Qualität des PEN

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ThomasR
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Qualität des PEN

Beitrag von ThomasR » Montag 8. April 2019, 09:35

Die Diskussion um die Schleifenimpedanz veranlaßt mich zu folgender Überlegung:

In unserer Gegend werden derzeit reihenweise (relativ hochwertige) EFH gebaut. Leider haben von 10 gebauten Häusern nur 2-3 eine ausreichende Erdungsanlage. Viele werden ohne Keller auf eine Boden/Perimeterdämmung gebaut OHNE zusätzlichen Ringerder o.ä.

Das müsste sich doch auf die Qualität des PEN auswirken? Ohne regelmäßige lokale Zusatzerdung wird bei immer länger werdenen Anschlußleitungen (keine neuen Trafos gesetzt) doch die Schleifenimpedanz höher als vom EVU gerechnet?

Probator
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von Probator » Montag 8. April 2019, 10:32

Das müsste sich doch auf die Qualität des PEN auswirken? Ohne regelmäßige lokale Zusatzerdung wird bei immer länger werdenen Anschlußleitungen (keine neuen Trafos gesetzt) doch die Schleifenimpedanz höher als vom EVU gerechnet?
Ist doch die letzten 100 Jahre so gemacht worden, dass für das Einfamilienhaus kein eigener Erder vorgeschrieben war.

Wenn der Trafo so weit weg ist, dass die Schleifenimpedanz zu hoch wird, dann wird die Stadt dich verpflichten, einen Erder zu setzen bzw. das gleich ganz TT-Netz als definieren.
Der EVU weiß ja die Längen und Querschnitte seiner Leitungen und kann berechnen, welche Längen noch zulässig sind.

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SPS
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von SPS » Montag 8. April 2019, 14:25

hallo,
im Neubau ist eine Erdungsanlage mit Dokumentation Pflicht.
Der Elektriker der den Zählerantrag stellt, bescheinigt das die Anlage entsprechend den Normen errichtet wurde.
Das schließt die Erdungsanlage ein
Ohne Vorschriftsmäßige Erdungsanlage ist das ein Mangel.

Wenn mehr Fachleute bei so was die Unterschrift und Inbetriebsetzung verweigern würden, würde endlich der Maurer aufhören Erdungsanlagen zu errichten.
Mit freundlichem Gruß sps

ThomasR
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von ThomasR » Montag 8. April 2019, 15:14

Der Fundamenterder ist für alle Neubauten (!) entsprechend den TA der Netzbetreiber und DIN 18015-1 vorgeschrieben. Seine Ausführung hat entsprechend DIN 18014 zu erfolgen. Der Fundamenterder gilt als Bestandteil der elektrischen Anlage und erfüllt wesentliche Sicherheitsfunktionen!

Weil aber genau das in 7 von 10 Fällen nicht geschieht mache ich mir so meine Gedanken. Wenn jedes EFH in einer Siedlung einen korrekten Erder hätte, müsste die PEN-seitige Impedanz gegen Null tendieren (massenhafte Parallelschaltung von guten Erden). Fehlen da aber immer mehr Einzelerder, wird das auch für die verbleibenden möglicherweise zum Problem.

Funker
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von Funker » Montag 8. April 2019, 15:20

von SPS » 08 Apr 2019 13:25

hallo,
im Neubau ist eine Erdungsanlage mit Dokumentation Pflicht.
Der Elektriker der den Zählerantrag stellt, bescheinigt das die Anlage entsprechend den Normen errichtet wurde.
Das schließt die Erdungsanlage ein
Ohne Vorschriftsmäßige Erdungsanlage ist das ein Mangel.
Das ist ein ganz heißes Eisen.
Es stehen zwar in VDE 0100-540:2012-08, VDE 0100-410:2018-10 als auch in DIN 18014 und DIN 18015 ein paar Sätze aus denen man so etwas entnehmen kann.

Es gibt dazu aber ein paar sehr offizielle gegenteilige Meinungen sowohl fachlicher als auch juristischer Art.

https://www.ateam-ffm.de/files/fachtagu ... _aTeam.pdf

https://www.bvs-ev.de/fileadmin/user_up ... 016-06.pdf

Rein juristisch sehe ich da Probleme in den Sätzen der genannten Normen, siehe auch

viewtopic.php?t=15557

Beim fachlichen Thema sieht es unter EMV Gesichtspunkten - Überspannungsschutz da etwas anders aus.

ThomasR
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von ThomasR » Montag 8. April 2019, 16:17

Na das sind doch mal Erkenntnisse! Die Auswirkungen auf die EMV hatte ich nicht auf dem Zettel inocc1

"Die DIN 18014 ist daher nicht als allgemein anerkannte Regel der Technik anzusehen"

Nach etlichen Diskussionen (auch hier im Forum) habe ich noch 2014 tatsächlich ca. € 3.000 in meinen Ring- und Fundamenterder "versenkt" und war stolz auf eine normgerechte Gestaltung; jetzt komme ich mir eher vera****t vor doh1 furios1

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SPS
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von SPS » Montag 8. April 2019, 16:34

Hallo,
ich kenne die genannten Quellen nicht.
Für eine Sat-Anlage ist schon mal in den meisten Fällen ein Erder nötig. Wenn auch nicht so aufwändig.
Zu der Erdungsanlage nach DIN gehört auch das Verbinden der Erder mit der Bewerbung als Potenzialausgleich.
Dieser Teil hat auf jeden Fall eine Funktion auch im TN-Netz
Mit freundlichem Gruß sps

Funker
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von Funker » Montag 8. April 2019, 16:43

Hallo Thomas,

ganz so schlimm mußt Du Dich nicht fühlen.
Hinsichtlich der EMV mit SPD in der Einspeisung ist das mit der Erdung an sich nicht schlecht.
Schaltüberspannungen oder elektromagnetische Einkopplungen bei fernen Blitzeinschlägen entstehen nicht im Trafo sondern irgendwie im Netz.
Daher ist dann die Rückkopplung zur Quelle über eine gute Erde, bzw. ein einheitliches Potential vor Ort schon sinnvoll.
Je nach Schutzbedarf kann dann aber der Erder auch variieren. Wenn ich keinen Keller im Neubau habe sondern nur ein Streifenfundament ist dann
ein Ringerder wegen der größeren Fläche unter dem Haus sicher sinnvoller als ein schmaler Fundamenterder im Streifen"fundament" - insofern sind die Formulierungen in den Normen eher strittig mit dem alleinigen Wort "Fundamenterder" und geben viel Anlaß für Steitgespräche beim Bau und vor Gericht. Mit ein paar Sätzen mehr und offeneren Ausführungen gäbe es diese Auseinandersetzungen nicht und man könnte sich wirklich auf das
fachliche z.B. EMV oder Blitzschutz konzentrieren wo erwünscht und notwendig.

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Wulff
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von Wulff » Montag 8. April 2019, 18:39

Hallo Funker,

Was sollen wir jetzt aus deinen Quellen mitnehmen....

Da ich inhaltlich nicht alles gesagte überprüfen oder widerlegen kann, bleibt doch nur, uns auf den §49 (2) des EnWG zurückzuziehen. (Vermutungswirkung...)

Da kann ich dem Kunden nur sagen, ich weiss auch nicht genau, warum wir den Fundamenterder legen, aber besser/sicherer ist es, weil die Norm es sagt....?

Alle Argumente des SV Schauer kann ich da auch nicht nachvollziehen. Auch wenn der Erder eine Summe >2% verschlingt, muss er deswegen ja nicht wegfallen.

Sollten sich denn alle bisherigen Koryphäen in der Fachwelt bisher geirrt haben? Ist die DIN18014 denn nur ein Produkt erfolgreicher Lobbyarbeit? Ich weiss nicht recht...

ego11
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Re: Qualität des PEN

Beitrag von ego11 » Montag 8. April 2019, 21:36

Der größte teil der Wohnobjekte in unserem Kundendienstamm besitzen keinen Erder(wohl aber einen ordnungsgemäßen Hauptpotentialausgleich). Bis dato habe ich noch keine negative Erfahrung dadurch gemacht.

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