Verständnisfrage Trafo-Erdung

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froebel88
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Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von froebel88 » Samstag 24. April 2021, 11:16

Hallo,

ich habe eine Verständnisfrage zur Schutzerdung eines MS/NS-Trafos.

In den üblichen Darstellungen wird der Trafo (nicht der Sternpunkt!) mit einem Schutzleiter/PE auf die Haupterdungsschiene angeschlossen. Beispiel:

Bild
Quelle: https://docplayer.org/2111654-Dipl-elek ... ebung.html

Über den Querschnitt dieses PE-Leiters gibt es div. Abhandlungen. Hier spielen der mögliche Kurzschlussstrom, das Leitermaterial, die Verlegeart usw. eine Rolle.

Nun hat man in Technikräumen und auch Trafozellen ja üblicherweise Anschlussfahnen an die Erdungsanlage bzw. den Betriebserder des Gebäudes bzw. der elektrischen Anlage. Spricht irgendwas dagegen, die Trafoerdung über diese Fundamenterder auszuführen? Dadurch wäre dieser dann ja auch mit der Haupterdungsschiene verbunden. Nur eben über das Eisen im Fundament bzw. im Erdreich, anstatt über einen separaten Schutzleiter..

froebel88
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Re: Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von froebel88 » Samstag 24. April 2021, 11:30

Quasi so..

Bild

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Re: Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von Elt-Onkel » Samstag 24. April 2021, 14:29

Hallo,

mehr leitenden Querschnitt, als die Erdungsanlage besitzt,
kann auch die HES (PA-Schiene) nicht herbringen.

Man kann also an jede Stelle der Erdungsanlage andocken.
Dazu gibt es schicke Einbauteile.
Z.B. von Weitkowitz aus der Bahnerdung.
Das mit den Anschlußfahnen finde ich nicht so schön.
Nach mehrmaligem Hin- und herbiegen sind die dann ab.

Es gibt einen Trend zu CrNi-Stahl als Anschlußfahnen.
In rund oder in Band.
Aber Achtung: CrNi-Stahl leitet schlechter als verzinkter Banderder.
Man beachte die Ausführungen von 'Dipol'.
Deswegen verbaue ich gerne die o.g. Einbauteile und rückseitig dann
Bandeisen oder Rundeisen.

Und schon wieder Achtung:
Innerhalb der (Beton)Wände muß ein leitender Querschnitt hergestellt werden.
Es reicht nicht aus, die Schraubanschlüsse an die Bewehrung "anzutüddeln".
Man muß schon Schweißen, oder anderweitig geeignete Verbindungen bauen.
Schweisst man an Betonstahl, braucht man einen geprüften Betonstahlschweißer.
Diese Leute sind teuer.
Deswegen wird oft zusätzlicher Stahl im Beton verbaut, der nicht zur Aufnahme
von Kräften dient.
Mit genauer Planung lassen sich solche Zusatzeisen vermeiden.

Wenn dann die Erdngsanlage fertig ist, gibt es so Leute wie mich.
Als "Prüfer innerer Erdung" kontrollieren sie VOR dem Betonieren die Erdungsanlage.

Nach dem Betonieren kann man eine Erdungsanlage nicht "gesundbeten".
Dann müssen Staberder her.


...

froebel88
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Re: Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von froebel88 » Samstag 24. April 2021, 15:02

Anstatt Anschlussfahnen könnte man auch Erfungsfestpunkte einbauen. Ich denke der Fundamenterder wird heutzutage nicht mehr verschweißt, dafür gibt es nette Klemmen von Dehn, die einfach nur auf den Bewehrungsstahl aufgeklickt werden.

Meine eigentliche Frage bleibt: Wenn es doch in jedem Technikraum ein Anschlus an die durchverbundene Erdungsanlage gibt, warum zus. PE Leiter verlegen?

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Re: Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von Elt-Onkel » Samstag 24. April 2021, 15:04

Hallo,
froebel88 hat geschrieben:
Samstag 24. April 2021, 15:02

Meine eigentliche Frage bleibt: Wenn es doch in jedem Technikraum ein Anschlus an die durchverbundene Erdungsanlage gibt, warum zus. PE Leiter verlegen?
Wer fordert das ?

Ich lege in die Nähe der Erdungsschraube vom Trafokessel einen Erdungsschraubanschluss.

Ich baue in die Wände auch Erdungsschraubanschlüsse für ortsfeste Erdungsgarnituren.
Dann werden sie erstens nicht geklaut, und zweitens ist die Forderung "Erden"
ja dann schon erfüllt, bevor man zum Kurzschließen übergeht.


...

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Re: Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von Elt-Onkel » Samstag 24. April 2021, 15:13

Hallo,

ich verbaue solche Teile von Weitkowitz:
.
Weitkowitz_Erdungsanschluss.png
Weitkowitz_Erdungsanschluss.png (24.85 KiB) 639 mal betrachtet
Rückseiitig dann Verschweißen und Einbetonieren.

...

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Re: Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von froebel88 » Samstag 24. April 2021, 15:21

Elt-Onkel hat geschrieben:
Samstag 24. April 2021, 15:04
Hallo,
froebel88 hat geschrieben:
Samstag 24. April 2021, 15:02

Meine eigentliche Frage bleibt: Wenn es doch in jedem Technikraum ein Anschlus an die durchverbundene Erdungsanlage gibt, warum zus. PE Leiter verlegen?
Wer fordert das ?
Gute Frage.
Ich bin bisher auch davon ausgegangen, dass das problemlos so machbar ist.. Wenns da keine Gegenmeinungen dazu gibt, scheint das ja so zu sein.

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Re: Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von Elt-Onkel » Samstag 24. April 2021, 15:26

Hallo,

also dann würde ich für mich (wie Götz von Fromberg (RA aus Hannover)) behaupten:

Ich bin das Gesetz.

Alle mir nach.

Es gibt auch noch eine Forderung nach einem (Reserve)Erdungspunkt in Traforäumen
und MS-Räumen.

Also baue ich in handlicher Höhe innen neben den Eingangstüren auch so einen
Schraubanschluss hin.
Dann kann keiner meckern.

Nun zählen wir mal nach.
Wieviele Schrauberdungspunkte braucht man in einem üblichen MS/NS - Traforaum ?
- Trafokessel
- MS - EuK
- NS - EuK
- Reserve
- Schutzgitter / Absperrung

Also ich brauche im Minimum 5 Stück.

Hat man nur eine Schiene, muß man eben 5 Abgänge verlegen.
Das sind Staubfänger, und optisch finde ich es einbetoniert schöner,
und betriebssicherer.


...

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Re: Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von ego11 » Samstag 24. April 2021, 16:38

Mal davon ab das ich der Meinung bin, das die Verbindung des Trafosternpunktes mit der NSHV ein PEN-Leiter ist, und folglich in grün/gelb ausgeführt gehört, was spricht dagegen eine weitere Ader von der NSHV bis in die Trafozelle zu verlegen, um die PA-Verbindung diskussionslos sichtbar darzustellen?

Außerdem gehören die Abgangschutzleiter in der NSHV angeschloßen, nicht an der PA-Schiene!

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Re: Verständnisfrage Trafo-Erdung

Beitrag von froebel88 » Samstag 24. April 2021, 16:42

Das mit den Erdungsfestpunkten in höherer Anzahl ist ein guter Tipp.

In de Gebäudetechnik benutzt man ja idR sowas (Fa. Dehn).

Bild

Wobei man da dann sicherlich wieder die Stromtragfähigkeit von dem Eisen des Festpunktes hinterfragen muss, insb. bei Kurzschlüssen im Mittelspannungsbereich..? Dort ist ja teilweise >95mm² Kupfer für die Trafoerdung gefordert. Da sieht das Weitkowitz-Produkt schon sinnvoller aus. Das trifft dann sicher auch auf etwaige Anschlussfahnen zu. Also wenn Anschlussfahnen für Trafoerdung, dann nur in ausreichendem (zu bestimmendem) Querschnitt?

Und für die Verbindung des Fundamenterders mit dem Bewährungsstahl nutzt man eher sowas, als zu schweißen:

Bild
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