RCD bei Ladegerät

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Koaxman
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RCD bei Ladegerät

Beitrag von Koaxman » Freitag 20. Dezember 2019, 14:02

Hallo,

zum Laden der Bordbatterie sind bei uns auf Kraftomnibussen Ladegeräte mit Schaltnetzteilen verbaut.

Wir betreiben mehrere Ladesäulen (u.a. 230 V AC Versorgung) an einem RCD.

Der Hersteller der Ladegeräte versichert uns schriftlich, dass wir einen RCD Typ A verwenden könnten.

In einer Kurzbeschreibung zum Ladegerät schreibt der Hersteller von einem Hochfrequenzschalter der die Eingangsspanung AC
in Gleichspannung wandelt. Ferner schreibt er, es seien Schaltnetzteile.



Ohne Rücksprache hätte ich hier ein Typ B evtl. einen Typ F verbaut.

Was meint ihr zu der Aussage vom Hersteller?

Gruß

Koaxman

E-Jens
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Re: RCD bei Ladegerät

Beitrag von E-Jens » Freitag 20. Dezember 2019, 14:55

Hallo,

Schaltnetzteile erzeugen alle einen mehr oder weniger großen Gleichstromanteil im Ableitstrom. Ein RCD Typ A ist mit bis zu 6 mA DC arbeitsfähig. Bei der Benutzung von mehreren Ladegeräten an einem RCD, ist es nicht möglich den gesamt Gleichstromanteil im Ableitstrom am RCD abzuschätzen.
Gruß Jens

EBC41
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Re: RCD bei Ladegerät

Beitrag von EBC41 » Montag 23. Dezember 2019, 00:16

Wieso sollten Schaltnetzteile generell einen Gleichstromanteil im Ableitstrom erzeugen?

Übliche Schaltnetzteile mit Einphasen-Wechselstromspeisung haben einen Brückengleichrichter. Da ist kein B-Typ RCD notwendig.

Solche Schaltnetzteile laufen zig millionenfach in Haushalten, da hat keiner B-RCDs.

elo22
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Re: RCD bei Ladegerät

Beitrag von elo22 » Montag 23. Dezember 2019, 03:13

Ich würde Ladesäulen und »normale« Ladegeräte unterscheiden wollen.

Lutz

E-Jens
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Re: RCD bei Ladegerät

Beitrag von E-Jens » Montag 23. Dezember 2019, 07:48

Hallo,

eine Problematik mit dem Ableitstrom gibt es natürlich nur bei Ladegeräten mit Schutzleiteranschluss.
Gruß Jens

EBC41
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Re: RCD bei Ladegerät

Beitrag von EBC41 » Montag 23. Dezember 2019, 16:30

Wieso sollten solche Geräte Gleichströme auf den Schutzleiter geben?

Wegen der Y-Kondensatoren ergeben sich kleine Wechselströme.

Und bei Isolationsfehlern nach dem Brückengleichrichter entstehen pulsierende Gleichfehlerströme, die von einem Typ A RCD erfasst werden.

Ich spreche hier von einphasigen Geräten die an L und N lastmäßig angeschlossen sind.

laut&hell
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Re: RCD bei Ladegerät

Beitrag von laut&hell » Dienstag 24. Dezember 2019, 10:14

Guten Morgen,

Bei Geräten mit Schaltnetzteil sind mMn. wohl eher hochfrequente Ableitströme ein Thema, die ein Typ A nicht mehr erfassen kann.

E-Jens
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Re: RCD bei Ladegerät

Beitrag von E-Jens » Dienstag 24. Dezember 2019, 12:37

Hallo

da habe ich mich wohl nicht korrekt ausgedrückt.
Ableitstrom = Normalzustand im Betrieb
keine Gleichströme
eventuell hochfrequente Ableitströme über Filter und Schirmung

Fehlerstrom = nur im Fehlerfall
kann alle im Gerät verarbeitete Frequenzen und Spannungen besitzen. Von 50 Hz zu Gleichstrom zu Hochfrequenz und wieder Gleichstrom.
Wo es im Fehlerfall welche Probleme geben kann, weiß der Hersteller.
Bei welchem Fehler die Geräte in Störung gehen und abschalten, weis auch nur der Hersteller.
Der Hersteller des Ladegeräte empfiehlt auf Grund seines Wissen einen RCD. Einen besseren RCD kann man jedoch immer einsetzen.

Jedoch steht noch die grundsätzliche Frage im Raum, haben die genutzten Ladegeräte einen Schutzleiteranschluss?
Gruß Jens

ThomasR
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Re: RCD bei Ladegerät

Beitrag von ThomasR » Dienstag 24. Dezember 2019, 13:23

Koaxman hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 14:02
In einer Kurzbeschreibung zum Ladegerät schreibt der Hersteller von einem Hochfrequenzschalter der die Eingangsspanung AC
in Gleichspannung wandelt. Ferner schreibt er, es seien Schaltnetzteile.
Da wird die Netzspannung in Gleichspannung gewandelt, dann mit einem hochfrequenten Hoch oder Tiefsetzsteller über Ferrittrafo auf die gewünschte Spannungsebene gebracht. Dort erneut gleichgerichtet und für den Ladeteil aufbereitet.

Ob hier eine Gefährdung durch Gleichspannung erfolgen kann, hängt vor allen Dingen davon ab ob der Gleichstromzwischenkreis doppelt isoliert gegenüber dem (metallischen?) Gehäuse ist?

Nur wenn die Spannung des Zwischenkreises berührt werden kann (z.B. durch fehlerhafte Isolation oder auch Schlitze im Kunststoffgehäuse) würde eine Gefährdung auftreten können. Allerdings müssen dann auch die Trafos wirklich schutzisoliert aufgebaut sein!

Diese Fragen kann nur der Hersteller beantworten. Sind die Geräte ohne Schutzleiter angeschlossen und als Klasse II gekennzeichnet? Das würde die Antwort des Herstellers stützen.

Wir hatten gerade den Fall, daß in einem 10kW Netzteil der Zwischenkreis "hochgegangen ist". Dabei wurde die Schutzisolierung so zerstört, daß 500 Volt DC auf das Gehäuse kamen. Wir haben ausschließlich "B" RCD's im Einsatz, teurer Spaß der sich aber bezahlt gemacht hat.

EBC41
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Re: RCD bei Ladegerät

Beitrag von EBC41 » Dienstag 24. Dezember 2019, 18:29

Anbei eine Tabelle, welche Art von RCD für welche Gleichrichterschaltung geeignet ist:
Dateianhänge
FehlerstromArten.png

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