Katastrophen im Altbau

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Trumbaschl
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von Trumbaschl »

Solche Verbindungen in der Wand kenne ich. Wiener Mehrfamilienhaus kurz vor dem 1. Weltkrieg gebaut, pseudo-nobel (relativ kleine Wohnungen, 2 Zimmer mit ca. 60 m2, für bürgerliches Wohnen war das mager), alles schon mit elektrischem Licht. Die Wohnung, in der ich zu tun hatte, hatte weitgehend noch die Originalinstallation. G-Drähte (Cu-Leiter 1 mm2 mit Gummi-Isolierung und Baumwoll-Umhüllung) einfach eingeputzt. In der Hoffnung, Durchbrüche durch die selbst im 4. Stock noch 60 cm dicke Mittelmauer nützen zu können, habe ich ein paar der alten Leitungen verfolgt.

Ergebnis: von allen Schalter, Steckdosen, Wandleuchten etc. liefen die Leitungen senkrecht nach oben. Anstelle der üblichen waagrechten Leitung 30-40 cm unter der Decke mit nach Bedarf Abzweigrahmen lief die Leitung hier direkt an die Holz-Rohdecke genagelt und alle Abzweige waren wie im Bild oben einfach im Putz erledigt. An der Mittelmauer lief die Leitung über der Tür senkrecht nach unten, zwischen Blockzarge und Mauer ins Nebenzimmer und dort wieder nach oben. Durfte also doch die extra-langen Bohrer holen...
"Natürlich" überall Schukosteckdosen aus den 70ern, aber nirgends außer in der Küche tatsächlich mit PE. Schutz durch nichtleitende Räume war tatsächlich noch gegeben, Ofenheizung.
TSR_9614
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von TSR_9614 »

Hallo,
EIB-Nutzer hat geschrieben: Dienstag 7. Dezember 2021, 18:07 sei froh das man dir freie Hand gibt.
naja so ganz "freie Hand" ist es nicht, es läuft eher nach : der stete Tropfen höhlt den Stein.
Solche Aktionen ziehen sich über Wochen, immer wider mal die eine oder andere Stunde...


Zurück zu Lager im 1. Stock, diese Leitungen konnte ich lange nicht zuordnen.

186.JPG
Erst als im Dachboden darüber, die Platten weggeräumt wurden kam da was zum Vorschein.

187.JPG
188.JPG
Die Rohre nach rechts endeten mit blanken Drähten einfach, die Lösung hier war recht einfach: eine große Zange holen und alles rausreißen...
TSR_9614
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von TSR_9614 »

Nachdem praktisch alle Gummiaderleitungen raus sind gibt es nur noch eine abstruse Konstruktion:

209.JPG
Rechts wurde durch die Wand gebohrt das ist schonmal offensichtlich. An der Hinterseite gib es eine Modul MB Steckdose.

Natürlich ist Spannung drauf.

213.JPG
Ich hatte zuerst den Verdacht das die PVC Schlauchleitung diese Steckdose versorgt, aber es war umgekehrt es wird hier Strom abgezapft.
Nach ein bisschen rütteln an den Drähten (mit der blockklemme) kommt hinter einem Schrank eine weitere Stockdose zum Vorschein, die damit versorgt wurde.

Ich war dann mal so frei und habe das einfach abgebaut, da bis heute keiner gemeckert hat dürfte die Steckdosen keiner vermissen.
Dann eine Großpackung mit Federdeckeln bestellt und die Unmengen von offenen Löcher zugemacht.

216.JPG
Grüße
TSR_9614
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von TSR_9614 »

Hallo zusammen,

beim entfernen eines Kleiderschrankes (in einer der Wohnungen) kommt eine alte Drehstromsteckdose zum Vorschein, ratet mal bei wem das Telefon dann geklingelt hat...

Als erstes habe ich versucht herauszufinden wo der Verteiler dafür sitzt, das war schon mal eine Aufgabe. Die Wohnung hat einen UV mit einer Handvoll Diazed Sockel aber das ist alles nur fürs Licht & Steckdosen.

Ich bekomme die Info das hier mal ein großer Kühlschrank stand, im Dachgeschoss gibt es einen weiteren Verteiler.

265.JPG

Die Sicherungen unten links fallen ins Auge, herausgedreht und gemessen: Treffer.
Da steht aber auch "Boiler" also könnte noch was anderes auf diesen Sicherungen hängen...

Da im anschließenden Gespräch nicht geklärt werden konnte, was genau damit gemeint sein könnte,
wurde die Steckdose demontiert und die Leitung dahinter verfolgt.

Der Anschluss der Steckdose ist ja schon wider ein Thema für sich...

273.JPG
Die PVC Schlauchleitung ging etwa zwei Meter zu einer überputzten Klemmdose, von dort mit Gummiaderleitung ins obere Stockwerk.
Im Dachboden darüber wurde folgende Abzweigdose entdeckt:

267.JPG
Das von unten kommende Evilon Rohr geht zur Steckdose, rechts geht es weiter mit grün-grün-rot-rot.
Von links steht weiß-weiß weiß-grau an (in 2,5² sogar) das dürfte die Zuleitung sein.
TSR_9614
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von TSR_9614 »

Als erstes die Gummiaderleitungen ausgezogen und das Evlionrohr demontiert.
Dann mit der Verfolgung der grün-roten Adern begonnen, die laufen im dunklen Dachboden noch bis ganz nach hinten und da steht (wer hätte es geahnt) ein Boiler.

268.JPG

Die Wasserrohre sind bereits abgeschnitten, der dürfte schon länger nicht mehr im Betrieb sein.
Damit keiner auf die Idee kommt, die dazugepfuschte Steckdose könnte noch nützlich sein, sofort Werkzeug geholt und mit der Demontage begonnen.

269.JPG
Ich wollte dann auch die 2,5er Drähte ausziehen, aber im Verteiler praktisch kein Platz zum arbeiten. Im Stiegenhaus sieht bin ich dann auf einen Deckel aufmerksam geworden.

Den hätte ich besser nicht abgenommen...

105.JPG

Da drinnen sieht es extrem aus, recht oben sind die Weißen Drähte erkennbar, nach dem Abschneiden lassen sie sich sogar ausziehen.
Schnell wieder zugemacht, diesen Kampf kann ich zwar gewinnen, aber der "Krieg" hier drinnen ist eine andere Liga...
TSR_9614
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von TSR_9614 »

Beim anschließenden Zusammenräumen fällt noch diese Bastelei ins Auge:

274.JPG
Wurde natürlich mitgenommen und entsorgt.

Beim zerlegen der Überbleibsel, fällt auf das dem Anschlusskabel des Boilers schon mal zu warm geworden ist...

276.JPG

Was mich immer noch wundert ist die grün-grün-rot-rot Bastelei, wie kommt man nur auf solch eine Idee...

Hudrin:

270.JPG

Grüße
ThomasR
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von ThomasR »

Der „Deckel im Stiegenhaus“ ist doch die Rückseite des Verteilers vom Anfang?

Da hängt ein eHZ dran und ist somit in diesem Zustand noch in Betrieb??
Trumbaschl
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von Trumbaschl »

ThomasR hat geschrieben: Sonntag 2. Januar 2022, 16:57 Der „Deckel im Stiegenhaus“ ist doch die Rückseite des Verteilers vom Anfang?

Da hängt ein eHZ dran und ist somit in diesem Zustand noch in Betrieb??
Österreichische Netzbetreiber haben meiner Erfahrung nach nicht das geringste Interesse, von sich aus Modernisierungen anzustoßen, turnusmäßige Zählerwechsel erfolgen nahezu unabhängig vom Zustand der Anlage. Nur wenn der Kunde Änderungen wünscht, ist sofort das komplette Programm fällig.

Die Zuleitung vom Boiler wirkt schon nach thermischem Einfluss in der Größenordnung "Lötlampe", eher als nach Überlastung.
TSR_9614
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von TSR_9614 »

Hallo,

ja das ist die Rückseite des Verteilers, da hängen die beiden Wohnungen drauf.
Trumbaschl hat geschrieben: Dienstag 4. Januar 2022, 22:47 Österreichische Netzbetreiber haben meiner Erfahrung nach nicht das geringste Interesse, von sich aus Modernisierungen anzustoßen...
Ja, das ist mittlerweile so, war aber in den 90ern anders: Damals habe ich als Mädchen-für-alles bei einem Dorfelektriker gearbeitet, dieser hat in den Wintermonaten wo auf den meisten Baustellen die Arbeit ruhte, für EVU's Arbeiten gemacht (die sie offensichtlich nicht selbst machen wollten...)

Dabei haben wir einige Zählerkästen im laufenden Betrieb modernisiert und soweit ich das im Gespräch da mitbekommen habe wurden die Eigentümer hier vor die Wahl gestellt: modernisieren oder der Strom wird abgeschaltet.

Wobei dazugesagt werden muss: die Anlagen waren allesamt in SEHR schlechten Zustand.

Zähler noch auf Holzbrettern, teilweise in durchfeuchteten Kellern so das alle ungeschützten Metallteile vor Rost nur so blühten.

In einem Mehrparteienhaus aus 18XX hatten sich Bastler an der (teilweise noch originalen) Elektrischen Anlage ausgetobt, aufgefallen war hier das auf gewissen Zählern praktisch nichts lief obwohl die Wohnungen bewohnt waren.
Diese Alten Zählerfelder waren ja komplett Unterputz, so haben wir den Gipsputz um die Betriebsmittel abgeschlagen um die Leitungsführung zu sehen, leider war das vor Zeiten der Digitalkamera (das wäre heut ein sehenswertes Foto), so viele Pfuschereien, Flickstellen und Stromdiebstahl auf zwei Quadratmeter² habe ich nie wieder gesehen...

Trumbaschl hat geschrieben: Dienstag 4. Januar 2022, 22:47 Die Zuleitung vom Boiler wirkt schon nach thermischem Einfluss in der Größenordnung "Lötlampe", eher als nach Überlastung.
Stimmt, da hat sicher der Installateur beim Löten/Schweißen nicht aufgepasst.


Was anderes:

Einer aus dem Büro kommt auf mich zu: es riecht jetzt hin und wider verbrannt, ich musste nicht lange suchen:

075.JPG
"Schuld" war ein 2kW Heizlüfter...

grüße
TSR_9614
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Re: Katastrophen im Altbau

Beitrag von TSR_9614 »

Hallo,

es nähert sich eine größere Baustelle: die ehemalige Garage/Lagerhalle mit angrenzenden Bürohaus ist verkauft und soll abgebrochen werden.
Mein "Auftrag" wäre eigentlich recht simpel, die Bude Spannungsfrei machen, das ist mir aber zu langweilig, also werde ich da mal durchsteigen bevor die Hilfsarbeiter des Abbruchunternehmens sich alles holen.

001.JPG

Die Garage selbst hat eine ~25m Freileitung die danach irgendwie zum HV geht, wie und wo muss noch herausgefunden werden, das sind total über 80m durch mehrere Gebäudeteile. (roter Kringel ist der UV)

Das hinten angrenzende Bürogebäude ist eigentlich recht neu (2007-2009) und war auch bis vor kurzen von einer Versicherung noch belegt.
Hier kommt die Zuleitung als Erdkabel, welches vom EVU im HAK schon abgeschnitten wurde.

Soweit ich weis wurde die Garage ein Zeitlang vermietet, dieser Mieter hat zwei Steckdosenverteiler Installieren lassen:
(ganz links)

005.JPG

Das 4x16 kommt vom Verteiler Bürogebäude, der ist ja schon spannungsfrei, also wurde hier mit der Demontage begonnen.
Ich habe den Steckdosenverteiler geöffnet um die Zuleitung abzuklemmen, die Anschlussklemme ist 5 polig und (zur großen Überraschung) der Anschluss des Neutralleiters unbelegt. Wie kann das funktioniert haben?

Vom Steckdosenverteiler läuft eine fix angeschlossene Leitung zu einer Abzweigdose, darin sieht es so aus:

036.JPG

Der "Blaue" hat schon mal zu warm bekommen, aber die paar angeschlossenen Leuchtstoffbalken an der Decke werden aber nicht die Ursache gewesen sein.
Eine Leiter geholt und den ersten aufgemacht, bingo, hier ist Neutralleiter und Erdung mit dem Sockel der Lampe und in weiter Folge mit den Stahlträger verbunden. Das es hier nicht gebrannt (oder irgendwelche anderen Schäden passiert sind) hat wundert mich schon...
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