Belastung von Sammelschienen in NSHV

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Elt-Onkel
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Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

nachdem div. verschiedenen Unterlagen (DIN + Herstellerveröffentlichungen)
unterschiedliche Werte ausweisen, habe ich mal die Strombelastbarkeit
von Sammelschienen in NSHV ausgerechnet.

Ich habe auf 20°C Lufttemperatur normiert,
und für Kupfer eine Endtemperatur von 50°C angesetzt,
und für Aluminium 45°C.

Dabei kommen folgende Werte heraus (auf Sicherungsgrößen gerundet):

12x5 = 60 mm² ----> Cu 125 A
20x5 = 100 mm² ---> Cu 250 A --> Al 160 A
12x10 = 120 mm² --> Cu 250 A --> Al 160 A
30x5 = 150 mm² ---> Cu 400 A --> Al 250 A
20x10 = 200 mm² --> Cu 400 A --> Al 315 A
25x10 = 250 mm² --> Cu 500 A --> Al 350 A
30x10 = 300 mm² --> Cu 630 A --> Al 400 A

Das deckt sich mit den Angaben von Hensel für Mi-Gehäuse.

Rittal geht bei Kupfer auf 70 °C Schienentemperatur.
Dann ist es jeweils eine Nummer größer.

70°C empfinde ich als eine solide Elektroheizung.
Das kann eigendlich nichts mehr mit Energieeffizienz zu tun haben.

Beim Verdrahtungsband schreibt Hensel was von 100°C.
Wenn man die Isolierung weg lassen würde, komme ich auf 70°C.
Beides empfinde ich als zu hoch.

Nun können die Hensel Mi-Gehäuse je nach Größe eine bestimmte
Wärmemenge abführen.
Für Sicherungen gibt es schöne Tabellen, was deren Heizleistung betrifft.

Aber welche Wärmemenge gibt denn z.B. eine Cu-Schiene mit
120 mm² pro Meter bei 50°C Gebrauchstemperatur und
20°C Umgebungstemperatur ab ?

Hat da jemand Tabellen ?


...

P.S: Für die 70°C findet man folgenden Aufsatz im Internet:
https://www.elektropraktiker.de/ep-2005 ... 5c804e8715
Aber es ist ja nicht nur ein Wärmeproblem.
Irgendwann wird die Längenausdehnung von Sammelschienen auch
betrachtungswürdig.
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Elt-Onkel
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Re: Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

zwar keine Tabelle, aber eine Rechenanweisung:

Im WWW ein PDF: Nennströme von Sammelschienen E-Cu (DIN 43 671) - Rittal

Da komme ich (mit den Basiswerten) auf 28 Watt pro lfdm. bei einer
Cu-Schiene 30x10 mit 630A.
Macht für 60 cm dann 17 Watt je Schiene.
Sind also 50 Watt für drei Schienen in einem Hensel Mi 0400.
Zulässig wären lt. Hensel 70 Watt.
Das würde also passen.

Selbst wenn man wegen der Oberwellenproblematik den N mit dazu
nehmen würde, wären es 67 Watt.

Auch eine ganz schöne E-Heizung.

Da wundert es mich, dass Hager die 12x5 mit 250 A freigibt,
und die 12x10 mit 315 A zulässt.


...
tm90
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Re: Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von tm90 »

Moin,

da kann man ganze Studien dazu lesen, hier eine davon:

https://tud.qucosa.de/api/qucosa%3A3640 ... ATT-0/?L=1

Aber eine einheitliche Tabelle gibt es nicht.
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Elt-Onkel
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Re: Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

zusammen mit dem Rittal-Paper macht es einen Sinn.

ABER ich bin immer noch der Meinung, dass da Elektroheizungen
konzipiert werden.

Bei den (Ortsnetz-)Trafos wird nun mehr Kupfer und Eisen verbaut,
um die Verluste zu redizieren.
Die Trafos nach alter Bauart würden keine Zulassung mehr bekommen,
würde man sie heute so neu bauen.

Bei der Ausnutzung zu Spitzenzeiten mag das ja sinnvoll sein.
Aber im Regelbetrieb auf 70°C Schienentemperatur zu planen,
scheint mir doch wirklichkeitsfremd.


...
Elo-Ocho
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Re: Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von Elo-Ocho »

Moinsen,
Elt-Onkel hat geschrieben: Mittwoch 11. Januar 2023, 04:38 ...
Bei der Ausnutzung zu Spitzenzeiten mag das ja sinnvoll sein.
Aber im Regelbetrieb auf 70°C Schienentemperatur zu planen,
scheint mir doch wirklichkeitsfremd.
...
da bin ich voll und ganz bei Dir.

Ich habe jetzt die Leistungsverluste und Abwärme nicht nachgerechnet, aber eine soleche Spitz- auf Knopf- Auslegung macht keinen Sinn.

Zum Einen ist es immer besser, Reserven zu haben, als zu brauchen. Zum Anderen geht es ja auch darum, das Verluste aus ökologischen und ökonomischen Verlusten zu minimieren sind. Dazu wurde ja auch die VDE 0100-801 ins Leben gerufen.

In der Lüftungstechnik geht das soweit, das in den letzten Jahren die zulässigen Luftgeschwindigkeiten immer weiter reduziert wurden, mit der Folge, dass die Geräte um den Preis der Energieeinsparung immer größer wurden.

Ocho
Immer wenn ich Langweile habe, dann melde ich mich in einem Eltern-Forum an und Frage, wie weit man den Schimmel im Pausenbrot der Kinder wegschneiden sollte...
Josupei
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Re: Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von Josupei »

70°C ist bestimmt nicht das energieeffizienteste.

Allerdings, wenn ich Leitungen nach 0298-4 dimensioniere und diese dann nahe dem gerechneten Wert betreibe, geht die Norm ja auch von 70°C Leitertemperatur aus.

Am Ende entscheidet das Lastprofil. Notstromanlagen legen wir mit 70°C aus, da diese eh kaum laufen.
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Elt-Onkel
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Re: Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,
Josupei hat geschrieben: Donnerstag 12. Januar 2023, 10:40 70°C ist bestimmt nicht das energieeffizienteste.

Notstromanlagen legen wir mit 70°C aus, da diese eh kaum laufen.
Und wenn sie denn laufen, sind es Elektroheizungen.
Ob das so sinnvoll ist bei der geringen Strommenge ?

Die Cu-Schienen und Kabel in dem Schrank meiner NEA habe ich
auf 40°C ausgelegt.


...
Josupei
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Re: Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von Josupei »

Naja es ist generell schon interessant ob ich 800 oder 1400mm2 Flachkupfer pro Phase nutzen muss. Man muss da ja auch noch in den Schaltschrank, der in einem beschränkten Raum aufgebaut wird einbringen koennen. Und ob die Kabelstrecken 2x4x240mm2 sind oder 5-6 mal macht halt auch paar Tausend Euro aus. Die paar KW Abwäre wenn nebenan der Diesel juckelt kratzt den Lüfter nicht wirklich. Ob das sinnvoll ist, kann man wie folgt betrachten aus meiner Sicht.

1.Mutmassliche Laufzeit über die Lebensdauer (also eingesparbare Verluste vs Mehrkoaten.) Lässt sicb ja rechen.

2. Technische Realisierbarkeit aufgrund des höheren Platzbedarfes.
E-Jens
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Re: Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von E-Jens »

Hallo,

es kommt darauf an, wer die Zeche zahlt.
Wenn der Schaltschrank günstiger und kleiner ist, sind das gute Verkaufsargumente.
Die Abwärme bezahlt dann der Nutzer. Also 2:0 für den Hersteller des Schaltschrankes.
Der Käufer könnte sich vorher informieren. Aber eine Kostenabwägung über die Nutzungsdauer machen doch die wenigsten Nutzer.
Gruß Jens
Josupei
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Re: Belastung von Sammelschienen in NSHV

Beitrag von Josupei »

Bei Nea reden wir ja über Anlagen die bestenfalls nie laufen. Bzw. In Deutschland 15min im Jahr ( Durchschnittliche Stromausfallzeit) und 1h im Monat Testlauf. Da muss man bei den paar Watt mehr an Verlusten eigentlich nixht lang überlegen, den Mehrinvest in Kupfer bekomme ich nie raus. Zudem sind die angeschlossenen Komponenten ja für die Temperaturen zugelassen.
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