Audi Gasantrieb

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Olaf S-H
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Audi Gasantrieb

Beitrag von Olaf S-H » Montag 1. Januar 2018, 12:06

Moin zusammen,

ist mir letztens in der Werbung aufgefallen: Audi geht auch den Weg des Gasantriebes.

Sicherlich auch ein möglicher Weg, über Windenergie "künstliches" Erdgas zu produzieren. Mal sehen, ob sich das "Produkt" am Markt etablieren kann oder ob es von der Strom-Lobby "übertrumpft" wird.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden.
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Elt-Onkel
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Re: Audi Gasantrieb

Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 2. Januar 2018, 02:24

Hallo,

das scheitert leider an dem Carnot-Problem.

Das Herstellen von synthetischen Methan aus Windenergie ist äußerst unwirtschaftlich.

Ich verweise auf einen Vortrag von Hans-Werner Sinn von vor drei Wochen.
Achtung: Man braucht Sitzfleisch für die 1,25 Stunden.

Aber ich finde es mega interessant.

Auch die Berechnungen zur Windkraft plus PV und den zwingend erforderlichen Speicherwerken.
Dazu müsste man ein extra Thema aufmachen.
Im Ergebnis muss man festhalten, daß ALLE Deutschen Politiker es nicht verstanden haben.

Zum Anwärmen:

https://www.youtube.com/watch?v=xzXAZad3TcE


...

Edit:

Und von Herrn Ahlborn nochmal 1,25 Stunden.
Aber bitte im Büro nicht so laut lachen.

https://www.youtube.com/watch?v=2UBZ4VrSnN4

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Thommy62
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Re: Audi Gasantrieb

Beitrag von Thommy62 » Dienstag 2. Januar 2018, 09:34

das nächste Problem bei Erdgasantrieb ist das sehr dünne Tankstellennetz. Wir haben in der Fa. vor 4 Jahren eine beachtliche Flotte Erdgas-Caddys gefahren, wenig Reichweite( ich musste jeden 2 Tag tanken), und zu wenig Bodenfreiheit. Beim normalen Feld/Waldweg ist schon mal die Tankabdeckung zu bruch gegangen.
In unserem Umkreis haben mittlerweile auch 2 Tankstellen den Erdgasverkauf eingestellt. Die restlichen Erdgasfahrer haben dann eben Pech.....
Nach den ersten Kinderkrankheiten mit teilweise teuren Reparaturen ist mein Caddy problemlos bis 170000 km gelaufen.

villus
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Re: Audi Gasantrieb

Beitrag von villus » Dienstag 9. Januar 2018, 10:36

@Thommy62

das kann ich so unterschreiben, fahre seit knapp 220000km Caddy - Zuverlässigkeit ist ganz ok, seit Anfangsschwierigkeiten mit dem Gasdruckregler, und dem Tausch der Flaschen in 2016.

Das Video von Herrn Sinn hab ich evtl. (Edit:dieses nicht, aber vor längerem hat er so einen Vortrag schon mal gehalten.) schon gesehen, halte den Mann aber für voreingenommen, oder Geld-gelenkt.

Edit:
Video kann ich auch...
https://www.youtube.com/watch?v=kv8ozp3XQZg

Gruß und gute Fahrt weiterhin

ThomasR
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Re: Audi Gasantrieb

Beitrag von ThomasR » Dienstag 9. Januar 2018, 11:09

Herrn Sinn würde ich nicht einmal eine Auskunft zum Wetter abnehmen!

Aus Sicht der Autoindustrie (für die ich arbeite) ist der Gasantrieb ein alter Hut. Ob man da nun CNG oder LPG verbrennt, es bleibt ein Verbrennungsmotor und die damit verbundene Freisetzung von CO². Tatsächlich sind verbrannte Gase etwas schonender für die üblichen Motoren, weil sie weniger "Dreck" mitbringen als Benzin oder Diesel (erheblich geringere Zahl unterschiedlicher Molekülketten und dann auch überwiegend kurzkettige). Ab Werk eingebaute Gasanlagen sind genau so störungsfrei wie die üblichen Systeme und die Motoren halten nachweislich länger. Guter Beweis ist z.B. der Einsatz von normalen Ottomotoren in gasbetriebenen Blockheizkraftwerken: die halten da "ewig".

Das beantwortet aber nicht die Frage nach dem CO² Ausstoß. Der wird durch Gas kaum geringer, schließlich "entsteht" die Leistung/Arbeit immer noch aus einer Verbrennung von CHx Ketten (Oxidation, Sauerstoff erforderlich) und jede Verbrennung unter Anwesenheit von Kohlenstoff "C" führt zu einer COx Verbindung.

Nimmt man jedoch ein brennbares Gas OHNE Kohlenstoffanteile wie Wasserstoff, kann man dieses Gemisch verbrennen ohne daß daraus COx entsteht (hier ist die "heiße" Verbrennung von H2 in einem normalen Verbrennungsmotor gemeint, die kalte Umsetzung in einer Brennstoffzelle-->E-Motor ist ein anderes Thema). Es sind halt keine Kohlenstoffatome im Ausgangsmaterial vorhanden. Leider ist Wasserstoff nicht so ohne weiteres handhabbar.....

Der finanzielle Vorteil ergibt sich lediglich aus der sehr viel geringeren Besteuerung von LPG und CNG. Würde dies gleich wie Benzin/Diesel gehandhabt, wäre Gasantrieb überhaupt kein Thema.

Dasselbe wird aber auch mit E-Fahrzeugen geschehen! Wenn erst der Absatz von mineralischen Kraftstoffen spürbar zurückgeht, wird plötzlich das Tanken von E-Fahrzeugen besteuert werden. Wie soll dieser Steuerausfall denn sonst aufgefangen werden dd1

Der ganze Zirkus um die Ladesysteme wird auch deshalb veranstaltet, damit in dieser Zukunft zumindest der Laie nicht "zu Hause" billigen Strom tanken kann. Schließlich kann beim E-Fahrzeug nicht der Zoll den Inhalt des Tanks prüfen wie bei der widerrechtlichen Nutzung von Heizöl im Dieselauto. Strom kann man nicht einfärben :p

villus
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Re: Audi Gasantrieb

Beitrag von villus » Dienstag 9. Januar 2018, 11:55

Guter text,

nur kann ich als Übergangstechnik einen Gasmotor betreiben, der zwar bei der Verbrennung CO² ausstößt,
was aber vorher regenerativ bei der Erzeugung eingespart wurde.
Leider Skaliert das ganze nicht - wenn alle das machen würden ("Bio"-Erdgas aus Abfallproduken tanken)
wäre da schnell Schluss, und es müssten neue Quellen erschlossen werden (Wind?)

ThomasR
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Re: Audi Gasantrieb

Beitrag von ThomasR » Dienstag 9. Januar 2018, 13:11

@villus

Naja, das kann man schon in großem Umfang machen: mit Windkraft auf hoher (Nord)See den Strom erzeugen, diesen per Elektrolyse noch in den Windparks zur Erzeugung von Wasserstoff nutzen und per Pipeline an Land. Dann weiter zu den Stein- und Braunkohlekraftwerken wo deren CO² dann mit H2 zu Methan (Hauptbestandteil von Erdgas) umgesetzt würde. Statt Erdgas (CNG) würden diese Fahrzeuge dann Methan tanken, ein kaum merkbarer Unterschied.
Aber selbst das würde ja den Ausstoß an CO² erhöhen, da weiterhin Kohle verbrannt würde, ist also keine langfristige Lösung. Und kurz- oder mittelfristig ist eine Elektrolyse in diesem Maßstab nicht darstellbar womit dieser Weg eigentlich ausfällt. Aber das hast du ja selbst so gesehen...

Als Nicht-Chemiker träume ich immer noch von einem geschlossenen Wasserstoffkreislauf. Darin würde der Wasserstoff aus der Nordsee zur Umsetzung in Methanol mit CO² aus der Atmosphäre erfolgen. Dann wäre die Bilanz ausgeglichen UND die Tanks mit einer Flüssigkeit befüllt wie heute mit Benzin. Und das ganz ohne Erdöl. Leider ist schon der erste Ansatz mit M85 Sprit (das war 85% Alkohol/Methanol) ohne Erfolg geblieben.

Was machen eigentlich nun die Besitzer der ganzen M85 tauglichen Autos, die für den Kauf mehr bezahlt haben ("Flexible Fuel Vehicle"). Die gab es von allen großen Autofirmen .....

Wer mehr über die Methanoltechnik wissen möchte http://www.fvee.de/fileadmin/publikatio ... _02_12.pdf

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Elt-Onkel
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Re: Audi Gasantrieb

Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 9. Januar 2018, 14:00

Hallo,
ThomasR hat geschrieben:
Dienstag 9. Januar 2018, 11:09


Der ganze Zirkus um die Ladesysteme wird auch deshalb veranstaltet, damit in dieser Zukunft zumindest der Laie nicht "zu Hause" billigen Strom tanken kann. Schließlich kann beim E-Fahrzeug nicht der Zoll den Inhalt des Tanks prüfen wie bei der widerrechtlichen Nutzung von Heizöl im Dieselauto. Strom kann man nicht einfärben :p
Die hiesige Zuckerfabrik erzeugt Strom aus Gas zu 9 Cents die kWh.

Wenn der Batterie-Auto Zirkus noch weiter geht, erzeuge ich per Diesel-Stromerzeuger aus Heizöl meinen eigenen Strom.
Wird das Heizöl teurer, säe ich Raps, und presse mein eigenes, steuerfreies Pflanzenöl zum Betreiben des Stromerzeugers.
(In meinem Volvo mit VW-Dieselmotor habe ich schon einige tausend Liter Pflanzenöl verfeuert.)

Wasserstoff ist leider keine "Patentlösung", weil es keinen Werkstoff gibt, durch den Wasserstoff sich nicht verkrümelt.
In das Erdgasnetz kann man wegen der Wasserstoffverspödung der Stahlrohre nur maximal 8 % Wasserstoff zumischen.

Methan aus Wasserstoff herzustellen ist leider die unwirtschaftlichts Variante der Energieumwandung.
Herr Carnot hat die Physik dazu erklärt.
Der Wirkungsgrad liegt maximal bei 25 %.
Es gibt Ingenieure, die behaupten, der Wirkungsgrad liegt - unter Berücksichtigung aller Verluste - nur bei 12,5 %.
Das sind Notbehelfe für Kriegszeiten, wie das Fischer-Tropsch-Verfahren, wo man im 2.WK aus Kohle flüssige Treibstoffe gewonnen hat.

...

Olaf S-H
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Re: Audi Gasantrieb

Beitrag von Olaf S-H » Dienstag 9. Januar 2018, 14:17

ThomasR hat geschrieben:
Dienstag 9. Januar 2018, 13:11
... Darin würde der Wasserstoff aus der Nordsee zur Umsetzung in Methanol mit CO² aus der Atmosphäre erfolgen. ...
Moin Thomas,

als Schleswig-Holsteiner denke ich ja ständig an die Landgewinnung. Legst Du mir jetzt auch den Rest der Nordsee trocken? Bekommt Helgoland jetzt endlich einen Hafen für Binnenschiffe und wir können wieder Standkörbe auf die Doggerbank stellen?

Gruß Olaf joint1
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