Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

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froebel88
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von froebel88 »

Elektromann hat geschrieben: Montag 8. August 2022, 08:16 Hallo Kollegen, das ist ein ganz schön kniffliges Problem - wenn man es genau betrachtet. Also die Hauptquelle der Erwärmung, dürfte die magnetische Induktion im Ferromagnetischen Körper sein (also "Schelle"). Der (Wechsel-)Strom führende Leiter erzeugt eine Umpolung der Elementarmagnete in der Schelle, diese Schwingung erzeugt dann Wärme. Soweit so gut, es gibt aber auch noch eine Reihe von Nebeneffekten. Bisher hab ich noch keine Aussagen in der Literatur gefunden wie diese Wirkung proportional zur Stromstärke ist. Letztlich hängt die Erwärmung ja auch von der Ausbreitung der Schelle (Fläche) ab. Eine Erdung der Elemente hilft gegen andere Effekte, die ebenfalls die Erwärmung fördern z.B. Oberschwingungen, das kann ich aber z.Zt. alles noch nicht bewerten. Für Hilfe bin ich da dankbar... ich bin aber am Thema :-)
Ich hätte nun vermutet dass das Magnetfeld der Einzelader einen Wirbelstrom in der Schelle induziert. Und aufgrund des ohmschen Widerstandes des Metalls entsteht Hitze. Der induzierte Strom ist proportional zur Stromstärke, somit auch die Wärme.

Ich vermute, eine Erdung bringt nichts, weil Kirchhoff ja besagt, dass die Summe aller Ströme = 0 sein muss. Würde der Strom über die Erde einfach abfließen, wäre diese Regel nicht erfüllt..
Olaf S-H
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von Olaf S-H »

Moin zusammen,

die aktuelle Fundstelle hierzu ist VDE 0100-520:2013-06, 521.5.1.

Alle Leiter müssen sich in einer Umhüllung befinden. Allso alle Leiter unter einer Schelle und alle Leiter durch eine Einführung - wenn ferromagnetisches Material verwendet wird.

Einige Schaltgerätekombinationshersteller verwenden auch Kunststoff- oder Aluminiumflansche für die Einführungen. Dann können Einzeladern in Einzelverschaubungen eingeführt werden.

Aluminiumschellen fand ich immer etwas problematisch, da die Stabilität zu wünschen übrig lässt. Auch geht das Gewinde in der Bügelschelle schnell kaputt, wenn der Elektriker dicke Oberarme hat. :D

Eine Erdung bringt hier nichts. Wie auch? Der Strom fließt durch die mittels C-Schiene kurzgeschlossene Bügelschelle. Ob geerdet, ungeerdet oder auf irgendeinem Potential ändert hier nichts.

Gruß Olaf
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vde1
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tm90
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von tm90 »

Moin,

da habe ich noch zu groß gedacht, sorry. Wenn eine empfindliche EMV-Umgebung in der Nähe von Einzelleiterkabeln der NSHV geplant wurde, legen wir diese Einzelleiter in einen Metallkanal mit Deckel und Erdung, um die magnetischen Wechselfelder abzuschirmen. Das sich die Schellen dann trotzdem nicht zwangsläufig in einer gemeinsamen Umhüllung befinden war mein Denkfehler.
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Elt-Onkel
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

man kann die Sache auch weiterdenken:

Einleiterkabel durch Kunststoffverschraubung durch Blech vom Schaltschrank.

Dann fungiert das Durchführungsblech als 'Trafokern'.


...
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Elt-Onkel
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

oder z.B. folgendes Bild 'aus dem Leben':
.
elt_8_aa.jpg
.

Alle NS-Strippen hübsch parallel auf der C-Schiene mit Stahl-Bügelschellen
einzeln festgeschraubt.


...
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Elektromann
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von Elektromann »

Elt-Onkel hat geschrieben: Dienstag 9. August 2022, 15:39 Einleiterkabel durch Kunststoffverschraubung durch Blech vom Schaltschrank.
Dann fungiert das Durchführungsblech als 'Trafokern'.
Ja das stimmt, wie gesagt es hängt von der Stromstärke und der 'angeregten Fläche / angeregtem Volumen' ab welche Temperaturen zu erwarten sind. Letztlich ist Wärme = Molekulare Schwingung, die wird eben durch den magnetischen Kraftfluss erzeugt, ja auch in der Wirbelstrombremse. Eisenfreie Felder erzeugen in der Wechselwirkung auch Wärme - hier an den Spulen (durch Krafteinwirkung). Das ganze in eine Formel zu bekommen ist aber eine interessante Aufgabe. Ja, die Kirchhofschen Gesetze gelten natürlich, Strom fliest nur wenn der Stromkreis geschlossen ist. Es gibt aber Solitonen, die kommen ins Spiel bei bestimmten Situationen und deshalb... Ich finde es spannend, habe aber gerade zu wenig Zeit, freue mich aber über jeden Beitrag zum Thema. Danke auch an Elt-Onkel für das schöne Trafo Bild, ja da natürlich auch, aber hat jemand schon eine erhöhte Temperatur gemessen? Also mir ist es bislang nicht aufgefallen, aber jetzt suche ich natürlich NN1
froebel88
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von froebel88 »

Elt-Onkel hat geschrieben: Dienstag 9. August 2022, 16:11 Alle NS-Strippen hübsch parallel auf der C-Schiene mit Stahl-Bügelschellen
einzeln festgeschraubt.
Die Trafos sind sicherlich parallel geschaltet, oder? Wurde bei der Errichtung darauf geachtet, dass die Anschlussleitungen der NSHV an Trafo 1 und Trafo 2 exakt gleichlang sind? Ansonsten würde ich vermuten, dass ein Trafo merklich höher belastet ist, als der andere..?
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Elt-Onkel
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

es sind zwei Trafos 500 kVA (20/0,4).
Die sind parallel geschaltet.
Einer mit 1000 kVA hätte nicht durch die Türen vom Kellerraum gepasst.

Die Differenzlänge der zwei Zuleitungskabel (4 x 3 x NAYY 150) beträgt etwa 6 Meter.


...
froebel88
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von froebel88 »

Hast Du da mal die Ströme beider Trafos unter Last gemessen und verglichen? Täte mich mal interessieren..

Warum 4x3x150? Das Foto sieht für mich eher nach 3x4 aus. ;)
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Elt-Onkel
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Re: Bügelschellen aus Stahl oder Aluminium

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

für die Nichtelektriker:

4 Pole zu je 3 Adern mit je 150 mm² Alu.

Und gaaaanz genau:
+ 1 Ader 150 mm² Alu als PE

Wobei ich den 1/3 Querschnit vom PE sportlich finde.

In der NSHV gibt es dann den ZEP.
Warum man den PE als Einzelader bis zum Trafo geführt hat,
weiss ich nicht.
Eigendlich hätte man im Schaltschrank der NSHV eine Brücke bauen können.

Die Bügelschellen dort werden demnächst mal in Augenschein genommen.

Die Ströme hat dort noch nie jemand gemessen.
Bei Volllast schon gar nicht.
Die Maximallast dürfte so bei 60 % liegen.


...
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