Stromunfall mit Bahnstrom?

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Elt-Onkel
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Beitrag von Elt-Onkel » Freitag 7. Oktober 2016, 20:20

Hallo,

genau daher haben die örtlichen Feuerwehren zumindest eine Basismenge
von Erdungsgarnituen vorzuhalten.

Wie wir gesehen haben, ist es für den Verunfallten (meistens) sowieso
zu spät.

Es geht darum, alle Umstehenden und die Fahrgäste zu schützen.

Bei einem Kurzschluß der Fahrleitung gegen Erde reißt des öfteren
der Fahrdraht.

Dann muß die örtliche FF Sicherheit herstellen können.

Zwei bis vier Garnituren (incl. Spannungsprüfer) wären da schon hilfreich.

Da reden wir über Kosten von ca. 2'000,- EUR für das Material.


...

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didy
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Beitrag von didy » Freitag 7. Oktober 2016, 20:37

Teletrabi hat geschrieben:Vor etwa 20 Jahren im Zuge der Privatisierung. Seither sind die Standorte (meist Ausbesserungswerken angegliedert) bestenfalls interne Betriebsfeuerwehr oder ganz in dieser Funktion aufgelöst.
Okay, hab ich vermutet.
Neugierdehalber, hast du wo ne Übersicht wo es überall Bahnfeuerwehrstandorte gab?
Teletrabi hat geschrieben:
Pflicht hin oder her. Bis der Notfallmanager da ist, dauert es allemal deutlich länger, als bei der örtlichen Feuerwehr...
Das ist das Problem...
Wobei das tendentiell früher mit einer Bahnfeuerwehr wohl ähnlich war?
Teletrabi hat geschrieben:Wie halt auch der Bund mit seinem BGS die polizeiliche Rolle im Kontext der Bahn selbst wahrnahm statt den Landespolizeien.
Mööp, kleiner Irrtum. Das ist heute noch so.
Nur heißt der Laden inzwischen Bundespolizei. Auf Bahngebiet sind die zuständig.
(Nebenbei, war es zu Bundesbahn-Zeiten sogar überwiegend eine eigene Bahnpolizei. Die wurde erst im Zuge der Wiedervereinigung zum Bundesgrenzschutz eingegliedert, der später zur Bundespolizei wurde.)

IH-Elektriker
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Beitrag von IH-Elektriker » Freitag 14. Oktober 2016, 15:01

Zum Thema Feuerwehr und Strom ist mir heute eine nette VDE-Norm unter die Finge gekommen:

DIN VDE 0132 - Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung im Bereich elektrischer Anlagen

Betreffend der Erdung von Hochspannungsleitungen steht folgender Satz in der Norm:

"Hochspannungsanlagen, z. B. Freileitungen, dürfen unter keinen Umständen durch behelfsmäßiges Erden und Kurzschließen oder Durchtrennen spannungsfrei gemacht werden, weil diese Maßnahmen mit nicht überschaubaren Gefahren verbunden sind."

Die Quintessenz aus dieser Norm ist das die FW alles was Abschalten, Erden usw. betrifft eigentlich im Normalfall zu unterlassen hat bis fachkundiges Personal das sich mit der Anlage auskennt vor Ort ist - Ausnahmen nur dann wenn es um die Rettung von Menschenleben geht.

Die Feuerwehr darf also nur selbst aktiv werden wenn z.B. abzusehen ist das eine Person verstirbt bevor fachkundiges Personal vor Ort ist....

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Elt-Onkel
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Beitrag von Elt-Onkel » Freitag 14. Oktober 2016, 18:23

Hallo,

sorry, Deine Aussage UND Schlussfolgerungen sind GRUNDFALSCH.

Der Feuerwehrmann als ausgebildeter Bahnerden macht nix provisorisches oder behelfsmäßiges.

Es gibt zugelasene Garnituren, wo sogar die Farbe der Isolierung und des Schrumpfschlaues über den Kabelschuhen vorgeschrieben ist.

Durchtrennen von Fahrleitungen ist auch nicht Aufgabe des Bahnerdungsberechtigen.

Abschalten tut die ZES.

Und um Hochspannung geht es auch nicht.

15kV sind Mittelspannung.

Bahnerden ist ein Geschäft für Profis.

Die sind auszubilden und nach dem Gesetz vorzuhalten,
wenn eine Bahnlinie durch den Gemeindebezirk verläuft.
Jeder OA-Leiter als Chef der Feuerwehr macht sich angreifbar,
wenn er aus Geldgründen dieses unterlässt.


...


P.S.
Das Bahnerden auf DB-Baustellen übernehmen die SiPo's.
(Wenn sie denn eine Lizenz dafür haben.)
SiPo ist die unterste Lohngruppe auf der Baustelle.
Früher gab es dafür 6,80 EUR brutto, heute zwangsläufig 8,50 EUR die Stunde.
Da will mir doch niemand erzählen,
daß ein durchschittlicher, deutscher Feuerwehrmann nicht in der Lage ist,
so eine solche Tätigkeit zu erlernen.
Zudem muß die Lizenz jedes Jahr erneuert werden.
Die Aufgabe ist doch einfach:
Auf einer eingewiesenen Strecke im Gefahrenfall den FDL oder die ZES anrufen,
und sich die Abschaltung bestätigen lassen.
Dann den Spannungsprüfer einhängen,
und zeitnah das olle Kabel festschrauben.

ThomasR
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Hochgeholt wegen Neuss: Stromunfall mit Bahnstrom?

Beitrag von ThomasR » Mittwoch 6. Dezember 2017, 12:47

Gibt es dazu schon neue Erkenntnisse?

Angeblich haben die Rettungskräfte fast zwei Stunden untätig neben dem Gleis gestanden weil die Fahrleitung nicht spannungsfrei war. War sie nicht freigeschaltet oder hatte nur niemand eine Erdungsgarnitur für die induzierte Restspannung? Oder war das am Ende eine Speiseleitung.....

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Elt-Onkel
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Re: Stromunfall mit Bahnstrom?

Beitrag von Elt-Onkel » Donnerstag 7. Dezember 2017, 00:41

Hallo,

auf den Sattelitenbildern ist keine Speiseleitung zu sehen.

Die Leute hatten Angst vor der Restspannung in der Fahrleitung.

Und auch hier wieder der Kardinalfehler:
Falscher Feuerwehrbedarfsplan.

Keine EFK vor Ort - kein Erdungsmaterial.

Ich hatte es oben schon geschrieben.
Läuft eine Bahnlinie durch das Gemeindegebiet, muss die Feuerwehr solche Kabel vorhalten.

Die OL auf der freien Strecke war am Unfallgleis sowieso ausgeschaltet (Überstromschutzorgan).
Wenn der FDL nur ein ganz klein wenig Hirn im Kopf hatte, hat er die OL vom Gegengleis auch ausgeschaltet.
Also hätte die Feuerwehr nicht einmal einen Spannungsprüfer gebraucht.
Hier wäre Tasten zulässig gewesen.
Also Erden ohne Abschalten.

Wäre alles in 15 Minuten zu erledigen gewesen.

Die Bildzeitung schrieb sogar von einem "Stromgefängnis".
Das war natürlich völliger Blödsinn.


...

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Re: Stromunfall mit Bahnstrom?

Beitrag von Elt-Onkel » Donnerstag 7. Dezember 2017, 00:50

Hallo,

nun mal zwei Bilder.

A) Erdungsseil mi Fahrleitungsklemme und Tastspitze.
B) Eingehängter Spannungsprüfer und eingehängte Erdung.


...
Bahnerdung_a.jpg
Bahnerdung_d.jpg

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