Spannungsabfall aufspüren

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SPS
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von SPS » Samstag 16. März 2019, 00:42

meka hat geschrieben:
Samstag 16. März 2019, 00:33


Was ich noch nicht verstanden habe sind die genannten 120A für B16 Automaten. Ich habe mir mehrfach alles zur Auslösecharakteristik durchgelesen, und beim Kurzschlussstrom finde ich immer nur Angaben 3-5x des Nennstroms. Also 48-80A. Wie kommt man da auf 120A Grenze? Bis von einem Kurzschluss aufgrund des Leitungswiderstand nur 48A übrig bleiben, muss die doch sehr dünn werden. Oder wo leitet man die 120A her?

Hallo 5 mal In = 80 A Auslösestrom.
Aufschlag für Messgerätefehler und Temperatur ... 50% = Anzeige am Messgerät min. 120 A

https://www.elektro.net/wp-content/uplo ... 020294.pdf
Mit freundlichem Gruß sps

OChatter
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von OChatter » Samstag 16. März 2019, 15:19

Hallo meka,

3-5x ist der Bereich, den der Automat für das Kurzschlussansprechen haben darf. Kann also durchaus ein Exemplar mit 4,93 oder auch 3,17x Inenn sein. Weiß man nicht. Also muss man vom ungünstigsten 5xInenn ausgehen. Also theoretisch 80 A. Nun sind die Messgeräte vom Elektriker aber keine Präzisionstechnik. Und die Versorgungsspannung darf auch etwas schwanken und bei weniger Spannung fließt bei gleichem Widerstand weniger Strom. Und wenn dann noch ein paar Meter Gerätezuleitung in der Steckdose stecken... => Daher Sicherheitsfaktor 1,5. Macht dann mindestens 120A als erforderlichen Messwert.


Wenn die Spannung bei dir am Hausanschluss halbwegs stabil ist, reicht es auch, 'nen starken Verbraucher an die letzte steckdose zu stecken und dann die Leitung dorthin zu verfolgen und an den Klemmstellen unterwegs jeweils zwischen L und N zu messen. Siehst dann ja, ob sie kontinuierliche zur Länge entsprechend kleiner wird oder sprunghaft.

Wenn du allerdings von 25m unnötiger Länge schreibst - reden wir hier von 3x1,5²? (bzw. altmodisch 2x1,5?). Alleine diese 25m Umweg machen bei 16A Vollast schon 1/56 * 1/1,5 * 25 * 2 * 16 = 2/84 * 25 *16 = 800/84 = 9,5 V Spannungsabfall. Thermisch überlastet ist die Leitung dabei nicht, nur viel zu lang für die Kombination von Absicherung und Querschnitt.

Olaf S-H
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von Olaf S-H » Samstag 16. März 2019, 22:30

Moin Meka,

der Leitungsschutzschalter darf beim 3-fachen Bemessungsstrom auslösen. Er muss beim 5-fachen Bemessungsstrom auslösen. Beides gillt nur für die Schnellauslösung der Charakteristik B. Der "Zuschlag" von 50 % auf die 80 A resultiert aus den Betriebsunsicherheiten des Messgerätes und der Erwärmung des Leiters im Kurzschlussfall.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
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Für elektrotechnische Laien gilt: Dieser Beitrag erläutert die technischen Zusammenhänge. Die Umsetzung obliegt den konzessionierten Fachbetrieben (§13(2)NAV).

"Wer eine Handlung begeht, der übernimmt auch alle daraus folgende Pflichten." §33 I-3 prALR 1794

meka
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von meka » Donnerstag 21. März 2019, 13:00

Danke an alle antworten.
OChatter hat geschrieben:
Samstag 16. März 2019, 15:19
Wenn du allerdings von 25m unnötiger Länge schreibst - reden wir hier von 3x1,5²? (bzw. altmodisch 2x1,5?). Alleine diese 25m Umweg machen bei 16A Vollast schon 1/56 * 1/1,5 * 25 * 2 * 16 = 2/84 * 25 *16 = 800/84 = 9,5 V Spannungsabfall. Thermisch überlastet ist die Leitung dabei nicht, nur viel zu lang für die Kombination von Absicherung und Querschnitt.
Ja genau. Das ist ein altes Bauernhaus. Das Kabel kommt vom sicherungskasten geht dann zu einer großen Abzweigdose und läuft dann wieder parallel mit dem führenden Kabel zurück um dann durch den Heuboden zu den fraglichen Räumen zu führen. Diese Strecke um eine Abzweigdose zu sparen kostet alleine 25m. Das wird auch ersetzt. Elektriker kommen Montag. Habe mittlerweile noch einige Sachen auf der Liste.

Probator
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von Probator » Donnerstag 21. März 2019, 13:51

meka hat geschrieben:
Donnerstag 21. März 2019, 13:00
Das ist ein altes Bauernhaus. ... Das wird auch ersetzt. Elektriker kommen Montag. Habe mittlerweile noch einige Sachen auf der Liste.
Wenn die Anlage älter als 40 Jahre ist, solltest du sowieso ALLES ersetzen. Incl. neuer Unterverteilung, neuer Kabel.

Falls da noch zweiadrige Leitungen liegen, wäre das eine sog. "klassische Nullung". Dann solltest du in jedem Fall alles rausreißen und neu machen lassen, das ist eine uralte, brand- und lebensgefährliche Technik.

meka
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von meka » Donnerstag 21. März 2019, 20:02

Nein. Die ältesten Sachen sind so Ende der 90er oder deutlich neuer oder wurden gerade erneuert. Es ist nur sehr „gewachsen“. Es wurde immer wieder was erneuert und dann was drangebaut. Dazu ist das einfach auch Groß. 300m2 Wohnfläche plus Nebengebäude. Da kommen schnell lange Strecken zusammen und wenn man dann bei Erweiterungen nicht immer den vorausschauendesten weg gewählt hat, kommen so Konstrukte wie oben zusammen.

Olaf S-H
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von Olaf S-H » Donnerstag 21. März 2019, 22:12

meka hat geschrieben:
Donnerstag 21. März 2019, 13:00
... Heuboden ...
Moin Meka,

Heuböden stellen in der Regel "feuergefährdete Betriebsstätten" dar. Hier ist nach VDE 0100-705 ein RCD mit einem maximalen Bemessungsdifferenzstrom von 300 mA erforderlich. Auch sollte man hier über einen AFDD nachdenken.

Gruß Olaf
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von meka » Donnerstag 21. März 2019, 23:17

Danke. Werde ich mich mal einlesen. Das läuft sprachlich aber nur noch unter Heuboden. Da liegt aber schon lange kein Heu mehr. Jetzt ist es nur ein nicht ausgebautes OG&DG

meka
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von meka » Dienstag 26. März 2019, 09:26

Wir haben doch noch ein kleines Ärgernis gefunden: hinter dem Herdanschluss liegt ein altes Kabel, 5 adrig mit Blechmantel. Lt dem Elektriker ein NYRUZY Kabel.

Erstens kam es mir ziemlich dünn vor. Mit der Schieblehre nachmessen haben die Adern anscheinend nicht mal den Durchmesser von 1.5mm^2 sondern eher 1mm^2; wenn es sowas gab. Auch wieder mit der Länge von min 20-25m.

Zweitens zeigt das Kupfer Grünspan was lt google wohl durch Säure gelöst was wiederum durch Hitze aus dem PVC Mantel entstanden ist. Es wurde wohl schon mal heiß.

Auf L1 vom Herd waren von den Vorbesitzern ja auch alle Steckdosen der Küche geschaltet.

schorsch
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Re: Spannungsabfall aufspüren

Beitrag von schorsch » Dienstag 26. März 2019, 14:30

Hallo meka,

mit der Schieblehre - richtig Messschieber - misst man keine Querschnitte.

Ansonsten alles was alt ist raus und neu machen lassen. Nur den Verteiler erneuern bringt gar nichts. Der Bestandsschutz ist sowieso schon hin!

Bei 1,5 mm² braucht es einen Durchmesser von 1,38 mm!

Gruß

Schorsch

Ps. Fachlich richtig ist Spannungsfall

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