Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

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Elt-Onkel
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von Elt-Onkel » Sonntag 16. Mai 2021, 10:36

Hallo,

man müsste mal erkunden, ob die 125 Ampere eine Dauerlast sind,
oder nur eine Spitzenlast.

Wenn es ganz blöd kommt, muß man zu aktiver Technik schreiten.
Man könnte ja im Kabelkanal einen Temperatursensor einbauen.
Dann einen Ventilator, und schon gibt es eine aktive Kühlung.
Das macht man bei Schweißgeräten so.


...

froebel88
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von froebel88 » Sonntag 16. Mai 2021, 11:30

Bei "aktiver Technik" hätte ich jetzt eher an ein Lastabwurfrelais für die Verbraucher gedacht, um die Zuleitung nicht zu überlasten. Mehr als 100A geht da aus meiner Sicht nicht..

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Tobi P.
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von Tobi P. » Sonntag 16. Mai 2021, 13:38

Moin,

es ist doch ganz einfach: Wenn ein Teil des Kabels im Rohr im Erdboden verlegt ist haben wir es mit Verlegeart D zu tun. Ein Blick in DIN VDE 0298-4 (VDE 0298-4): 2013-06 sagt mir dass das bei einem Querschnitt von 35mm² und drei belasteten Adern einen Iz von 98A ergibt - und da sind noch keinerlei evt. zu berücksichtigende Reduktionsfaktoren mit eingerechnet. Daraus resultiert bereits jetzt eine max. Absicherung von 80A, sprich das Kabel wäre mit 100A bereits zu hoch abgesichert. Da brauche ich gar nicht erst weiterzurechnen, da wäre statt einer Erhöhung der Absicherung eine Reduzierung angesagt.
Und bevor jetzt irgendjemand mit Gleichzeitigkeitsfaktoren kommt: Die werden bei der Leitungsberechnung nicht berücksichtigt sondern bei der Auswahl der Vorsicherung. Die Leitungsberechnung erfolgt dann auf Basis dieser Vorsicherung, das bedeutet wenn ich eine Vorsicherung von 125A habe berechne ich die Leitung auch für 125A.

@Elt-Onkel: Naja, meine 500A WIG-Maschine hat ein wassergekühltes Schlauchpaket, man könnte das Kabel dann ja in ein wassergekühltes Rohr legen. Bei meinem Schweissgerät geht das ja auch.
Sag mal - meinst du sowas wirklich ernst? Das ist keine Schweissanlage, das ist eine Gebäudeinstallation! Und für die dort verwendeten Betriebsmittel einschliesslich Leitungsanlagen gibts Spezifikationen nach denen diese berechnet werden! Und wenn dabei herauskommt dass ein bestimmtes Betriebsmittel nicht den Spezifikationen entspricht dann tauscht man das gegen ein passendes aus und denkt sich nicht irgendwelche hanebüchenen Konstruktionen aus um die Spezifikationen an das Betriebsmittel anzupassen!
Und ja - sowas kostet Geld, unter Umständen sehr viel Geld. Aber das muss ich dann halt entweder investieren oder mit dem Status Quo leben.


Gruß Tobi

Olaf S-H
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von Olaf S-H » Sonntag 16. Mai 2021, 20:12

Tobi P. hat geschrieben:
Sonntag 16. Mai 2021, 13:38
Moin,

es ist doch ganz einfach: Wenn ein Teil des Kabels im Rohr im Erdboden verlegt ist haben wir es mit Verlegeart D zu tun. Ein Blick in DIN VDE 0298-4 (VDE 0298-4): 2013-06 sagt mir dass das bei einem Querschnitt von 35mm² und drei belasteten Adern einen Iz von 98A ergibt - und da sind noch keinerlei evt. zu berücksichtigende Reduktionsfaktoren mit eingerechnet. Daraus resultiert bereits jetzt eine max. Absicherung von 80A, sprich das Kabel wäre mit 100A bereits zu hoch abgesichert. Da brauche ich gar nicht erst weiterzurechnen, da wäre statt einer Erhöhung der Absicherung eine Reduzierung angesagt. ...
Moin Tobi,

100 %-ige Zustimmung. Der Drops ist schon gelutscht.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
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Für elektrotechnische Laien gilt: Dieser Beitrag erläutert die technischen Zusammenhänge. Die Umsetzung obliegt den konzessionierten Fachbetrieben (§13(2)NAV).

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Mann1979_2
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von Mann1979_2 » Sonntag 16. Mai 2021, 21:16

Hallo alle zusammen,


vielen Dank.
Tja...
ich werde morgen mal die bisherige Stromaufnahme im Normalbetrieb messen wenn so halbwegs alles gleichzeitig läuft.
Die bestehende Leitung werde ich gewiss nicht rausnehmen - wenn dann eine zweite Leitung für das neue Sägewerk zusätzlich legen.
(Diese ist dann auch ca. 60-65m lang und wird teilweise im KG-Rohr(ca. 30m) und teilweise direkt AP an der Wand verlegt.
Hier würde ich der Einfachheithalber 35mm² verlegen und das mit 80A vorsichern..
Die bestehende 35mm² Leitung kann ich ja dann von 100A auf 80A "runtersichern", weil dann die Lastverteilung anders ist.

Morgen Abend um diese Uhrzeit sollte ich mehr wissen.

Besten Dank
Gruß
Stefan

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Tobi P.
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von Tobi P. » Sonntag 16. Mai 2021, 22:38

Hallo Stefan,

bitte nicht einfach irgendwas legen und dann irgendwie absichern. So eine Leitung muss berechnet werden, der Iz ist nur ein Teil der zu berücksichtigenden Faktoren.
Zuerst muss mal der notwendige Leistungsbedarf und der cos Phi ermittelt werden, ausserdem die Länge und die Verlegeart(en) sowie die Korrekturfaktoren für Häufung und ggfls. abweichende Umgebungstemperaturen. Anschliessend kann man dann aufgrund des Betriebsstroms eine Absicherung wählen und anhand dieser Absicherung sowie der anderen Faktoren den notwendigen Querschnitt ermitteln. Wenn alle Faktoren bekannt sind ist das kein Hexenwerk und in kurzer Zeit auch ohne komplexe Planungssoftware zu bewerkstelligen.
Bitte auch statt des KG-Rohrs ein entsprechendes Kabelschutzrohr verwenden. Zum einen ist das KG-Rohr dafür nicht gedacht und zum anderen hat die Riffelung bzw. Innenbeschichtung der Kabelschutzrohre einen Sinn, die verringern nämlich den Reibungswiderstand beim Einziehen. Der kann bei größeren Querschnitten und Längen zum Problem werden.


Gruß Tobi

froebel88
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von froebel88 » Sonntag 16. Mai 2021, 22:44

Mal doof gefragt: Würdet ihr eine neue Leitung verlegen lassen, weil eine mit 98A belastbare Leitung mit 100A vorgesichert ist?

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Tobi P.
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von Tobi P. » Montag 17. Mai 2021, 06:06

Moin,

wer sagt dass die mit 98A belastbar ist? Das ist lediglich der Iz des Kabels, die Abschaltbedingungen gegen Überlast haben wir gar nicht erst gerechnet und den Spannungsfall auch nicht.
Und ja, wenn ich das projektieren sollte wären die 2A für mich ein Problem.


Gruß Tobi

froebel88
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von froebel88 » Montag 17. Mai 2021, 07:49

Tobi P. hat geschrieben:
Montag 17. Mai 2021, 06:06
Und ja, wenn ich das projektieren sollte wären die 2A für mich ein Problem.
Also erklärst Du dem Kunden, warum er wegen 2A = 2% Strombelastbarkeit, ca. 4.000€ ausgeben muss (Leitung, ca. 65*50€ + 8 Monteurstunden)?

Sportlich.

Für mich würden die 2% unter die Toleranz der NH-Sicherung fallen.

Zumal die Strombelastbarkeit der Leitung aufgrund der Verlegeart schon reduziert wurde. Ist also folglich nicht so, dass die Leitung grundsätzlich an der "Grenze kratzt".

Olaf S-H
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Re: Absicherung NYY 4x35² mit 125A?

Beitrag von Olaf S-H » Montag 17. Mai 2021, 08:03

Moin zusammen,

die Verlegung im Erdreich ist hier die ungünstigste - bei einer Leitung. Die anderen Abschnitte müsste man im Detail betrachten.

Der Spannungsfall liegt bei ungefähr 1,2 % - bei 125 A kommen wir auf rund 1,5 %. Dies kann auch schon Auswirkungen haben. Auch hier muss man die gesamte Anlage betrachten.

Nebenbei hat Erdkabel nichts im KG-Rohr zu suchen.

Die Toleranz einer Sicherung geht in beide Richtitungen.

Gruß Olaf
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