Qualität des PEN

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Olaf S-H
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von Olaf S-H » Dienstag 9. April 2019, 06:47

Moin zusammen,

die TABen fordern den Fundamenterder. Insofern ist dieser, sehen wir mal vom technischen Erfordernis ab, auch vertraglich gefordert.

Wenn nun der PEN des VNB defekt ist, weil z. B. die Baggerschaufel zugeschlagen hat, dann ist man froh über einen eigenen Erder.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
vde1
Für elektrotechnische Laien gilt: Dieser Beitrag erläutert die technischen Zusammenhänge. Die Umsetzung obliegt den konzessionierten Fachbetrieben (§13(2)NAV).

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Funker
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von Funker » Dienstag 9. April 2019, 10:19

 von ego11 » 08 Apr 2019 20:36
Der größte teil der Wohnobjekte in unserem Kundendienstamm besitzen keinen Erder(wohl aber einen ordnungsgemäßen Hauptpotentialausgleich). Bis dato habe ich noch keine negative Erfahrung dadurch gemacht.
Das ist doch eine klare Antwort aus der Praxis, die der Sichtweise des BVS jedenfalls nicht widerspricht sondern die eher unterstützt.

Ansonsten zu dem Thema als Literatur auch empfohlen.
VDE Schriftenreihe Band 45 9.Auflage 2018 H. Schmolke Kapitel 25 Fundamenterder S. 495 ff.
Auf Seite 495 mit Bezug auf VDE 0100 -540:2012-08 542.1.2. Anmerkung : Eine elektrische Anlage benötigt keinen eigenen Erder

Olaf S-H » 09 Apr 2019 05:47
Moin zusammen,
die TABen fordern den Fundamenterder. Insofern ist dieser, sehen wir mal vom technischen Erfordernis ab, auch vertraglich gefordert.
z.B. TAB 2000 nimmt nur Bezug auf Neubauten - "in Neubauten wird ein Fundamenterder eingebaut" steht unter der Rubrik Auswahl von Schutzmaßnahmen und nicht Errichtung des Gebäudes.
Frage man einmal aus juristischer Spitzfindigkeit in Neubauten "wird ein Fundamenterder eingebaut" ist grammatikalisch eine Feststellung und keine Anforderung. Da vorher der Satz steht, daß der VNB etwas zum Netzsystem sagt, kann daraus auch geschlußfolgert werden, daß es sich bei den Neubauten um solche des VNB, d.h. Trafoboxen, Trafostationen e.t.c. handelt nicht zwangsläufig um ein sonstiges zu errichtendes Gebäude.
Olaf S-H » 09 Apr 2019 05:47
Wenn nun der PEN des VNB defekt ist, weil z. B. die Baggerschaufel zugeschlagen hat, dann ist man froh über einen eigenen Erder.
Beispiel, PEN defekt = N defekt heißt freier Sternpunkt und damit Spannungsverschiebungen L/N bis 400 V,
das sind dann noch ganz andere Probleme.
von Wulff » 08 Apr 2019 17:39
Sollten sich denn alle bisherigen Koryphäen in der Fachwelt bisher geirrt haben? Ist die DIN18014 denn nur ein Produkt erfolgreicher Lobbyarbeit?
Das ist ja nicht die einzige Norm, die so etwas vermuten läßt, siehe Thema AFDD.

Persönlich sehe ich das Thema Erdung wegen EMV und Blitzschutz durchaus positiv, aber es kommt eben immer auf die Wortwahl an.
Wenn in der Norm stehen würde "eine dem Zweck der Norm angepaßte Erdung, bei Neubauten vorzugweise Fundamenterder" wäre doch alle ok.
Das heißt man muß darüber reden und mit dem Bauherrn vertraglich vereinbaren welche Schutzziele er will und dann plant man das entsprechende ein und führt es aus. Insofern ist die alleinige Festschreibung eines FUE juristisch falsch weil auch technisch manchmal nicht möglich oder sinnvoll
und gehört daher geändert.

Hinsichtlich Anwendungsverpflichtung der Normung gibt es ein schon etwas älteres BGH Urteil

https://www.handwerksblatt.de/15-untern ... setze.html

"Zuerst einmal gilt: Die Einhaltung von Gesetzen ist Pflicht, die Beachtung von Normen ist hingegen freiwillig. Kein Handwerker ist also rechtlich verpflichtet, Normen anzuwenden oder einzuhalten. Oder wie es der Bundesgerichtshof, das höchste deutsche Zivilgericht, formuliert: "DIN-Normen sind keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter." (BGH, Az.: VII ZR 184/97)"

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Re: Qualität des PEN

Beitrag von Mail Mayer » Dienstag 9. April 2019, 19:01

In vielen Bauausschreibungen sind Normen aber als Richtschnur angegeben. Da sollte man sich als Installateur doch schon daran halten.

Man sollte vielleicht auch mal genau klären die Aufgabe des Fundamenterders in einem TN Netz. Denn da ist der PEN ja schon geerdet.
Es gilt doch das Fundament und Gebäudeteile auf das PEN Potential zu bringen und nicht die Anlage zu erden.
Denn für das sichere Auslösen des Automaten brauche ich das Fundament nicht.
Wie das hier schon angesprochen wurde wenn der PEN hochomig oder gar unterbrochen wird hätte der Versorger ganz andere Probleme.

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Wulff
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von Wulff » Dienstag 9. April 2019, 19:17

Naja, das BGH-Urteil hat ja schon mancherorts Wellen geschlagen, die Relativierung in der Praxis ist aber im Artikel des Handwerkerblatts auch beschrieben.

Ich möchte hier jetzt nur ungern stehen lassen, dass - unabhängig der Aussagen vom bvs und Co- ein Fundamenterder nicht notwendig ist:

Olaf bezog sich auf die TAB der VNB, ganz konkret gilt jetzt natürlich auch die neue VDE AR - N 4101. (Was in der neuen TAB drinsteht, weiss ich noch nicht, der Musterwortlaut ist zwar durch den Bundestag verabschiedet, aber noch nicht publiziert.)

Als Vorgabe und Vertragsbestandteil für die Erstellung eines Netzanschlusses mit einem VNB wird die Erfordernis bei einem Neubau bundesweit Pflicht. Siehe 11.1 in der AR.

Somit gibts da m. E. kein Vertun mehr...

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