Stromunfall mit Bahnstrom?

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didy
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Beitrag von didy » Mittwoch 5. Oktober 2016, 02:00

Elt-Onkel hat geschrieben:Sicher.

Wenn eine Strecke - auch nur temporär - aus der Benutzung genommen wird,
gibt es FESTE Erdverbindungen der Fahrleitung zur Erdschiene.
Wenn dem so ist, dann aber noch nicht immer.
Den Bahnhof München Olympiastadion (regelmäßig verwendet "nur" zu Olympia 1972, danach nur sporadisch zu großen Fußballspielen) hat man in den 80ern als Abstellgleis für Güterwaggons verwendet. Fahrleitung abgeschaltet und dann abgebaut hat man erst, nachdem es einen tödlichen Unfall von Güterwagenturnern gab.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_M ... piastadion
Elt-Onkel hat geschrieben:Feuerwehren an Bahnlinien besitzen (manchmal) eine Erdungsgarnitur
mit Spannungsprüfer.
Sie besitzen keine Erdungsgarnituren für Speiseleitungen.
(Ich hatte es oben erklärt.)
Nun dass man eine Speiseleitung nicht eingeschaltet Erden kann ist das eine. Aber man könnte ja durchaus bei der ZES anrufen, sagen man solle hier ausschalten (Die Feuerwehr wird keine genauen Stromkreisnummern kennen - in diesem Fall hat die ZES halt alles abzuschalten, was an diesem Streckenkilometer vorbeikommt), nach entsprechener Meldung die Spannungsfreiheit feststellen und dann erden...?
Wenn auf dem Fahrleitungsmast eine 110kV-Speiseleitung hängt, dann muss die ZES der Feuerwehr eben sagen, dass sie da mit ihrem Spannungsprüfer und Erdungsgarnitur nirgends hingehen darf - abschalten kann die ZES dann trotzdem alles.
Teletrabi hat geschrieben:Als die Bahnfeuerwehren aufgelöst wurden
Das war wann ungefähr?
zebra-ma hat geschrieben:ist hier definitiv nicht gewollt und gewünscht. Man sieht die Bahn in der Pflicht.
Pflicht hin oder her. Bis der Notfallmanager da ist, dauert es allemal deutlich länger, als bei der örtlichen Feuerwehr...

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Elt-Onkel
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Beitrag von Elt-Onkel » Mittwoch 5. Oktober 2016, 07:21

Hallo,

die örtliche Feuerwehr ist in der PFLICHT Bahnerder vorzuhalten,
wenn denn eine Bahnlinie mit Fahrleitung ihr Gebiet tangiert.
(Das ergibt sich schon aus dem Feuerwehrbedarfsplan.)
(Wenn das nicht klappt muß man zwei Leute in den Hintern treten:
Leiter Ordnungsamt und Gemeindebrandmeister.)
(Wenn das auch nicht wirkt: Petitionsausschuß im Landtag.
Danach läuft es, wie geschmiert.)

Da gibt es KEINE Ausrede.

Also trifft es immer die BF und meistens die FF.

Das ist deckungsgleich wie mit den Autobahnen.

Hier in Lehrte kotzt die FF schon ab,
weil die A2 jede Woche einen LKW - Crash liefert.

Die abgeschalteten Speiseleitungen und Fahrleitungen der DB sind nach dem
Abschalten NICHT Spannungsfrei.

Es bleiben ca. 4 kV gegen Erde auf dem Draht.

Selbstverständlich kann die ZES alles abschalten.
Dafür braucht Otto-Normalverbraucher nicht einmal eine Lizenz.
Es ist völlig ausreichend die BPol anzutelefonieren,
und die Abschaltung der Strecke xy am km xy zu fordern.
Wegen dem Umweg über die Bpol dauert es erwas länger:
So ca. 5 Minuten bis alles abgeschaltet ist,
und der Zugverkehr stehen bleibt.

DANACH kann dann der Notfallmanager gerne noch fachgerecht erden.

Ich besitze eine Vielzahl von eigenen Erdungsgarnuturen und
Spannungsprüfer, und ich habe sogar eine Lizenz zum Schalten und Erden.
Leider führt durch das Gebiet unserer Feuerwehr keine Bahnlinie.

ABER

Jedwede Abschaltung nach einem Unfall mit Personenschaden kommt IMMER zu spät.
Es werden nur noch die Bergekräfte geschützt.
15 kV sind in ca. 90 % der Fälle tötlich.
Deswegen gibt es ja bei solchen Unfällen ja auch keine 'Rettungskräfte'.
I.d.R. werden auch nur Bahren und keine Tragen gebraucht.
Es gibt auch keine 'erste Hilfe'.


...

P.S.
Speiseleitungen und Umgehungsleitungen sind nur 'Verlängerungsschnüre' der Fahrleitung.

PP.S.
Ich kann hier gerne ein Video zeigen,
wie in Indien ein Mann absichtlich an die Fahrleitung fassen will,
und dann abbrennt.

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Elt-Onkel
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Beitrag von Elt-Onkel » Mittwoch 5. Oktober 2016, 08:07

Hallo,
didy hat geschrieben:
Wenn dem so ist, dann aber noch nicht immer.
Den Bahnhof München Olympiastadion (regelmäßig verwendet "nur" zu Olympia 1972, danach nur sporadisch zu großen Fußballspielen) hat man in den 80ern als Abstellgleis für Güterwaggons verwendet. Fahrleitung abgeschaltet und dann abgebaut hat man erst, nachdem es einen tödlichen Unfall von Güterwagenturnern gab.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_M ... piastadion

Also war die Strecke / die Abstellgruppe NICHT außer Betrieb genommen !

Daher auch keine Abschaltung und Erdung.


...

IH-Elektriker
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Beitrag von IH-Elektriker » Mittwoch 5. Oktober 2016, 10:57

Besten dank für die Einblicke in die „Bahntechnik“ – viele Dinge sind einem da als Außenstehendem ja nicht so geläufig. Man lernt in diesem Forum immer wieder dazu ! ;)

ThomasR
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Beitrag von ThomasR » Mittwoch 5. Oktober 2016, 12:28

Danke auch von mir!

Bahntechnik ist doch etwas Besonderes....

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Beitrag von -Claus- » Mittwoch 5. Oktober 2016, 14:05

Elt-Onkel hat geschrieben:Jedwede Abschaltung nach einem Unfall mit Personenschaden kommt IMMER zu spät.
Durchschnittlich sind 12 Todesfälle pro Jahr zu beklagen.

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Beitrag von didy » Mittwoch 5. Oktober 2016, 18:02

Elt-Onkel hat geschrieben:Die abgeschalteten Speiseleitungen und Fahrleitungen der DB sind nach dem
Abschalten NICHT Spannungsfrei.

Es bleiben ca. 4 kV gegen Erde auf dem Draht.
Ja. Aber das dürften dann nur kapazitive Einkopplungen, Leckströme o.Ä. sein. Jedenfalls etwas, was man im Gegensatz zur eingeschalteten Leitung gefahrlos erden kann (richtiges Equipment und Wissen vorausgesetzt).
Daher die Frage: Warum kann die Feuerwehr eine Speiseleitung nicht erden - wenn die ZES freigeschaltet hat und die Feuerwehr per Spannungsprüfer das auch nachgeprüft hat?
Elt-Onkel hat geschrieben:Also war die Strecke / die Abstellgruppe NICHT außer Betrieb genommen !

Daher auch keine Abschaltung und Erdung.
Im umgangssprachlichen Sinne kann "keine planmäßigen Zugverkehre" eben schon als "stillgelegt" interpretiert werden, und dann so auch in der Zeitung stehen. Das meinte ich.

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Elt-Onkel
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Beitrag von Elt-Onkel » Mittwoch 5. Oktober 2016, 18:14

Hallo,

nochmal:

Die Speiseleitungen und Umgebungsleitungen haben 'Koffergriffe',
wo eine Erdung angeschlossen werden darf.
Vorher MUSS der Mast mit der Erdschiene verbunden werden,
weil die Masterde immer als 'geklaut' vorausgesetzt wird.

Um die SL und UL zu erden, muß man auf den Mast klettern.
Dann die Spannung auf unter 10 kV testen,
dann die Affenschaukel am Mast festschrauben,
danach an der Fahrleitung.

Es ist also eine ZWEITEILIGE Erdungsgarnitur erforderlich.
Solches Equippment besitzen in Deutschland nur Siemens, und deren Nachunternehmer.
Jeder, der auf den Mast klettert, braucht eine spezielle persönliche Schutzausrüstung.
So etwas besitzt bei der Feuerwehr nur die Höhenrettungsgruppe.

Feuerwehren in Deutschland brauchen nur Fahrleitungen von Straßenbahnen und Eisenbahnen erden können.

Danach enden die Möglichkeiten.


...

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Beitrag von didy » Mittwoch 5. Oktober 2016, 18:30

Hallo,

dass eine erweiterte Erdungsgarnitur erforderlich ist, hatte ich mal vorausgesetzt. Wenn es nur daran gescheitert wäre, hätte mich eben gewundert, dass das nicht auch Standard ist. Dass entlang einer Bahnstrecke noch eine 15kV Speiseleitung mit auf den Fahrleitungsmasten läuft ist ja nun nicht sooo selten würde ich sagen.
Dass man auf den Mast klettern muss war mir nicht klar. Erhöht die Schwierigkeitsstufe natürlich. Sollte aber für eine Feuerwehr auch kein prinzipiell unüberwindbares Hindernis sein?

Mich wundert eben, wieso man das eine kann, und das andre nicht. Bei ähnlicher Gefährdung. Dass man etwas mehr Equipment und Unterweisung braucht sehe ich da als kein Totschlagargument.
Elt-Onkel hat geschrieben:Solches Equippment besitzen in Deutschland nur Siemens, und deren Nachunternehmer.
Und schätzungsweise DB Netz.

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Beitrag von Elt-Onkel » Mittwoch 5. Oktober 2016, 19:49

Hallo,
didy hat geschrieben:Hallo,

dass eine erweiterte Erdungsgarnitur erforderlich ist, hatte ich mal vorausgesetzt.
Dass man auf den Mast klettern muss war mir nicht klar. Erhöht die Schwierigkeitsstufe natürlich.
Sollte aber für eine Feuerwehr auch kein prinzipiell unüberwindbares Hindernis sein?
Also, die DB Fahrleitung hängt (normalerweise) 5,50 m über Grund.

Hast Du schonmal eine Glasfaserstange mit Erdungsklemme und Kabel
in 50 mm² da hochgewuchtet ?

Die SL hängt nochmal 2,00 m höher.
Und dann muß man exakt 'den Koffergriff' treffen.
(Also auf ca. 4 cm genau.)

Das alles bei Nacht.

Wer soll das vom Erdboden aus schaffen ?

O.K. zum nächsten Forentreffen bringe ich eine Erdungsgarnitur mit.
Dann kann sich jeder einmal probieren.

Die Höhenrettungsgruppe der BF hat die Ausrüstung,
um auf Masten zun klettern.

...

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