.

Naja, und irgendwer muß den Strom auch noch erzeugen, und in die Oberleitung schaufeln.
(Das machen dann die Kern- und Kohlekraftwerke.)


...

E-Jens
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Re: LKW - Oberleitung

Beitrag von E-Jens » Montag 4. März 2019, 20:48

Hallo,

gesehen habe ich die Teststrecke auch schon. Mit ähnlich vielen Fragen. Ich kann es mir z.B. überhaut nicht vorstellen, wie der Stromabnehmer beim Fahren einfädelt oder ausfädelt. Am Anfang der Strecke, am Ende und beim Überholen. Wie weit kommt der LKW, wenn auf der Strecke die Antriebsbatterien aufgeladen werden?
Gruß Jens

ego11
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Re: LKW - Oberleitung

Beitrag von ego11 » Montag 4. März 2019, 21:31

So ganz neu sind die "Probleme" ja nicht, schliesslich gibt es ja schon sowas wie Straßenbahnen und O-Busse.

karo1170
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Re: LKW - Oberleitung

Beitrag von karo1170 » Montag 4. März 2019, 21:47

Elt-Onkel hat geschrieben:
Montag 4. März 2019, 00:53
Einfache Rechnung:
Maximale Leistung: 960 kW.

Nun hat ein aktueller LKW so an die 320 kW.
Ergo könnten 3 LKW dort (auf Sicht) fahren.
Gab es da bei elektrischen Anlagen nicht irgendwas mit "Auslastungsgrad", "Gleichzeitigkeitsfaktor" usw.

ego11
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Re: LKW - Oberleitung

Beitrag von ego11 » Montag 4. März 2019, 22:35

Nein, iwo...

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Re: LKW - Oberleitung

Beitrag von Elt-Onkel » Montag 4. März 2019, 23:44

Hallo,

mal abgesehen davon, daß ein moderner LKW auch mal 700 kW haben kann,
könnte es ja auch mal einen Stau geben.
Dann fahren alle E-LkW auf einen Schlag an.
In solchen Situationen ist dann wenig mit Gleichzeitigkeitsfaktor & Co.

Bei der Eisenbahn ist immer nur ein Zug in einem Blockabschnitt unterwegs.
Da reden wir dann über Fahren im absoluten Bremswegabstand.
Also maximal alle 1,5 km ein Zug.
Das wäre dann vergleichbar mit alle 500 Meter ein E-LKW.

Aber zurück zu den Fragen.

Kann irgendwer hier welche von meinen o.g. Fragen beantworten ?



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Re: LKW - Oberleitung

Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 5. März 2019, 00:03

Hallo,
E-Jens hat geschrieben:
Montag 4. März 2019, 20:48
Hallo,

gesehen habe ich die Teststrecke auch schon. Mit ähnlich vielen Fragen. Ich kann es mir z.B. überhaut nicht vorstellen, wie der Stromabnehmer beim Fahren einfädelt oder ausfädelt.
Mit Sensoren kann man das steuern.

ABER

Auch Technik kann versagen.
Wenn ein E-LKW ausschert, und der Befehl "Bügel ab" wird nicht richtig ausgeführt,
verhakt sich der Stromabnehmer in der Oberleitung.
Mit dem Ergebnis, daß die Oberleitung abgerissen wird.
Kann vorkommen.
Nur was passiert dann ?
Auf der Autobahn hängen dann zwei unisolierte Strippen vom Himmel.
Die nachfolgenden Autos fahren dagegen.
Irgendwer steigt aus.
Interessierte Heimwerker fassen die Leiter an.

Bei der Eisenbahn kommt es regelmäßig vor, daß die Fahrleitung abreißt.
Aber da sitzen die Leute in einem geerderten Wagenkasten.

Dann kommt noch das Problem der Hakenkrallen hinzu.
Jeder Öko-Aktivist, der was gegen Technik hat,
hätte die Möglichkeit von jeder Autobahnbrücke die Krallen auf die Oberleitung fallen zu lassen.

Das System ist also nicht vandalismussicher.


...

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Re: LKW - Oberleitung

Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 5. März 2019, 02:09

Hallo,

weiß jemand wer bei den Erprobungsstrecken 'den Hut auf hat' ?

An wen könnte ich meine Fragen richten ?



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