Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

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lagerregal
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Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von lagerregal »

Moin,

in einer UV, welche zur Versorgung einer Großküche dient, (Nennstrom 400 A) soll ca. die Hälfte der Stromkreise via "Not-Aus" abgeschaltet werden.
Es soll eine Wiedereinschaltung möglich sein, ohne die Verteilung bedienen zu müssen. Also per "Rücknahme" des Not-Aus, oder mittels "Ein"-Taster.

Wie würdet ihr das normkonform realisieren?

Am einfachsten wäre es meiner Meinung nach, ein Lastschütz vorzusehen, um einen Abschnitt der Sammelschienen abzuschalten.
Schütze sind aber gem. 0100-530 nicht für Not-Aus-Anwendungen zugelassen.

Eine mögliche Alternative wäre, einen Lasttrennschalter mit Unterspannungsauslöser für das Abschalten (für die Drahtbruchsicherheit) und Motorantrieb (für das Einschalten) vorzusehen.

Hat sonst noch jemand eine Idee?

Besten Dank
troete
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Re: Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von troete »

Kannst du deine Definition ein wenig ausführen? Um welche Räumlichkeit handelt es sich konkret?
(Bspw. eine Azubi-Küche)

Ich würde zum Wiedereinschalten entsprechend ein Schlüsselschalter verwenden. Somit hat man die Thematik mit autorisiertem Personal abgehakt.

Es gibt Not-Aus-Relais.
Eine sehr (ausführliche) Beschreibung hat bspw. die Firma Pilz auf seiner Homepage zur Verfügung gestellt.

Mir stellen sich hier noch einige andere Fragen. Dies kann man sehr groß aufziehen.... Stichwort "Performancelevel"
lagerregal
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Re: Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von lagerregal »

Moin,

danke für die Antwort.

Es handelt sich um eine Großküche eines Gewerbebetriebs, in welcher vom Nutzer gefordert ist, dass manche Geräte via Not-Aus abgeschaltet werden sollen. Zudem soll der Not-Aus auch zu Feierabend betätigt werden, um zu gewährleisten, dass die "gefährlichen" Geräte nachts außer Betrieb sind. Folglich muss ein einfaches Widereinschalten (bei Arbeitsbeginn) möglich sein.

Es sollen ca. 50% der Stromkreise in der UV abgeschaltet werden.

Die Not-Aus-Relais von Fa. Pilz kenne ich. Soweit ich weiß, geht es da aber eher um das Thema "Not-Halt", also das sichere abschalten von Maschinen. (Da spielt dann auch das Thema Performance-Level mit rein).

In "meinem" Fall soll ja aber einfach nur die Energiezufuhr sicher unterbrochen werden (Not-Aus). Dafür reicht eigentlich ein Schaltgerät, das die Anforderung nach einer Trennfunktion gem. der VDE 0100-530 erfüllt (Beispielsweise ein Lasttrennschalter). Soweit ich weiß, ist das mit Schützen nicht realisierbar.

Also bleibt dann eigentlich nur ein Lasttrennschalter mit Motorantrieb.. Oder?
troete
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Re: Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von troete »

https://www.maschinen-sicherheit.net/07 ... chnung.php

Hier eine kleine Erklärung dazu.

Danach würde ich meine Anlage auslegen und vor allem Dokumentieren.

Desweiteren würde ich gesondert betrachten, was passieren kann, durch einen erneuten selbständigen Anlauf oder/und bei Wiederanlauf von Maschinen, die an den Steckdosen angeschlossen werden.

Dann geht's dann weiter, wo kommt überall ein Not-Aus hin? Welche Bereiche will ich abschalten? Stichwort "Ausfallmatrix".
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SPS
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Re: Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von SPS »

Hallo,
ich frage mich ob hier unbedingt der in den Normen verwendete Begriff "Notaus" verwendet werden muss.

Wenn keine Normen einen Notaus fordern, tut es auch ein Zentral ein /aus Schalter oder Taster ...
Dann würde wohl auch ein Schütz reichen.
Mit freundlichem Gruß sps
troete
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Re: Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von troete »

lagerregal hat geschrieben: Sonntag 26. März 2023, 15:47 Moin,

danke für die Antwort.

Es handelt sich um eine Großküche eines Gewerbebetriebs, in welcher vom Nutzer gefordert ist, dass manche Geräte via Not-Aus abgeschaltet werden sollen. Zudem soll der Not-Aus auch zu Feierabend betätigt werden, um zu gewährleisten, dass die "gefährlichen" Geräte nachts außer Betrieb sind. Folglich muss ein einfaches Widereinschalten (bei Arbeitsbeginn) möglich sein.

Es sollen ca. 50% der Stromkreise in der UV abgeschaltet werden.

Die Not-Aus-Relais von Fa. Pilz kenne ich. Soweit ich weiß, geht es da aber eher um das Thema "Not-Halt", also das sichere abschalten von Maschinen. (Da spielt dann auch das Thema Performance-Level mit rein).

In "meinem" Fall soll ja aber einfach nur die Energiezufuhr sicher unterbrochen werden (Not-Aus). Dafür reicht eigentlich ein Schaltgerät, das die Anforderung nach einer Trennfunktion gem. der VDE 0100-530 erfüllt (Beispielsweise ein Lasttrennschalter). Soweit ich weiß, ist das mit Schützen nicht realisierbar.

Also bleibt dann eigentlich nur ein Lasttrennschalter mit Motorantrieb.. Oder?
Hi Lagerregal,

gerne doch.
In deinem Fall würde ich das Ding nicht "Not-Aus" nennen, sondern "Schaltung von Steckdosen" oder ähnliches.

Der Not-Aus oder Not-Halt ist klar definiert, ja.
Mit unter sind diese wie der Name schon sagt, nur für den Notfall gedacht. Auf keinen Fall für das tägliche Ein- und Ausschalten.

In der Praxis geht man bspw. bei Hallen hin, und schaltet einfach über ein Schütz mehrere Lichtbänder der Hallenbeleuchtung ein.

Da es sich hierbei um "offene Stromkreise" handelt, sieht die Geschichte vielleicht ein wenig anders aus.

Also ich würde 2 Taster mit "Ein-/Aus" nehmen + ein Schütz. Die Not-Aus Funktion brauchst du nicht, wenn ich das richtig verstanden habe.

Und was dennoch dann verhindert werden sollte, ist das selbstständige Anlaufen von Maschinen die dann daran hängen.

Dies sollte aber dann gesondert betrachtet werden. Ggf. alle Steckdosen deklarieren und über Verfahrensanweisungen verhindert werden, das "ungeeignete" Geräte dann eingesteckt werden.
lagerregal
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Re: Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von lagerregal »

troete hat geschrieben: Sonntag 26. März 2023, 15:58 In deinem Fall würde ich das Ding nicht "Not-Aus" nennen, sondern "Schaltung von Steckdosen" oder ähnliches.

Der Not-Aus oder Not-Halt ist klar definiert, ja.
Mit unter sind diese wie der Name schon sagt, nur für den Notfall gedacht. Auf keinen Fall für das tägliche Ein- und Ausschalten.

In der Praxis geht man bspw. bei Hallen hin, und schaltet einfach über ein Schütz mehrere Lichtbänder der Hallenbeleuchtung ein.

Da es sich hierbei um "offene Stromkreise" handelt, sieht die Geschichte vielleicht ein wenig anders aus.

Also ich würde 2 Taster mit "Ein-/Aus" nehmen + ein Schütz. Die Not-Aus Funktion brauchst du nicht, wenn ich das richtig verstanden habe.
Im Falle eines Fettbrandes o.Ä., soll über diesen "Zentral-Aus" die betroffenen Geräte ausgeschaltet werden. Dafür gibt es in der Küche einen einrastenden "Not-Aus-Pilz". Zusätzlich soll diese "Zentral-Aus"-Funktion eben auch zu Feierabend betätigt werden.

Es reicht grundsätzlich ein reines Trennen der Energieversorgung (Not-Aus). Die Frage wäre dann halt, ob das eine "Not-Aus-Einrichtung" im Sinne der 0100-530 ist, oder nicht ..
Olaf S-H
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Re: Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von Olaf S-H »

Moin lagerregal,

die Lösung ist doch eigentlich ganz einfach. Die Küche ist eine Arbeitsstätte. Folglich ist eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers erforderlich. In dieser sollte festgelegt sein, was erforderlich ist. Da es elektrotechnische Belange sind, muss auch die VEFK des Betreibers eingebunden werden. Natürlich auch die Sifa.

Es ist wohl wieder das übliche Problem: Der Elektriker muss die Defizite der anderen Projektbeteiligten ausbügeln. Wann versteht unsere Zunft endlich, dass nicht wir festlegen, wo ein Not-Aus hin muss? Wir sind für die fachgerechte Errichtung zuständig.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
vde1
Für elektrotechnische Laien gilt: Dieser Beitrag erläutert die technischen Zusammenhänge. Die Umsetzung obliegt den konzessionierten Fachbetrieben (§13(2)NAV).

"Wer eine Handlung begeht, der übernimmt auch alle daraus folgende Pflichten." §33 I-3 prALR 1794
lagerregal
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Re: Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von lagerregal »

Hallo Olaf,

ich habe das Gefühl, dass die Beiträge alle ein wenig an meiner Fragestellung vorbei gehen.

Die Gefährdungsbeurteilung wurde durchgeführt. Es wurde festgelegt, dass eine Abschaltvorrichtung notwendig ist, auf welche Geräte diese wirken soll und wo der Standort sein soll.

Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob in dem Fall ein Schalter mit Trennereigenschaften nach 0100-530 notwendig ist, und wenn ja, wie man das am besten realisiert. Gibt es noch andere Möglichkeiten als den oben beschriebenen Lasttrennschter mit Motorantrieb, das umzusetzen?
troete
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Re: Bereichsweise Not-Abschaltung in Unterverteilung

Beitrag von troete »

lagerregal hat geschrieben: Sonntag 26. März 2023, 16:53 Hallo Olaf,

ich habe das Gefühl, dass die Beiträge alle ein wenig an meiner Fragestellung vorbei gehen.

Die Gefährdungsbeurteilung wurde durchgeführt. Es wurde festgelegt, dass eine Abschaltvorrichtung notwendig ist, auf welche Geräte diese wirken soll und wo der Standort sein soll.

Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob in dem Fall ein Schalter mit Trennereigenschaften nach 0100-530 notwendig ist, und wenn ja, wie man das am besten realisiert. Gibt es noch andere Möglichkeiten als den oben beschriebenen Lasttrennschter mit Motorantrieb, das umzusetzen?
Zitiere doch bitte einmal deine Bedenken aus der DIN-VDE und der Gefährdungsbeurteilung.

Eine "Abschaltvorrichtung" ist nicht gleich ein NOT-Aus für mich.
Ich kann auch ein Pilstaster in schwarz hin montieren.

Eine DIN-VDE ist auch "nur" eine Richtlinie an die man sich halten sollte und kein zwanghafter muss.

Mich würde besonders interessieren, was bzgl. des "Fettbrand" drin steht.
Welche Gefahr geht hiervon aus und welche Maßnahmen müssen ergriffen werden?
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