Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

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dolli-klemme
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Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

Beitrag von dolli-klemme » Freitag 13. November 2020, 16:39

Hallo Forum,
danke für die Aufnahme. Ich habe vor 3 Wochen ein Haus gekauft Bj. 1972 und nun stellt sich die Frage ob ich diese Verteilung im Flur im Keller so lassen kann oder ob es notwendig ist das ganz in einen Kasten zu bauen.
Da ich es nicht selber machen kann/will, brauche ich eine Fachfirma in meiner Nähe, vorher möchte ich aber gerne einige Meinungen/Aussagen von Fachkräften hier aus dem Forum bekommen, damit ich nicht komplett unbedarft in evtl. Angebotsgespräche gehe.

Mir ist hier wichtig klar definieren zu können was sein muss (VDE usw.) und was man machen kann, wenn man will. Also am liebsten würde ich das ja so lassen und auf Bestandsschutz mich ausruhen, aber da das Haus ja den Besitzer gewechselt hat, könnte ich da falsch liegen.

Auf jeden Fall vielen DAnk erstmal bis hierher und schönes WE
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E-Jens
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Re: Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

Beitrag von E-Jens » Freitag 13. November 2020, 18:59

Hallo Dolli-Klemme,

ist deine Frage wirklich ernst gemeint? Die elektrische Anlage ist fast 50 Jahre alt. Eventuell sind einzelne Stromzweige sogar älter.
Du kannst davon ausgehen, dass fast alles der elektrischen Anlage verschlissen ist. Außerdem entspricht nichts mehr dem aktuellen anerkannten Stand der Technik. Vielleicht entspricht die Anlage nicht mal mehr dem anerkannten Stand der Technik von 1972.
Gruß Jens

Funker
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Re: Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

Beitrag von Funker » Freitag 13. November 2020, 19:19

Wenn das Geld für das Haus gereicht hat, sollte dann aber auch die Renovierung oder Ersatz der Elektroanlage drin sein.

Was dazu erforderlich ist kann Dir nur vor Ort ein Fachmann darstellen mit einer Überprüfung der Anlage,
z.B. E-Check, I-Check oder ähnlichem Ablauf.

Rein formal gilt zwar, wenn die Anlage zum Zeitpunkt der Errichtung allen Bestimmungen entsprochen hat, möglicher Bestandsschutz.
Die Anlage ist damals aber sicher im wesentlichen zur Nutzung mit Glühlampen und mit rein elektrischen Staubsaugern oder Heizsonnen vorgesehen gewesen.

Heute sind daran viele elektronische Geräte angeschlossen, die es damals nicht gab PC, LCD TV, viele Haushaltgeräte u.s.w..
Insofern liegt eigentlich eine Umnutzung vor, die betrachtet werden muß.

Mit großer Sicherheit fehlen heut übliche Schutzgeräte wie Fehlerstromschutzschalter, Überspannungsableiter oder vieles andere.
Die Hauptanschlüsse von Gas und Wasser sind sicher auch von Blei- und Stahlrohr auf Kunststoff umgestellt.
Wie ist die Netzform und paßt daher die Erde noch.
In 50 Jahren ist viel geschehen.
Ich würde nur ausgehende vom Bild daher die gründliche Überprüfung der Anlage vor Ort empfehlen und darauf aufbauend eine
umfassende Sanierung planen und durchführen lassen.

froebel88
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Re: Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

Beitrag von froebel88 » Freitag 13. November 2020, 22:01

Moin,

wie lange gedenkst Du denn in dem Haus zu wohnen?
Die Anlage ist jetzt bereits alt. Vielleicht funktioniert sie noch ein paar Jahre. Aber willst Du dann in ein paar Jahren die E-Anlage sanieren, wenn du das Haus bewohnst?

Dann doch lieber jetzt neu machen und 20-30 Jahre Ruhe haben.?

Wahrscheinlich sollte man im Rahmen dessen auch direkt die gesamte Anlage neu machen, inkl. Verkabelung.
Das kann man aber nur nach einer Beurteilung vor Ort entscheiden.

Olaf S-H
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Re: Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

Beitrag von Olaf S-H » Sonntag 15. November 2020, 12:28

Moin Dolli-Klemme,

aus dem Bild der Zähleranlage kann man nicht auf den Zustand der restlichen Installation schließen. Man kann nur Mutmaßungen anstellen.

Die Lebensdauer einer elektrischen Anlage beträgt ca. 25 Jahre. Dies bedeutet aber nicht, dass sie dann ausgetauscht werden muss. Es kommt hier immer auf die Art der Nutzung an. Geht man pflegtlich mit ihr um und hat qualitativ hochwertiges Material verwendet, dann hält sie auch länger. Dies kann man aber nur durch eine fachgerechte Prüfung feststellen.

Eine Nachrüstung von RCDs empfiehlt sich schon aus Gründen des Eigenschutzes.

Du solltest die Anlage fachkundig prüfen lassen. Dann hast Du eine Grundlage für weitere Maßnahmen.

Gruß Olaf
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Re: Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

Beitrag von ThomasR » Montag 16. November 2020, 09:01

Moin Dolli,

das sieht so aus, als ob die gezeigte Anlage um UG hängt? Das würde erklären, warum der zuständige Zählerplatz (ganz links) auch einige LS Schalter enthält. Da dort mittlerweile wohl auch ein Bad dabei sein dürfte, ist dieser Teil seit mindestens 30 Jahren nicht mehr normkonform! Ob die verlegten Leitungen in diesem Geschoß noch tauglich sind kann dir wirklich nur jemand vor Ort sagen. Dazu sollte dieser jemand auch ein Isomeßgerät dabei haben und es im Zweifel auch verwenden :D

Die beiden anderen Zählerplätze sind vermutlich nur mit den Vorsicherungen für die Etagen UV's ausgestattet. Da muß die Steigleitung geprüft werden (Alter, Querschnitt etc.) und die UV's selbst. Die beiden LS sind vermutlich für einen Kelleranschluß der Waschmaschine gedacht?

Vom reinen Erscheinungsbild her würde ich das alles erneuern lassen.

IH-Elektriker
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Re: Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

Beitrag von IH-Elektriker » Montag 16. November 2020, 13:26

Funker hat geschrieben:
Freitag 13. November 2020, 19:19
Rein formal gilt zwar, wenn die Anlage zum Zeitpunkt der Errichtung allen Bestimmungen entsprochen hat, möglicher Bestandsschutz.
Die Anlage ist damals aber sicher im wesentlichen zur Nutzung mit Glühlampen und mit rein elektrischen Staubsaugern oder Heizsonnen vorgesehen gewesen.

Heute sind daran viele elektronische Geräte angeschlossen, die es damals nicht gab PC, LCD TV, viele Haushaltgeräte u.s.w..
Insofern liegt eigentlich eine Umnutzung vor, die betrachtet werden muß.
Ganz nebenbei hat sich in unserer heutigen Zeit die Anzahl der Geräte und Verbraucher verändert.

Früher hatte man im Wohnzimmer eine Stehleuchte neben dem Sofa und irgendwo einen Fernseher und ein Radiogerät, Macht drei Steckdosen plus eine neben der Tür für den Staubsauger. Im Schlafzimmer gab es zwei Steckdosen links und rechts neben dem Bett und eine neben der Tür….. Heute haben wir im Wohnzimmer neben dem TV noch einen Sat-Empfänger und eine Dolby-Surround-Anlage, vielleicht eine XBOX, neben dem Sofa wären Steckdosen zum Handy laden recht, ebenso im Schlafzimmer – und in der Küche tummeln sich ganze Rudel elektrischer Helferlein.

Sprich das was ggf. früher an Steckdosen usw. als ausreichend angesehen wurde ist heute nicht mehr ausreichend da die Verbraucher deutlich mehr geworden sind. Mit der Folge das man unendlich oft Mehrfachsteckdosenleisten verwenden muss die mehr oder weniger stören und „irgendwie“ hinter/unter Möbeln versteckt werden, es gibt Kabelsalat usw.

Also würde ich VOR DEM EINZUG entsprechend auf- und nachrüsten und dort wo ich Steckdosen brauche (bzw. brauchen könnte) einbauen. Das dabei dann auch der Rest der Anlage auf aktuellen Stand gebracht wird ist in meinen Augen obligatorisch. Denn wenn man erst mal eingezogen ist reisst man nicht mehr so schnell die Wände auf, klopft Schlitze usw. ;)

Übrigens, wer „schlau“ ist und an die gerade wieder bevorstehende Weihnachtszeit denkt und in dieser Zeit gerne elektrischen Leuchtkram in die Fenster stellt der baut gleich entsprechende Steckdosen mit ein. Gleiches gilt für Telefon- und Datenanschluss, auch da kann man jetzt problemlos die Datenleitungen unter Putz verlegen. Und wer an eine Dolby-Surround-Anlage denkt der sieht auch gleich Lautsprecherleitungen vor und muss dann nichts mehr unter Scheuerleisten verstecken….

Denn erst mal eingezogen sind solche Dinge nur schwer nachzurüsten, Stichwort Dreck und so….

Trumbaschl
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Re: Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

Beitrag von Trumbaschl » Mittwoch 18. November 2020, 12:48

Der Besitzerwechsel alleine macht noch keine Verpflichtung zu Änderungen an der Anlage. Interessant wird es bei Umbauten.

Grundsätzlich ist meiner Meinung nach zu unterscheiden zwischen normativen Anforderungen und technischen Überlegungen. Es mag Lösungen geben, die technisch völlig unproblematisch sind, vielleicht auch in vielen hochentwickelten Nachbarländern problemlos zulässig sind, aber aufgrund irgendwelcher Überlegungen eines Normengremiums im eigenen Land nicht. Deutschland ist da bei Zählerplätzen im europäischen Vergleich enorm anspruchsvoll, ohne dass ich jemals Sicherheitsargumente gehört oder gelesen hätte.

Kurz: diese Zählertafeln entsprechen seit einigen Jahrzehnten nicht mehr der VDE für Neuanlagen. Sofern allerdings alle Klemmverbindungen fest sind und die Anlage nach damaligen Normen korrekt errichtet wurde, wird keine Gefahr von ihr ausgehen. Auch dann nicht, wenn etwa die Steigleitungen nur 6 mm2 wären. Wenn sie nur 4-adrig wären, wäre das aus Sicherheits- und EMV-Gesichtspunkten allerdings sehr wohl eine Einschränkung. Ist elektrische Warmwasserbereitung mit >6 kW gewünscht, würde wohl auch der Querschnitt einer solchen Leitung knapp.

Pragmatischerweise könnte man nun sagen, man verlegt die Leitungsschutzschalter für das UG in einen eigenen Verteiler und setzt statt der LSS in den beiden anderen Verteilerfeldern einen FI/LS. Damit erreicht man, 5-adrige Hauptleitungen vorausgesetzt, ein weitgehend aktuelles Sicherheitsniveau mit minimalem Aufwand.

Sofern aber in den Wohnungen die gesamte Installation erneuert wird, ist das sicher eine wesentliche Änderung und die Beibehaltung der alten Zählerplätze schwer zu argumentieren. Abgesehen davon sind ältere Anlagen in der Praxis oft dermaßen vermurkst, dass eine Sanierung aufwändiger ist als eine Erneuerung. Die fliegenden Leitungen rund um die Zählertafeln sehen nicht unbedingt vertrauenserweckend aus, insofern wird es wohl auf "gar nichts machen" oder "alles neu" hinauslaufen.

Die Aussage über die veränderten Nutzungsgewohnheiten würde ich im Übrigen nur halb teilen. Die Anzahl der Verbraucher ist tatsächlich enorm gestiegen, auch ihre Art hat sich gewandelt (jede Menge Elektronik mit Schaltnetzteilen), aber der Leistungsbedarf ist recht gering, ausgenommen Küche.

IH-Elektriker
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Re: Haus gekauft - Verteiler so lassen oder erneuern

Beitrag von IH-Elektriker » Donnerstag 19. November 2020, 08:49

Trumbaschl hat geschrieben:
Mittwoch 18. November 2020, 12:48
Die Aussage über die veränderten Nutzungsgewohnheiten würde ich im Übrigen nur halb teilen. Die Anzahl der Verbraucher ist tatsächlich enorm gestiegen, auch ihre Art hat sich gewandelt (jede Menge Elektronik mit Schaltnetzteilen), aber der Leistungsbedarf ist recht gering, ausgenommen Küche.
Mit der geringen Leistungsaufnahme hast Du sicherlich Recht. Die ganze aktuelle Unterhaltungselektronik benötigt relativ wenig Leistung gegenüber den älteren Generationen. Dafür hat sich die Anzahl der Geräte erhöht was vermutlich allerdings den Gesamtverbrauch nicht signifikant erhöht.

Was eine neue Elektroinstallation allerdings als nicht wegzudiskutierenden Vorteil hat ist das man schlichtweg den externen "Kabelsalat" sprich die Mehrfachsteckdosen und nachträglich verlegten Verlängerungen o.ä. reduziert. Sicherheitstechnisch macht das (aufgrund der geringen Leistung) nicht viel aus, aber der WAF-Faktor und das Aussehen werden natürlich besser...

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