90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

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koehler
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90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von koehler » Donnerstag 11. Oktober 2018, 14:20

Hallo zusammen! :)

Ich habe Fragen zu einer Einbindung eines 90kW Aggregates (ähnlich einer Pumpe),
die in eine bestehende Anlage eingebaut werden soll bzw. einen 55kW Antrieb ersetzen soll.

Istzustand:
Und zwar hat das bisherige Aggregat zur Wartung des Maschinenpersonals von mir vor ein paar Jahren
einen 6-poligen( +Meldekontakt) Wartungsschalter direkt vorort verpasst bekommen. Der Grund war,
dass ab und an der Bediener bei laufender Gesamtanlage (betreffendes Aggregat ist nur Teil der Anlage) das Aggregat
abschalten, und es danach öffen und reinigen muss. Vorher musste er in der Schaltraum und dort den Leistungsschalter ausschalten.
Da er aber keine befugte Person für solche Tätigkeiten ist ist, hatte ich den Wartungsschalter installiert, den er dann mit einem Schloss sichern kann.

Zukunft:
Das Problem, das ich jetzt dann habe ist, dass ein 6-poliger Wartungsschalter für 90kW Stern-Dreieck-Schaltung des Motors extrem groß ist.

Jetzt zu den Fragen:

Muss ich überhaupt für die Wartung mit solch einem Schalter direkt allpolig abschalten, oder würde es auch gehen, nur den Steuerstromkreis der
Stern-Dreieckschaltung zu unterbrechen? (zusätzlich noch Aus-Signal an SPS, Meldeleuchte für AUS vorort)

Oder kann ich ein Schaltersignal auf ein Sicherheitsrelais geben, dass die Stern-Dreieck-Kombination abschaltet?

Kann mir jemand da mal weiterhelfen? help1

Vielen Dank!


Gruß

Sven

Olaf S-H
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Re: 90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von Olaf S-H » Freitag 12. Oktober 2018, 09:48

Moin koehler,

was benötigst Du: Not-Aus oder Not-Halt?

Bei Not-Aus kommst Du um einen Schalter mit Trennfunktion nicht umrum. Bei Not-Halt muss man dann mal gucken.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
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Für elektrotechnische Laien gilt: Dieser Beitrag erläutert die technischen Zusammenhänge. Die Umsetzung obliegt den konzessionierten Fachbetrieben (§13(2)NAV).

"Wer eine Handlung begeht, der übernimmt auch alle daraus folgende Pflichten." §33 I-3 prALR 1794

koehler
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Re: 90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von koehler » Freitag 12. Oktober 2018, 10:13

Morgen Olaf,

eigentlich weder noch. Die Gesamtanlage, die ja einen Not-Áus hat, soll trotzdem weiterlaufen. Allerdings muss der
Bediener ab und an den Antrieb ausschalten können, da das Aggregat als verstopft und somit aufgeschraubt werden muss.
Dabei soll der Bediener den Antrieb "gegen das Wiedereinschalten" sichern, damit er gefahrenlos das Aggregat aufschrauben kann.
Den Leistungschalter im Schaltraum soll er ja nicht betätigen, da er dort ja nicht hin darf.

Für mich stellt sich die Frage, ob es reicht nur den Steuerstromkreis der Stern-Dreieick Kombination mit einem Schalter und Schloss zu sichern,
oder ob ich allpolig mit einem Schalter trennen muss. Oder was es sonst noch für Möglichkeiten so gibt.

Gruß

Sven

Olaf S-H
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Re: 90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von Olaf S-H » Freitag 12. Oktober 2018, 11:01

Moin koehler,

warum wurde denn der ursprüngliche Schalter eingebaut? Sicherlich nicht, weil er im Lager rumlag und über war. :D

Es stellt sich hier die Frage, welche Gefährdungen von dem Aggregat ausgehen. Sind es mechanische und/oder elektrische Gefährdungen? Gibt es als Alternative auch die Möglichkeit einer meachnischen Verriegelung (z. B. "Sperrstift" im Getriebe)?

Gruß Olaf
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koehler
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Re: 90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von koehler » Freitag 12. Oktober 2018, 11:13

Hallo Olaf,

er wurde von mir eingebaut, da vorher als vom Bediener im Shaltraum der Leistungsschalter ausgeschaltet wurde.
Das ist halt nicht erlaubt, da er ja nicht befugt ist.
Ansonsten könnte ja jemand an der Anlage den Antrieb wieder einschalten, während er dort arbeitet.

Die Gefährdung für Ihn liegt auf der mechanischen Seite. Er schaltet das Aggregat aus und muss es aufschrauben. Dort ist ein Flügelrad,
das beim ungewollten Anlaufen natürlich für Ihn fatal wäre und im schlimmsten Falle seine Arme oder Hände abtrennen würde.
Das Aggregat lässt sich mit einer großen Pumpe oder Rührwerk vergleichen, bei der er an das Flügelrad mit den Händen rann muss, um dort Vestopfungen zu entfernen.

Ich dachte mir, vielleicht kann man das auch über ein sicheres "AUS" verwirklichen, das wir an einem 250kW Rührwerk haben. Dort ist aber eine
Eingangstür mit Sicherheitsschalter, die auf das Sanftanlaufgerät direkt schalten.
Allerdings habe ich am angesprochenen Aggregat keine Sicherheitstür oder dergleichen.

Gruß

Sven

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Re: 90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von Elo-Ocho » Freitag 12. Oktober 2018, 11:19

Moinsen,

würde nicht Aus-Signal als Öffner, wegen der Kabelbruchsicherheit, an die SPS und zur Sicherheit ein 3poliger Wartungsschalter hinlangen?

Es geht ja nur darum den Anlauf zu verhindern, es soll ja keiner ans Motoklemmbrett. Muss halt nur klar sein, das im Fehlerfall Spannung am Motorklemmbrett anliegen könnte.

Ocho
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Re: 90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von Tobi P. » Freitag 12. Oktober 2018, 11:26

Moin Sven,

es muss ja keine Sicherheitstür sein, man kann ja stattdessen auch die zu entfernende Abdeckung mittels Sicherheitskontakt überwachen.
Handelt es sich bei der eingesetzten SPS denn um eine Standard-SPS oder um eine fehlersichere Ausführung?

Gruß Tobi

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Re: 90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von koehler » Freitag 12. Oktober 2018, 11:43

Hallo Tobi!
Tobi P. hat geschrieben:
Freitag 12. Oktober 2018, 11:26
Moin Sven,

es muss ja keine Sicherheitstür sein, man kann ja stattdessen auch die zu entfernende Abdeckung mittels Sicherheitskontakt überwachen.
Handelt es sich bei der eingesetzten SPS denn um eine Standard-SPS oder um eine fehlersichere Ausführung?

Gruß Tobi
Es handelt sich um eine alte S5 115U, also leider NEIN.

Kann ich eventuell auch einen zweipoligen Schalter (Öffner) auf ein Sicherheitsrelais geben und dies dann mit der Steuerkreis der Stern-Dreieck verknüpfen? Oder auch solch einen Sicherheitsschalter, wobei der ziemlich extreme Verhältnisse direkt am Aggregat hätte (viel Dreck und aggressives Wasser)?

Gruß, Sven.

Challenger
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Re: 90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von Challenger » Freitag 12. Oktober 2018, 12:44

Moin,
Wie eine Ausschalteinrichtung zur Verhinderung von unerwartetem Wiederanlauf, z.B. bei Instandhaltung, aussehen soll beschreibt die DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1): 2007-06 in Abs 5.4.

Ich kenne es so, dass Klappen in Bereichen bei denen durch Eingriff Gefährdungen entstehen:
1.mit Sicherheitsschaltern gesichert werden. Diese verhindern mechanisch das öffnen der Klappe(Zuhälter :D ) bei Betrieb und über einen Kontakt das Wiedereinschalten bei offener Klappe.
2.mit einer Stillstandsüberwachung ausgestattet sind, so dass die mechanische Verriegelung der Klappe erst bei tatschächlichem Stillstand der gefahrbringenden Bewegung lösbar wird. (Z.B.Nachlauf Flügelrad).
Daraus lässt sich doch was machen.

Gruß Challenger

Edit:
koehler hat geschrieben:
Freitag 12. Oktober 2018, 11:43
Es handelt sich um eine alte S5 115U, also leider NEIN.
Wir könnten Kollegen sein, ich arbete auch im"deutschen Museum"...
Irgendwie gehen die letzten Dinger nicht kaputt, respekt1

koehler
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Re: 90kW Aggregat Sicherheitsschalter bzw. Wartungsschalter

Beitrag von koehler » Freitag 12. Oktober 2018, 13:14

Hallo!

Naja, das Aggregat hat nicht unbedingt Klappen, sondern vier unterschiedlich große Flanschanschlüsse, an denen Rohre weggehen DN300 maximal.
Während dem Laufen der Maschine schraubt auch keiner die Rohre weg, da würde er voll geduscht werden mit Dreck und Wasser.
Ein großes Rohr muss im Normalfall abgeschraubt und weggeklappt werden. da ist auch vom Hersteller auch nichts vorgesehen.

Normalerweise soll eben der Leistungsschalter ausgeschaltet werden, aber wir Elektriker sind nicht im Schichtbetrieb und an den Wochenenden auch nicht da (nur Bereitschaft).

Ich denke notfalls wird es eben ein großer sechspoliger Wartungsschalter + Meldekontakt an SPS im Schaltkasten direkt am Aggregat werden. Der ist zwar sehr teuer, aber so würde ich allpolig aussschalten. Habe jetzt gesehen, dass ABB oder Siemens das anbietet. Mit den Wartungsschaltern sind auch die MA zufrieden, da diese sehen, dass auch wirklich vorort was ausgeschaltet wird.

Gruß

Sven

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