Stromunfall mit Bahnstrom?

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Elt-Onkel
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Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 4. Oktober 2016, 20:18

Hallo,
zebra-ma hat geschrieben:
Der Kollege im Korb allerdings war wohl die ganze Zeit ansprechbar, hat aber deutliche Schäden davon getragen. Unbestätigte Info gestern war, dass er noch nicht übern Berg ist. Da gilt es also noch die Daumen zu drücken und zu hoffen.

Zum Unfallgeschehen:

Es handelt sich um eine Versorgungsleitung der Bahn für einen anderen, noch genutzten Streckenabschnitt. Die Leitungsführung befindet sich an der Unfallstelle so halb oberhalb der Straße. Problem war die Erdung und diese hat einige Zeit gedauert, bis die entsprechenden Personen und Material vor Ort waren.
Dann hat nicht der Korb die Speiseleitung berührt,
sondern der Mann.

Also genau, wie ich vermutet habe:
Eine oberhalb der Fahrleitung führende Speiseleitung.

Diese Leiterseile haben in der Nähe der Masten 'Koffergriffe'.
Nur an diesen Bauteilen darf man die Erdungsgarnitur einhängen.
Oben erfolgt eine Verbindung zum Mast,
und unten muß VORHER eine Verbindung von der Erdschiene
zum Mast hergestellt werden.
(Die normalerweise vorhandene Masterde wird als 'geklaut' vorausgesetzt.)

Dann ist also die Einsatzstelle nicht richtig erkundet worden.

Ausfahren der Drehleiter in Richtung Speiseleitung.

Da hängen die Dinger extra schon ganz oben,
damit möglichst keiner anpackt.

15 kV abzubekommen ist meißt tötlich.
Wenn nicht, dann gibt es so viele innere Verbrennungen,
daß es lebenslänglichen Ärger bedeutet.
Eine 100 % Heilung ist mir nicht bekannt.

Der Maschinist saß auf dem Bediener-Sessel.
Logisch, daß der nicht zu Schaden gekommen ist.


...

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Elt-Onkel
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Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 4. Oktober 2016, 20:31

Hallo,
ThomasR hat geschrieben:
Wird bei diesen parallel verlaufenden Speiseleitungen nach Kurzschluß auch zwei Mal wieder zugeschaltet?
Selbstverständlich.

Eine Speiseleitung ist doch nichts anderes,
wie eine Verlängerungsleitung der Fahrleitung.


...

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didy
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Beitrag von didy » Dienstag 4. Oktober 2016, 20:44

ThomasR hat geschrieben:Wie sind die 16,7 Hz Höchstspannungsleitungen eigentlich gegen Erde geschaltet? Erde = Rückleiter?
Bei der Fahrleitung ist die Schiene der Rückleiter. Diese liegt zwar auf Erdpotential, aber das Ziel ist wohl schon, den Strom primär in der Schiene fließen zu lassen.
Das 110kV-Bahnstromnetz ist im Prinzip ein erdsymmetrisches Zweiphasen-Netz. Also zwei Leiter, einer Hin-, einer Rückleiter. 110kV zwischen beiden Leitern, jeder Leiter 55kV gegen Erde.
Standardmäßig zwei System auf einem Mast.
Somit auch leicht zum öffentlichen Netz unterscheidbar. 4 Leiter = Bahnstrom, Mehrfaches von 3 Leitern = öffentlicher Drehstrom.
Elt-Onkel hat geschrieben:An diesn Auslegern können entweder 15 kV - Leiterseile angebracht sein, oder eben solche für 110 kV.
Es gibt echt 110kV-Leitungen auf Fahrleitungsmasten?
Elt-Onkel hat geschrieben:Wenn die Strecke stillgelegt ist,
ist die Fahrleitung abgeschaltet.
Sicher?
Solange die Strecke nur stillgelegt im Sinne von keine bestellten (planmäßigen) Verkehre mehr, aber die Strecke noch nicht entwidmet ist, würde ich als Laie da mal eher nicht davon ausgehen.


Was mich wundert: Wieso musste erst der Notfallmanager kommen? Ich dachte immer, die Feuerwehren entlang elektrifizierter Bahnstrecken wissen auch, wie man eine Fahrleitung erdet? Dass sie das nur im Notfall tun mag sein, aber das war ja wohl einer...?
Und wie kommt die Zeitung auf 110kV wenns nur eine 15kV Speiseleitung war?

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Elt-Onkel
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Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 4. Oktober 2016, 20:49

Hallo,
ThomasR hat geschrieben:
Eine unter voller Spannung stehende 15kV Versorgung kann man als Laie wohl kaum erden (nach den Beschreibungen hier aus dem Forum). Wie soll da eine erste Hilfe für den Mann im Korb rechtzeitig stattfinden?
Eine unter Spannung stehende Speiseleitung kann man gar nicht erden.

Selbst wenn ich hier immer erzähle, ich darf erden ohne Abschalten,
bezieht sich das nur auf die Fahrleitung.
Und auch nur dann, wenn der Kurzschlußstrom unter 25 kA liegt.

Erst wenn Abgeschaltet ist, kann man eine Speiseleitung erden.

Erste Hilfe für den Mann im Korb gibt es nicht.

In Hannover - Nordstadt hat man versucht, mit Pulverlöschern
(Salz) die brennenden Glasreiniger zu löschen.
Selbst wenn die zu der Zeit noch gelebt hätten,
die hätten sich bedankt, ihre offenen Brandwunden mit Salz bestäuben zu lassen.

Die einzige Maßnahme, die bleibt, bis die Erdung fertig ist,
ist psychologischer Natur: Den Verletzten ansprechen.


...

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Elt-Onkel
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Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 4. Oktober 2016, 21:00

Hallo,
didy hat geschrieben:
Sicher?
Solange die Strecke nur stillgelegt im Sinne von keine bestellten (planmäßigen) Verkehre mehr, aber die Strecke noch nicht entwidmet ist, würde ich als Laie da mal eher nicht davon ausgehen.


Was mich wundert: Wieso musste erst der Notfallmanager kommen? Ich dachte immer, die Feuerwehren entlang elektrifizierter Bahnstrecken wissen auch, wie man eine Fahrleitung erdet? Dass sie das nur im Notfall tun mag sein, aber das war ja wohl einer...?
Sicher.

Wenn eine Strecke - auch nur temporär - aus der Benutzung genommen wird,
gibt es FESTE Erdverbindungen der Fahrleitung zur Erdschiene.

Feuerwehren an Bahnlinien besitzen (manchmal) eine Erdungsgarnitur
mit Spannungsprüfer.
Sie besitzen keine Erdungsgarnituren für Speiseleitungen.
(Ich hatte es oben erklärt.)
Es hätte einen Ausweg gegeben:
Wenn der Brandmeister der zuständigen Feuerwehr einen Plan
der Schaltgruppen (EBSÜ) gehabt hätte,
hätte er prüfen können,
in welche Schaltgruppe die Speiseleitung mündet,
und hätte dort (eine) Erdung in die Fahrleitung hängen können.
Das wäre dann zwar immer noch eine zu wenig gewesen,
vielleicht auch zu weit weg,
aber so hätte man die Zeit des Wartens sinnvoll verbringen können.
Dann wäre die Restspannung der Fahrleitung
oberhalb vom Korb von 4 kV vielleicht auf 80 Volt zu reduzieren gewesen.

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zebra-ma
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Beitrag von zebra-ma » Dienstag 4. Oktober 2016, 21:06

didy hat geschrieben: Was mich wundert: Wieso musste erst der Notfallmanager kommen? Ich dachte immer, die Feuerwehren entlang elektrifizierter Bahnstrecken wissen auch, wie man eine Fahrleitung erdet? Dass sie das nur im Notfall tun mag sein, aber das war ja wohl einer...?
Und wie kommt die Zeitung auf 110kV wenns nur eine 15kV Speiseleitung war?
Betreiber der Bahn war nicht die Bahn sondern ein Tochterunternehmen (?)

Davon ab: Ich wüsste nicht, dass wir als Anlieger der Betuwe jemanden haben, der die Fahrbahnleitungen erden dürfte oder kann.......

Gruß

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Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 4. Oktober 2016, 21:12

Hallo,

dann aber ganz schnell eine Weiterbildung beantragen,
und eine Erdungsgarnitur MIT Spannungsprüfer beschaffen.


...

P.S.
Ich fahr jetzt zu meiner Bahnbaustelle (ohne Oberleitung)
Buchholz i.d. Nordheide.

Teletrabi
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Beitrag von Teletrabi » Dienstag 4. Oktober 2016, 22:23

Als die Bahnfeuerwehren aufgelöst wurden, fiel dieZuständigkeit zur Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung an die Kommunen. Da es sich andererseits aber um spezifische Gefahren aus dem Bahnbetrieb handelt die das örtliche allgemeine Riski übersteien, hätte man die Bahn in die Pflicht nehmen können, selbst für Abhlfe zu sorgen. Hatte aber a) der Bund als Eigentümer kein Interesse an solchen Ausgaben und b) ist einem Großteil der Bahnspezifischen risiken auch mit dem ohnehin örtlich vorhandenen Material zu begegnen.
Also gab es den Deal, die Bahn unterstütze künftig die Feuerwehren auf etwas abstrakterer Ebene statt sich selbst um ihre Risiken zu kümmern.
Daraus entstand dann der Notfallmanager und das Bereitstellen von Unterlagen zu gängigen Personenwaggons. Sowie die Möglichkeit, im Bahneren ausgebildet zu werden, ggf. auch das Material zu erhalten.
Das ist aber kaum auf die Ebene der normalen Fw kommuniziert worden, für Bahnbesonderheitne kpmmere sich halt die Bahn mit dem Notfallmanager. Dass das im Schadensfall nur sehr bedingt weiterhilft, denkt man besser nicht drüber nach. Kommt ja von oben der Deal.
streng genommen wäre m.E. von den Kommunen mit zu prüfen, ob der Notfallmanager überhaupt in angemessener Zeit vor Ort ist und ggf. selbst die Kapazität zum Bahnerden vorzuhalten. Aber würde ja aufwand machen.


Speiseleitung erden:
sind das einfach nur zusätzliche Speisepunkte für einzeln schaltbare Abschnitte? Also quasi ein gewöhnlicher Fahrdraht-Abgang des Unterwerks, nur ein paar km verschleppt? Oder ist da wesentlich mehr Leistung hinter und an den einzelnen Speisestellen gibt's nochmal Leistungsschalter?

zebra-ma
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Beitrag von zebra-ma » Dienstag 4. Oktober 2016, 22:43

Elt-Onkel hat geschrieben:Hallo,

dann aber ganz schnell eine Weiterbildung beantragen,
und eine Erdungsgarnitur MIT Spannungsprüfer beschaffen.


...

P.S.
Ich fahr jetzt zu meiner Bahnbaustelle (ohne Oberleitung)
Buchholz i.d. Nordheide.

Hallo,

ist hier definitiv nicht gewollt und gewünscht. Man sieht die Bahn in der Pflicht.

Gruß

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Beitrag von Teletrabi » Dienstag 4. Oktober 2016, 22:51

Schöner Irrglaube...

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