Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

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Drehfeld
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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von Drehfeld » Dienstag 26. Februar 2019, 19:59

Die RCD sind doch bei dreiphasigem Anschluss ohne Neutralleiter auch falsch angeklemmt oder sehe ich das falsch?
Richtig wäre doch die drei Außenleiter auf 1 3 5 bzw. 1 4 6 zu klemmen. Da die Testtaste wohl auch bei der Ami-Version zwischen L1 und N sitzt dürfte die Testtaste keine Funktion haben.
Die Leitungen bis zu den Sicherungen müssten doch analog zu NSGAFöU sein oder? (Kurz- und Erdschlusssicher)

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Elt-Onkel
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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 26. Februar 2019, 20:16

Hallo,
Drehfeld hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 19:59
Die RCD sind doch bei dreiphasigem Anschluss ohne Neutralleiter auch falsch angeklemmt oder sehe ich das falsch?
Ich dachte zuerst, man hat den N in schwarz installiert.

Wenn man aber den N am RCD ganz vergessen hat, dann sind es nicht mehr grobe Fehler,
dann ist es unsicher, oder Dreieck 400 V.

Vielleicht ist es so gedacht, daß der Kunde alle Fehler selber findet und benennt,
und dann aus usa ein Monteur kommt, um exakt die Liste abzuarbeiten.

So, wie bei MS-Software.


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Probator
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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von Probator » Dienstag 26. Februar 2019, 20:42

Drehfeld hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 19:59
Da die Testtaste wohl auch bei der Ami-Version zwischen L1 und N sitzt dürfte die Testtaste keine Funktion haben.
Immerhin würde der RCD funktionieren.

Der RCD hat übrigens auch nur 110/190V Bemessungsspannung.

Auszug aus dem Eaton-Katalog:
eaton katalog.png
Elt-Onkel hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 17:29
Die Maschine soll doch an 230/400 V laufen ?
Klären, bevor jemand eine Zuleitung aufklemmt. Wenn es weitere Betriebsmittel gibt, die nur für 110V ausgelegt sind, raucht es sonst vielleicht.

Zur Frage der Querschnittsverringerung und Absicherung dürfte ein Blick in DIN VDE 0100-430, 434.2 "Anordnung der Einrichtungen zum Schutz bei Kurzschluss" förderlich sein.
Zuletzt geändert von Probator am Dienstag 26. Februar 2019, 21:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 26. Februar 2019, 20:54

Hallo,
Probator hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 20:42
Immerhin würde der RCD funktionieren.

Der RCD hat übrigens auch nur 110/190V Bemessungsspannung.

Auszug aus dem Eaton-Katalog:
eaton katalog.png
"Der RCD hat übrigens auch nur 110/190V Bemessungsspannung."

Das meinte ich im Beitrag von 16:29 Uhr


...

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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 26. Februar 2019, 21:01

Hallo,


also man könnte die Kiste sanieren:

- HS nach oben setzen. (Ggfs. Schild erforderlich: Nur Schalten, wenn Maschine nicht läuft.)
- Not-Halt ?
- 3 Lasttrenner NH-1 nachrüsten
- Höhere Verdrahtungskanäle
- Leiter mit erhöhter Isolierung
- PEN Klemme
- PE Führung
- N Klemme
- N Trennklemmen
- defekte AEH ersetzen
- RCD in 230/400 V
- Deutsche Beschriftung
- 50 / 60 Hz prüfen
- 127 Volt Verbraucher prüfen

Vielleicht gibt es ja noch Ergänzungen.


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ThomasR
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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von ThomasR » Dienstag 26. Februar 2019, 21:25

Danke für eure Hinweise! Das bestätigt meine Befürchtungen.

Ich bin zwar nicht direkt zuständig, lasse das Ding aber nun sperren und der GF einen Gutachter empfehlen.

Verständnisfrage: Wie bitte soll ein RCD bei der von Eaton gezeigten Beschaltung auf Funktion getestet werden? Ohne N?

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Wulff
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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von Wulff » Dienstag 26. Februar 2019, 22:11

ThomasR:

Fi ohne N: wenn der Prüfwiderstand einen Aussenleiter vor dem Fi und einen anderen nach dem Fi per Testknopf beschaltet?

Dann ist die Stromsumme ungleichmäßig und Schalter fällt.

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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von Elt-Onkel » Mittwoch 27. Februar 2019, 02:37

Hallo,


der 'Umgehungswiderstand' kann den N (im Stern) oder einen Außenleiter (im Dreieck) an der Summenspule
(oder Auswerteelektronik) vorbei führen.

Es sind 3 Stück 400 V RCD's und 1 Stück 230 V RCD (verbaut) geplant gewesen.
(Auch wenn die Typen nicht passen.)

Da verstehe ich die Firma Eaton nicht.
Es ist doch fast der gleiche Materialaufwand einen 400 V RCD zu bauen.
O.K. der Test-Widerstand hat einen anderen Wert.
Wobei ich nicht weiß, wie genau der Test-Widerstand die 30 mA simulieren muß.
Wenn die Test-Taste (nach Norm) auch mit 70 mA zufrieden ist, könnte man die 110/190 V - Produktlinie streichen.

Es gibt nur 5 Steuerstromkreise in 230 V.
(Da gehört nach meiner Meinung schon mal eine eigene Vorsicherung hin.)

Der Rest sind alles 400 V - Verbraucher.

Dann hätte man nach dem HS bauen können:
3x3 NH-00 mit je 100 A,
und 1 NH-00 mit 63 A.
(Oder auf Schienensystem SLS.)

Das könnte man ja oben rechts noch hinfrickeln.

Trotzdem werden die 8 mm² wohl nicht reichen, weil die Leiterbündelung zu viel Wärme ergibt.

Also die Verbraucher mit 10 mm² anschließen, oder noch mehr SLS.

Dann wird der HS wohl einen eigenen Kasten oberhalb vom Schaltschrank benötigen.
In dem Zuge könnte man ihn ja auch auf 400 A auslegen,
und ggfs. einen Not-Halt integrieren.

Ich würde mal orakeln, daß unter 10'000,- EUR die Sanierung nicht möglich ist.
Ob sich dann der Deal mit usa gelohnt hat ?

--------------------

Diese Maschine erinnert mich so ein wenig an meinen Vater.
Immer wenn bei Bahlsen im Konzern Verpackungsmaschinen neu ankamen,
hat er die gesamte (Steuer)Elektrik ausbauen lassen.
(Damals gab es noch keine Elektronik.)
Ein Hannoversches Mittelständiges E-Unternehmen wurde dann beauftragt,
eine neue Steuerung herzustellen, und zu liefern.
Die war dann nach Bahlsen-Werknorm.


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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von Elt-Onkel » Mittwoch 27. Februar 2019, 03:36

Hallo,
ThomasR hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 13:59

Unsere Firma hat einen Prüfstand in den USA geordert, mit Lastenheft und …

Die Eaton-RCD's sind ja schon mal gut.
(Auch wenn der Typ nicht passt.)

Wenn in dem Lastenheft auch Eaton-LS gefordert wären,
hätte man ja Kammschienen verbauen könnnen.
Das hätte die Installation wesentlich vereinfacht.
Die LS-Bradleys passen eben von der Geometrie nicht zu den Eatons.

Nur mal so als Anmerkung.

Bei einer etwaigen Sanierung würde ich eine Harmonisierung mal ins Auge fassen.


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Re: Fragen zu einer US Maschine in Deutschland

Beitrag von Elt-Onkel » Mittwoch 27. Februar 2019, 06:07

Hallo,
Probator hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 20:42

Klären, bevor jemand eine Zuleitung aufklemmt. Wenn es weitere Betriebsmittel gibt, die nur für 110V ausgelegt sind, raucht es sonst vielleicht.
Genau das beschreibt die Vorgehensweise der Amerikaner.

Die Industrie baut etwas.
Sie ist verantwortlich.
Sie macht schon alles richtig.
Klappt etwas nicht, kann man ja gegen klagen.

Warten wir mal ab, ob es nicht klappt.

Die Herangehensweise der Europäer ist da anders:

Man projektiert und baut nach den Regeln der Physik.

Wenn es dann trotzdem nicht jobbt, kann man ja immer noch klagen.

Deswegen bestimmen in usa die Rechtsanwälte die Elektrotechnik.
Mithin auch die Idee, daß ein LS nach vorne und hinten sichert.
Ein Brand in den Zuleitungen kommt ja (statistisch) nie vor.
Warum sich also Gedanken über verstärkte Isolierungen machen ?
Ist doch nur unnütze Geldausgabe.

Die Fragen von Betriebssicherheit (im Sinne von stabil laufen) interessieren dort niemanden.
Hauptsache, die Maschine läuft ein paar Monate.
Danach gibt es Neugeräte.


...


Edit:
Und deswegen funktionieren die Ideen vom Trump auch nicht.
Man kann die solide (Europäische) Technik nicht umdrappieren.
Eigentlich ist diese Maschinensteuerung ein klassisches Beispiel für die Unverkäuflichkeit von US-Waren in EU.
Da hilft auch nicht ein Zoll-Satz von Null Prozent.

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