IT Generator an Hausnetz?

In dieses Forum gehört alles, was sich mit dem Titel vereinbaren lässt
ThomasR
Null-Leiter
Beiträge: 1300
Registriert: Sonntag 27. März 2005, 01:20
Wohnort: Nideggen
Kontaktdaten:

IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von ThomasR »

Nachdem ich neulich im Baumarkt Zeuge wurde, wie sich Laien zwei (!!) 11kW Bauheizer kauften um damit im Winter die Bude zu heizen (trotz funktionierender Gasheizung!), bin ich jetzt auch vorsichtiger geworden. Wenn davon nur drei oder vier in der Straße laufen, kann es schnell "dunkel" werden.

Und ich dachte immer, mit einem Passivhaus für alles gerüstet zu sein, Pustekuchen! Wenn der Strom länger ausfällt, muß ich für "frische Luft" die Fenster öffnen denn dann ist ja auch die Lüftungsanlage ausgefallen. Und bei Minusgraden gibt es nichts, womit ich bei Bedarf "zuheizen" kann (die WP steht ja still).

Also möchte ich in diesem NOTFALL meinen 1kW Inverter Moppel an die Lüftungsanlage anschließen (max. 150 Watt Leistungsaufnahme). Soweit, so gut.

Aber erstens muß man die Lüftung dafür vom restlichen Hausnetz trennen und zweitens sind da Gerätschaften mit PE verbaut, bei denen eine fehlende PE Funktion problematisch sein könnte (Brushless Motoren).

Logischerweise kommt man schnell auf die Idee, dann gleich in das ganze Hausnetz einzuspeisen und selektiv nur bestimmte Verbraucher zulassen (insgesamt 80 LS im Haus, jedes größere Gerät kann einzeln abgeschaltet werden). Das würde über eine Einspeisedose und phasengebrücktem "Sonderkabel" direkt in die Verteilung gehen (SLS aus, WR abschalten etc.). Damit wird ein L aus dem Moppel aber im HAK (TN-C-S) zum N gemacht, der PE aus dem Moppel wäre dann ebenfalls über diese Brücke "rückwärts" angebunden.

Ich bin mir vollkommen bewußt, daß man damit keinerlei Kurzschlußschutz mehr hätte, weil der Inverter auf keinen Fall die Ströme für ein Abschalten von LS liefern kann (alles 13A "B"). Da ich aber für jeweils 8 LS auch einen 30mA RCD habe, sehe ich die Gefahr als gering an. Auch würde der Inverter bereits bei >1.000Watt selbsttätig abschalten, eine Leitungsgefährdung wäre damit ausgeschlossen.

Der Personenschutz müsste aber doch durch die RCD's noch gegeben sein, oder übersehe ich da etwas??
Benutzeravatar
Elt-Onkel
Null-Leiter
Beiträge: 6820
Registriert: Donnerstag 25. März 2004, 01:08
Kontaktdaten:

Re: IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

anhand der folgenden Grafik dürfte es klar werden:
.
Notstromeinspeisung_bbb.png

...
ThomasR
Null-Leiter
Beiträge: 1300
Registriert: Sonntag 27. März 2005, 01:20
Wohnort: Nideggen
Kontaktdaten:

Re: IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von ThomasR »

Elt-Onkel, danke!

Das ist die übliche Schaltung mit einem fest installierten Umschalter. Den würde ich mir sparen weil ich als Elektrofachkraft in der Lage sein sollte, die SLS und WR vorher abzuschalten sagnix1 Die PE-N Brücke entsteht bei fehlendem Umschalter durch die Brücke im HAK, der Moppel steht isoliert.

Wenn man das nicht macht sind die Folgen klar. (insofern denke ich nochmal drüber nach, in Hektik/Panik vergißt man schon mal seine Checkliste)

Aber wofür benötige ich den RCD auf der Einspeiseseite wenn ALLE abgehenden Kreise schon jeweils einen RCD haben? Wohlgemerkt, das ist für den hoffentlich nie eintretenden NOTFALL, keine Dauergebrauchslösung für die Benutzung durch Laien.

Und was macht ein eHZ, der rückwärts gespeist wird inocc1
Benutzeravatar
Elt-Onkel
Null-Leiter
Beiträge: 6820
Registriert: Donnerstag 25. März 2004, 01:08
Kontaktdaten:

Re: IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,
ThomasR hat geschrieben: Sonntag 11. September 2022, 14:25
Und was macht ein eHZ, der rückwärts gespeist wird inocc1
Nix.

...
Benutzeravatar
Elt-Onkel
Null-Leiter
Beiträge: 6820
Registriert: Donnerstag 25. März 2004, 01:08
Kontaktdaten:

Re: IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

man kann den Umschalter ja auflösen in zwei Hauptschalter.

Ist in meiner Privat-Bude auch so.

Darf nur eben kein Laie dran rumschalten.


...
Benutzeravatar
Elt-Onkel
Null-Leiter
Beiträge: 6820
Registriert: Donnerstag 25. März 2004, 01:08
Kontaktdaten:

Re: IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von Elt-Onkel »

Hallo,

man kann den Umschalter ja auflösen in zwei Hauptschalter.

Ist in meiner Privat-Bude auch so.

Darf nur eben kein Laie dran rumschalten.

Die Grafik habe ich mal zusammengebastelt, um den Bauern zu zeigen,
was sie brauchen, wenn sie einen Zapfwellengenerator betreiben
wollen.
Selbstredend braucht man einen Schaltplan vom Innenleben des Stromerzeugers.


...
OChatter
Null-Leiter
Beiträge: 157
Registriert: Freitag 5. Februar 2016, 07:10

Re: IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von OChatter »

Kein Sonderkabel sondern die Brücke an den Einspeise-Gerätestecker der Anlage bauen und den notstromversorgten Teil per Umschalter zwischen Netz und dem Einspeisestecker umschalten. Am esten gleich lastseits der Brücke noch 'nen zentralen 30er Fi für den Notstrombetrieb und wenn der Generator selbst auch noch FI-geschützt sein soll, auch zwischen Brücke und Einspeisestecker noch einen FI.
Entsprechende Netzumschalter für EFH-übliche Ströme gibts beispielsweise von Kra**s-Na*m*r.
tm90
Null-Leiter
Beiträge: 514
Registriert: Sonntag 20. Februar 2022, 20:03

Re: IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von tm90 »

Moin,

ich habe das auch erst im Forum hier gelesen und verstanden.
Wenn ich das Thema finde, teile ich noch den Link.

Mein Testaufbau im Carport - hier war erst einmal die geringste Gefahr und ich konnte alles fest in der Klemmdose anschließen.

Grundsätzlich:
Ein Inverter ist so gesehen kein IT Netz, sondern ein II Netz oder besser Schutz durch Schutztrennung.
Der Inverter ist isoliert aufgebaut und auch die an den Stromerzeuger angeschlossenen Geräte dürfen kein Erdpotential "einschleppen" - also isoliert aufgebaut sein.
Dann funktioniert der Stromerzeuger optimal.
Nun hast du einen ersten Fehler - Ader beschädigt und liegt in Pfütze mit Erdpotential - schon hast du ein TN-Netz, da ein Potential nun geerdet ist und somit die Spannung der geerdeten Ader von 115V auf 0V fällt und die zweite Ader von 115V auf 230V steigt.
Deshalb sollen, wenn am kleinen Inverter-Stromerzeuger mit Schutztrennung mehrere Steckdosen sind, alle weiteren Steckdosen mit FI geschützt werden. Die erste Steckdose braucht noch keinen FI.
Wenn jetzt noch ein zweiter Fehler hinzukommt - die zweite Ader hat nun auch einen Erdkontakt - würde der FI auslösen und der Fehlerstrom unterbrochen.
Elt-Onkel hat geschrieben: Sonntag 11. September 2022, 13:34 Ich bin mir vollkommen bewußt, daß man damit keinerlei Kurzschlußschutz mehr hätte
Das ist hier anders gelöst. Bei einem Kurzschluss muss der Stromerzeuger innerhalb weniger Sekunden die Spannung entweder auf unter 50V absenken oder die Last komplett abwerfen. Hier kannst du dein Moppel einfach testen. Ich nehme eine 50m Kabeltrommel und habe einen Prüfschalter, der Potential 1 und 2 kurzschließt. Die Stromerzeuger husten dann erst einmal heftig, aber die Spannung bricht zusammen. Es schaltet also bei dir keine Sicherung in der UV ab, sondern der Stromerzeuger sorgt dafür, dass die Spannung zusammenbricht.
ThomasR hat geschrieben: Sonntag 11. September 2022, 14:25 aber wofür benötige ich den RCD auf der Einspeiseseite


Die anderen FI sind optional, der Einspeise-FI ist dein Personenschutz. Hier habe ich auch meine Brücke im Carport zwischen Potential 1 und PE angeschlossen. Somit haben wir einen ersten Fehler eingebaut und aus dem II NEtz ein TN Netz gebaut. Den Carport habe ich vorher von L und N freigeklemmt. Egal, wo in deiner Anlage jetzt noch ein Fehler aufkommt, es löst immer sofort der Einspeise-FI aus und trennt die Anlage. Vom Carport kann ich mir dann auch die Spannung in die UV holen und dann alles andere Versorgen.
ThomasR
Null-Leiter
Beiträge: 1300
Registriert: Sonntag 27. März 2005, 01:20
Wohnort: Nideggen
Kontaktdaten:

Re: IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von ThomasR »

Bei meiner Überlegung würde beim Einstecken (NACH dem Öffnen der SLS und Abschalten WR!!) durch die im TN System vorhandene Brücke im HAK automatisch ein L des Moppels zum N werden, also quasi absichtlich der erste "Fehler" erzeugt.

Dann sind die RCD's des vorhandenen Haussystems für den Personenschutz zuständig, denn deren Funktion bleibt damit ja erhalten. Ein weiterer RCD gleich an der Einspeisestelle wäre nur eine Kaskadierung und würde keinerlei zusätzlichen Schutz bringen (so mein Verständnis in der konkreten Anlage)

Der Kurzschlußschutz geht dann (wie tm90 geschrieben hat) nur über den Inverter des Moppels. Da der sich aber selbst schützt wird vor Erreichen leitungsgefährdender Ströme bereits abgeschaltet.

Das ist halt nur bei diesen kleinen NOTSTROManlagen möglich. Bei richtigen NEA's muß das vollkommen anders aussehen (mindestens 3xIn plus Reserve etc.) Die 551 macht ja Vorgaben aber der Verein der Netzbetreiber hat dazu ein Papier herausgebracht, das so manches relativiert ("müsste", "soll").
Dateianhänge
vdn--notstromaggregate---richtlinie-fuer-planung--errichtung-und-betrieb-von-anlagen-mit-notstromaggregaten-data.pdf
(682.41 KiB) 47-mal heruntergeladen
ThomasR
Null-Leiter
Beiträge: 1300
Registriert: Sonntag 27. März 2005, 01:20
Wohnort: Nideggen
Kontaktdaten:

Re: IT Generator an Hausnetz?

Beitrag von ThomasR »

Und ein ganz anderer Punkt: ich baue gerade den Abgasstrang des Moppels so um, daß er IM HAUS aufgestellt werden kann. Der Auspufftopf erhält einen verschraubten Edelstahlabgasschlauch, der dicht in die nächste Entwässerungsleitung mündet. Über die Länge von 3m Schlauch ist das Abgas kalt und kann nichts ankokeln. Der Moppel steht dabei in einem Technikraum auf Fliesenboden, der aktiv entlüftet wird (sicherheitshalber CO Warner). Diese Abluft geht durch die Lüftungsanlage ohne Berührung mit der Raumluft nach draußen. Die Verbrennungsluft kommt durch die üblichen Türundichtigkeiten aus dem inneren des Hauses.

Ein 1kW Moppel dürfte so (Strahlung des Motors, Abgasrohrstrahlung) bis zu 3kW Wärme ins Haus bringen, die in der Lüftungsanlage über den Kreuzstromwärmetauscher auch der allgemeinen Heizung zugute kommen.
Antworten