Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

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froebel88
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Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von froebel88 » Freitag 7. Mai 2021, 19:47

Hi,

ich habe eine kurze Frage zum Thema Blitzschutz und Trennungsabstand.
Angenommen, ich habe ein Gebäude mit 3 Stockwerken. Dieses besteht aus armierten Stahlbetondecken und -stützen.

Wenn nun eine "unsichtbare" Blitzschutzanlage gewünscht wird, ist es ja m.W. üblich, die Ableitungen durch die Stützen zu verlegen und alle 2m mit der Armierung zu verklemmen.

Aber wie verhält es sich dann mit dem Trennungsabstand ins innere des Gebäudes? Durch die Verbindung der Amierung mit dem Ableiter, muss ich ja theoretisch davon ausgehen, dass das ganze Eisen im Beton auf Blitzspannungsniveau ist. D.h. dann müsste ich den errechneten Trennungsabstand immer zur Außenkante der Betonstütze einhalten? Ist das überhaupt praktikabel?

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Elt-Onkel
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Re: Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von Elt-Onkel » Freitag 7. Mai 2021, 20:06

Hallo,

zu dem Thema hat Dipol mal einen Vortrag gehalten.

Tenor: Niemals die Blitzspannung ins Gebäude holen.

D.h. die Antennenanlage nicht an die Blitzschutzanlage anschließen.
Anstelle dessen neben der Antennenanlage eine Blitzschutzanlage bauen.

Achtung bei einbetonierten Blitzableitern.
Im Fall der Fälle wird der sehr heiß.
Bei zu geringer Betondeckung (< 5cm) wird die Betondeckung durch den
Wasserdampf weggesprengt.


...

froebel88
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Re: Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von froebel88 » Freitag 7. Mai 2021, 20:24

Also soweit ich es mitbekomme, sind nicht getrennte Blitzschutzsysteme gängige Praxis. Und da kommt man dann ja nicht drum herum, die Ableiter in den Betonstützen zu verlegen. Der Blitzschutz soll ja möglichst gar nicht mehr sichtbar sein..

Das wird auch in der Fachliteratur so beschrieben, z.B. DEHN Blitzplaner Auflage Nr. 4 s.111:

"Natürliche Bestandteile der baulichen Anlage (z.B. Stahl-Betonstützen) können ebenfalls als Ableitungen verwendet werden, wenn eine durchgehende elektrische Leitfähigkeit sichergestellt ist."

Man legt dann also einen verzinkten Bandstahl in die Stützen und verbindet diesen alle 2m mit der Armierung. Theoretisch ist die Armierung dann allerdings blitzstrombeaufschlagt, d.h. man muss dann zu der Armierung (mindestens zur Armierung in den Stützen, d.h. faktisch zur Außenkante der Stützen) einen Trennungsabstand einhalten. Bei einem 15m hohen Gebäude, kann der schon mal 40cm betragen.

Soweit ich weiß wird da in der Praxis nicht drauf geachtet bzw. dieser Punkt vernachlässigt. Aber das ist natürlich kein guter Ansatz, wenn man normgerecht planen möchte.

Selbst auf der Betonwand liegende Ableitungen außerhalb des Gebäudes sind streng genommen gar nicht zulässig, weil ich den Trennungsabstand zur Betonarmierung unterschreite. Normativ bleibt dann also entweder

- Die Verlegung der Ableitung mit ausreichendem Trennungsabstand zu leitfähigen Gebäudeteilen (sieht schön beschissen aus..)
- Anschluss der leitfähigen Gebäudeteile an den außenliegenden Blitzschutz mit den o.g. sich daraus ergebenden Problemen
- In jeder Etage muss eine Blitzschutzpotentialausgleichsebene vorgesehen werden
- Oder man muss immer und überall hochspannungsfeste Blitzableitung verwenden

..

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Elt-Onkel
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Re: Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von Elt-Onkel » Freitag 7. Mai 2021, 20:36

Hallo,
froebel88 hat geschrieben:
Freitag 7. Mai 2021, 20:24

- Oder man muss immer und überall hochspannungsfeste Blitzableitung verwenden
Dazu hat Dehn seit 5 Jahren (?) Hochspannungskabel im Programm.

Ist ein neues Gestaltungselement am Bau.
Alle 10 Meter eine armdicke, rote Strippe vom Dach zum Erdboden auf der Fassade.


...

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Re: Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von froebel88 » Freitag 7. Mai 2021, 20:38

Genau, die meine ich. Die ist halt recht kostspielig (ca. 80-100€/Meter je nach Ausführung) und kann baulich auch nur schwer integriert werden.. Das funktioniert vielleicht an einem abgelegenen Industriegebäude, aber nicht in/an Gebäuden, bei denen auch ein gewisser Anspruch an die Optik besteht..

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Re: Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von Elt-Onkel » Freitag 7. Mai 2021, 20:40

Hallo,

muss man eben in die Architektur mit einbinden.

Dann im Vorgarten noch einen schicken HS-MS - Trafo.
Da auch die roten Strippen.
Sozusagen als Wiederholungselement.

Schon jobbt das mit der Optik.


...

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Re: Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von froebel88 » Freitag 7. Mai 2021, 20:45

Da wäre ich sofort dabei. Aber leider teilen nicht alle am Bau beteiligten Parteien unsere Vorliebe für elektrotechnische Bauteile..

Sollte ich jemals privat bauen, wird das ein Sichtbetonbau mit offen verlegten, verzinkten Stahlkabelrinnen (evtl. mit Deckel, wegen dem Staub) sowie Stapa-Aufputzinstallation.

Aber das bringt mich bei meinem Problem gerade nicht weiter..

karo1170
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Re: Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von karo1170 » Freitag 7. Mai 2021, 21:05

froebel88 hat geschrieben:
Freitag 7. Mai 2021, 19:47
Durch die Verbindung der Amierung mit dem Ableiter, muss ich ja theoretisch davon ausgehen, dass das ganze Eisen im Beton auf Blitzspannungsniveau ist.
Ja, das sollte so sein. Stichwort Blitzschutpotentialausgleich.
froebel88 hat geschrieben:
Freitag 7. Mai 2021, 19:47
D.h. dann müsste ich den errechneten Trennungsabstand immer zur Außenkante der Betonstütze einhalten? Ist das überhaupt praktikabel?
Schau dir mal die Formel fuer den Trennungsabstand genau an. Und lies mal hier nach:
http://www.wettingfeld.org/fachbeitraeg ... 211107.pdf

Viele Ableitungen, viele Verbindungen bringen den Trennungsabstand sehr weit runter...

froebel88
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Re: Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von froebel88 » Freitag 7. Mai 2021, 21:19

Ja, die Formeln sind bekannt. Man kann den Trennungsabstand auch recht komfortabel z.B. mit dem DEHN-Tool berechnen.

Bei im armierten Beton liegenden Ableitungen verdopple ich immer die Anzahl der Ableitungen im Modell, um den Einfluss der Armierung zu berücksichtigen. Allerdings sinkt der errechnete Trennungsabstand dadurch auch nicht unbedingt nennenswert. D.h. bei einem 15m hohen Gebäude ergeben sich da immernoch Trennungsabstände von 20-30cm zu den Stützen in den oberen Stockwerken.

Kann man diesen Trennungsabstand dann vernachlässigen, weil der Einfluss der Armierung noch größer ist?

Ansonsten ergäbe sich ja eine "Sperrzone" im Abstand des Trennungsabstandes um diese Stützen, in welcher z.B. keine elektrischen Geräte platziert werden dürfen. Wer will das später kontrollieren?

E-Jens
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Re: Fage: Blitzschutz und Trennungsabstand

Beitrag von E-Jens » Freitag 7. Mai 2021, 21:38

Hallo,

das mit der Sperrzone ist gut. Menschen sollen kurz vor dem Blitzschlag die Sperrzone verlassen. spassbr1
Gruß Jens

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