Sanierter Plattenbau Unterverteilung

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Funker
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Re: Sanierter Plattenbau Unterverteilung

Beitrag von Funker » Montag 11. März 2019, 21:53

Ich denke hier ist etwas Ostbauten Erfahrung Notwendig.
Es gab zwei glücklicherweise zwei grundsätzliche Bautypen WBS 70 und IW 64 bzw. ein par Vorläufer und Abwandlungen.
WBS 70 allgemein bis 6 Stockwerke, ein Mittelaufgang mit Abzweigen bis zu 4 Wohnungen, ( 3 + 4 R WG, 3 x 1R WG + 1 x 2 RWG, 2 x 2 R WG + 1 x 1R WG), IW 64 auf dem Flur bis zu 6 WE`s
Zumeist waren die Elektrozuleitungen in der Nähe der Wohnungstüren in einem nach innen in die Wohnung ragenden Steigkanal angeordnet und darauf
die UV`s als AP Verteilung montiert.
Kaltwasser, Warmwasser, Abwasser, Heizung und Lüftung befanden damals üblicherweise getrennt davon im Steigschacht in Badnähe, oft zwischen
Küche und Bad. Damit konnte das Problem nicht auftreten.

Es wäre also zuerst zu klären wie die Installation im Bestand vor 1990 original aussah. Vielleicht gibt es noch ein zwei Mieter, die das kennen.
Falls es damals vorher die oben beschriebene Anordnung gab, wäre jeglicher vermeintlicher Bestandsschutz weg, d.h. Baumangel von damals,
wenn nicht hätte ein vernünftiger Planer doch einmal darüber nachdenken müssen.

Auf alle Fälle hätte bei der Rekonstruktion nach 1990 eine nach Bilddarstellung gegen Wasserprobleme nicht ausreichend geschützte in den Raum
mit Wasserleitungen hineinreichende UV nicht so errichtet werden dürfen, den dafür galt wohl dann DIN VDE 0100 - 100 u.s.w. und DIN 18015.
Mit dem Platzen einer Wasserleitung egal welcher Art muß man immer rechnen, Zugänglichkeit wie jetzt beim vorgesehenen Umbau der anderen Medien mal dahingestellt.

Unabhängig davon fällt Bestandschutz auch weg, wenn sich wesentliche Änderungen ergeben.
Während es vor 1990 im wesentlichen keine elektronischen Betriebsmittel gab haben wir heute mit elektronischen Kochgeräten, Heimakkustikcenter sowie andere Elektronik zu rechen die Oberschwingungen erzeugen und Neutralleiter überlasten können.
Das ist eine andere Nutzungsart als geplant und ausgeführt.

Ganz vernünftige Sanierungen hat Mitte bis Ende der 1990 - iger Jahre die EWG Dresden, die WG Johannstadt und die SWG Aufbau hingelegt.
Elektrosteigleitungen für Wohnungen im Treppenhaus komplett erneuert, hinter dafür abgetrennter F90 Wand mit Revisionsöffnungen und Abzweig
der einzelnen Leitungen in die Wohnungen je Etage. Dazu neuer Verteiler in Türnähe als AP Verteiler mit moderen LS und RCD für das Bad und 40 % Reserve. Bei Wohnungswechsel wird dann anschließend die Verkabelung komplett erneuert und von TN - C 2 x 2,5 qmm auf TN - S umgestellt.

Die Heizleitungen wurden ebenfalls von Einrohrsystem auf Zweirohrsystem umgestellt, Versorung jeweils von unten nach oben von Wohnung zu Wohnung über darüberliegende Zimmer.

Dann bleibt im Schacht am Bad nur WW / KW, Abwasser und Lüftung.

Ich denke über ein derartiges Konzept wird man bei Euch reden und dieses umsetzten müssen. Alles andere ist Pfusch und birgt Gefahren bis hin zu Tod (PEN - Leiterbruch bei 2,5 qmm TN - C ) und Brand, z.B. durch zusätzliche Wärmelast im Schacht.

Funker
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Re: Sanierter Plattenbau Unterverteilung

Beitrag von Funker » Dienstag 12. März 2019, 06:54

Noch ergänzend zur Kabelführung in der Wohnung, die war bei WBS 70 Aufputz im Bereich der Scheuerleiste Kanal bzw. was die Leuchten betraf für die darunter liegende Wohnung im Estrich der darüberliegenden Wohnung, daher Bohrverbot in Decken und Böden.

Bei den Rekonstruktionen habe ich jetzt Varianten gesehen, daß die Leitungen in die Winkel zwischen Wänden und Decken in Kanäle verlegt wurden.
Die wurden dann mit einer schräg liegenden Gipsplatte verkleidet, sieht nach futuristischem Stuck aus.
Die Zuführungen zu Dosen gehen dann von oben nach unten AP analog wie früher. Schlitzen stellt sicher ein Problem wegen der minimierten Wanddicke dar. Die Verlegung oben hat sicher den Vorteil, daß man unten nirgendwo anecken und etwas kaputt machen kann.
Vielmehr wird bei WBS 70 nicht gehen, eben funktionell, trocken und warm.

meisterglücklich
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Re: Sanierter Plattenbau Unterverteilung

Beitrag von meisterglücklich » Dienstag 12. März 2019, 17:03

Auch wenn hier Leute Angst vor Wasser haben, ein Rohrbruch in einem Steigeschacht ist keine normale Betriebsumgebung für den Elektroverteiler, das muß er deshalb auch nicht abkönnen, dann muß er nach einer Havarie halt getauscht werden.
Du baust ja auch nicht alles in F90, weil es mal brennen könnte...

So wie die Alustegleitungen aussehen, waren die schon immer da, da hat keiner was verzogen, N-Überlastung bei Einphasenwechselstrom halte ich für ein Gerücht.
Bedenken habe ich lediglich mit der Beibehaltung der klassischen Nullung, bei Lichtauslässen vielleicht noch tolerabel in Anbetracht der Sanierungsunmöglichkeit, bei Steckdosenkreisen auf jeden Fall kurzfristiger Sanierungsbedarf. Da nach TGL Küchen und Bäder 3-adrig ausgeführt werden mußten, könnte in den (andersräumigen) Steckdosen auch 3-adrig ankommen, aber als klassische Nullung ausgeführt worden sein (ja, sowas habe ich schon oft gesehen, wobei ich ob der dreiadrigen Verkabelung davon ausgehe, daß immer vom gleichen Ring abgeschnitten wurde).

Trumbaschl
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Re: Sanierter Plattenbau Unterverteilung

Beitrag von Trumbaschl » Dienstag 19. März 2019, 13:14

Ich sehe auf dem Bild geschätzt fünf 2-adrige Stegleitungen und zwei 3-adrige. Das wirkt mir nicht unbedingt danach als wären die Raumzuleitungen 3-adrig ausgeführt.

Da lob ich mir Ungarn, die dürften als einziges Ostblockland nie klassisch genullt haben. Alu soweit das Auge reicht, aber alles 3-adrig. In Budapest habe ich TN-C-S-Hausanschlüsse aus den 50ern gesehen. Ankommend schwarz, grau, blau und rot (grauer PEN), abgehend dreimal schwarz, grau (N) und rot (PE) in Rohr. Viel Rohrinstallation, oder Stegleitung mit PVC-Mantel, entweder aus DDR-Produktion oder ungarische mit Aderisolierung (die dann gerne in 1,5 mm2 Al).

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