Rlo-Messungen an Maschinen im Industriebereich

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cyclist
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Rlo-Messungen an Maschinen im Industriebereich

Beitrag von cyclist » Montag 14. März 2016, 22:15

Hallo zusammen!
Ich habe da mal wieder ein neues Thema... :rolleyes:

Wie führt ihr die Rlo-Messung (Nachweis der Niederohmigkeit) an ausgedehnten Maschinen im Industriebereich durch?
Z.B. an Motoren. Die Motore werden von einem Schaltschrank versorgt, die Motore sind auf einem Metallgestell bzw. an Rohrleitungen montiert und sind damit sicherlich auch mit dem Potentialausgleich verbunden.

Der PE der Motoranschlussleitungen ist ja im Schrank und amMotor angeschlossen. Der Schrank ist niederohmig mit dem PA verbunden.

Normalerweise gehe ich mit einer Messleitung (kalibriert, d.h. der Widerstand der Messleitung wird automatisch abgezogen --> z.B. 125m = 2,66 Ohm). Das eine Ende der Messleitung wird im Schrank an die PE-Schiene, oder an die PAS/HES angeschlossen. Mit dem anderen Ende dann vor Ort am Motor den Durchgangswiderstand mittels Messgerät ermitteln.
Der Wert liegt in diesem Fall zu 99,9% bei <0,1 Ohm, da der Motor ja auch über diverse Gestelle u. Rohrleitungen super niederohmig mit dem PA verbunden ist. Trotzdem könnte ja der PE hochohmig sein, ohne das ich es mit diesem Verfahren nachweisen könnte (trotz Besichtigung beider Anschlussstellen ohne negativen Befund).

Führt ihr also die Messung, wie zuvor beschrieben durch, oder weist ihr über ein anderes Messverfahren die Niederohmigkeit des Betriebsmittels nach?
Z.B. Erdschleifenwiderstandmessung mit einer Erdungsmesszange?

Mir geht es hier um die praktische Ausführung, nicht ob man die Messung auch entfallen lassen kann.
Vorsichtshalber: Dieser Beitrag stellt keine, in diesem Forum nicht zulässige, Rechtsberatung dar.
Ciao + Gruss
Markus

IH-Elektriker
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Beitrag von IH-Elektriker » Dienstag 15. März 2016, 14:46

cyclist hat geschrieben: Normalerweise gehe ich mit einer Messleitung (kalibriert, d.h. der Widerstand der Messleitung wird automatisch abgezogen --> z.B. 125m = 2,66 Ohm). Das eine Ende der Messleitung wird im Schrank an die PE-Schiene, oder an die PAS/HES angeschlossen. Mit dem anderen Ende dann vor Ort am Motor den Durchgangswiderstand mittels Messgerät ermitteln.
Der Wert liegt in diesem Fall zu 99,9% bei <0,1 Ohm, da der Motor ja auch über diverse Gestelle u. Rohrleitungen super niederohmig mit dem PA verbunden ist. Trotzdem könnte ja der PE hochohmig sein, ohne das ich es mit diesem Verfahren nachweisen könnte (trotz Besichtigung beider Anschlussstellen ohne negativen Befund).
Darum heisst es ja in der EN60204-1 bzw. auch im Auslegungsbuch des VDE-Verlages (Band 26) zu der Norm dass das erreichte Messergebnis unter Berücksichtigung des Leiterquerschnittes und der Länge von einem Fachmann entsprechend zu bewerten ist ;)

Man ist sich wohl im klaren darüber ist das i.d.R. nicht nur eine Schutzleiterverbindung über den bspw. Motorschutzleiter vorhanden ist, sondern in der Praxis auch immer parallele Verbindungen über die Befestigung des Motors sowie die metallischen Maschinenkomponenten vorhanden sind.

Eine reine Messung des Schutzleiters wird wohl nur durch einseitiges Abklemmen möglich sein. Und dann stellt sich die Frage wie ich den Anschluss messtechnisch kontrollieren will, den rein theoretisch könnte dieser ja optisch in Ordnung sein, aber einen erhöhten Widerstand haben.

Das Messverfahren ist nicht völlig der Weisheit letzter Schluss, eigentlich müsste man doppelt messen – einmal den Schutzleiter abgeklemmt und dann angeklemmt um wirklich ganz sicher zu gehen.

Viel schlimmer ist jedoch immer das hantieren mit ellenlangen Messleitungen. Hat man dann ein messgerät wo man deren Widerstand nicht „wegkalbrieren“ kann sondern händisch bei jeder Messung herausrechnen muss ist das total nervig. Oder wenn der Schaltschrank einer Anlage im Keller steht, der dazugehörige Motor über Dach sitzt . Dann ist die zweite von Dir genannte Messmethode sicherlich sinnvoller und wird auch durchaus so angewendet.

Bei mir ist es glücklicherweise so das ich mit roundabout 25m Messleitung fast alle Punkte erreichen kann (zum Glück….) und das ich diese Messung nicht selbst machen muss sondern Leute habe die dies für mich tun ;) – ich muss nur ab und an mal messen wenn es eilt und niemand erreichbar ist – oder wenn Problemfälle bekannt werden…..

Funker
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Beitrag von Funker » Dienstag 15. März 2016, 18:39

Bei langen Leitungslängen wäre auch ein Verfahren nach HD 60364-6:2007
= VDE 0100 - 600 : 2008 - 06 Anhang B3 möglich.

Eine Zange über die Zuleitung gelegt die andere Zange über eine kurze zeitweilig nicht stationäre PE Verbindung vom Motor Gehäuse zu einem anderen nachweislich geerdeten Punkt z.B. dem PE einer Steckdose in der Nähe oder etwas anderes wie leitfähiges Gebäudebestandteil.
Dann messe ich die PE Schleife in der Zuleitung.
Wenn man parallel dazu die Steckdose direkt mit Prüfstecker mißt, kann man auch diesen noch Wert abziehen.

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cyclist
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Beitrag von cyclist » Dienstag 15. März 2016, 19:11

Hallo Funker!
Eine Zange über die Zuleitung gelegt die andere Zange über eine kurze zeitweilig nicht stationäre PE Verbindung vom Motor Gehäuse zu einem anderen nachweislich geerdeten Punkt z.B. dem PE einer Steckdose in der Nähe oder etwas anderes wie leitfähiges Gebäudebestandteil.
Dann messe ich die PE Schleife in der Zuleitung.
In Kurzform also einfach die Erdschleifenimpedanzmessung mittels der 2-Messzangen Methode bzw. mit einer sog. Erdungsmesszange?

Mir geht es weniger darum, aufzuzeigen welche Messverfahren möglich sind, sondern wie es in der Praxis real gemacht wird! Und der Verzicht auf die Messung keine Option ist! ;)
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Ciao + Gruss
Markus

Olaf S-H
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Beitrag von Olaf S-H » Dienstag 15. März 2016, 20:40

cyclist hat geschrieben:... sondern wie es in der Praxis real gemacht wird! ...
Moin cyclist,

Widerstand zwischen PE-Schiene im Schaltschrank und z. B. Motorgehäuse messen. Ist der Wert kleiner als der überschlägig (Querschnitt und Länge) ermittelte Leiterwiderstand interessiert es niemanden mehr.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
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Beitrag von Funker » Dienstag 15. März 2016, 20:51

[quote="cyclist"]Hallo Funker!

In Kurzform also einfach die Erdschleifenimpedanzmessung mittels der 2-Messzangen Methode bzw. mit einer sog. Erdungsmesszange?

Mir geht es weniger darum, aufzuzeigen welche Messverfahren möglich sind, sondern wie es in der Praxis real gemacht wird! Und der Verzicht auf die Messung keine Option ist! ]

Zum Nachweis der niederohmigen Verbindung sehe ich die Messung mit zwei Zangen als eine gute Alternative, wenn die Maschine ausgedehnt ist
ohne daß man lange Prüfschnüre braucht.

Bei Z-Schleife muß ich dagegen an das Klemmbrett der Maschine / des Motors. Die doppelte Erdung des PE über die Befestigung des Gehäuses und leitfähige Gebäudebestandteile wird dabei in der Regel nur eine untergeordnete Rolle spielen, da die R Werte dieser Verbindungswege in der Regel höher sind als die des PE der Zuleitung. Also muß man auch nichts abklemmen.

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Beitrag von cyclist » Dienstag 15. März 2016, 21:39

Hallo Funker!
Bei Z-Schleife muß ich dagegen an das Klemmbrett der Maschine / des Motors.
Von Z-Schleife (Schleifenimpedanz) war doch gar nicht die Rede bislang! Sondern von Erdschleifenwiderstand!
Schau dir mal den von dir selber zitierten Anhang B3 - "Messung des Erdschleifenwiderstands" aus der DIN VDE 0100-600:2008-06 an:
Die Zangen können einzeln an ein Messgerät angeschlossen werden oder sie können in einer Spezialzange kombiniert sein.
;) Diese "Spezialzangen" nennen sich Erdungsmesszangen...
Die doppelte Erdung des PE über die Befestigung des Gehäuses und leitfähige Gebäudebestandteile wird dabei in der Regel nur eine untergeordnete Rolle spielen, da die R Werte dieser Verbindungswege in der Regel höher sind als die des PE der Zuleitung.

Das mag bei kleinen Anlagen der Fall sein, aber nicht bei großen Anlagen oder Maschinen!
Die Maschine besteht z.B. aus 60-100 Motore oder andere Betriebsmittel, die über einen PE geerdet und über die Befestigung oder über weitere Anlagenteile (Rohre) wiederum mit dem PA verbunden sind. Zudem sind alle Rohre und Gestelle sehr niederohmig und mehrfach mit dem PA verbunden.
Insofern sind alle parallelen Verbindungen sicherlich deutlich niederohmiger, als die direkte Verbindung über den PE (z.B. 1,5mm² innerhalb der Motoranschlussleitung).

Abklemmen kommt aus mehreren Gründen nicht in Frage.
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Ciao + Gruss
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Beitrag von Funker » Dienstag 15. März 2016, 22:05

Wenn Du nicht Z Schleife messen willst sondern nur die
niederohmige Verbindung werden die Ergebnisse mit der Zange sicher auch ausreichend sein.
Da ist dann eine Durchgangsprüfung über die leitfähigen Teile und / oder den PE.

Die Erdschleife messe ich dagegen nur wenn eine Verbindung zu einem Einzelerder geprüft wird und dieser keine niederohmige leitfähige direkte
Verbindung zu anderen Erdern oder Bauteilen hat und eine höherohmige
Verbindung nur über das Erdreich besteht.

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