Roboterzelle absichern mit Schukozuleitung

In dieses Forum gehört alles, was sich mit dem Titel vereinbaren lässt
Antworten
Alias
Null-Leiter
Beiträge: 10
Registriert: Donnerstag 26. Oktober 2017, 09:10

Roboterzelle absichern mit Schukozuleitung

Beitrag von Alias » Dienstag 5. Juni 2018, 13:35

Hallo zusammen,
nach etwas längerer Abstinenz in der Elektrobranche möchte ich mich gerne wieder in der Thematik zurecht finden.

In der Firma in der ich berschäftigt bin soll ein kleiner mobiler Roboter "gebaut" werden, der nur Pick and Place arbeiten durchführt.
Diese soll mobil sein, und soll mit einem Schukostecker (Vorgabe) angeschlossen werden.
Die Mobilität stellt sich so dar, dass es einen Roboter mit dem Schaltschrank und dem Sicherheitslichtvorhang und Not-Aus gibt. Diese Einheit ist mobil und kann in verschiedene Roboterzellen eingebaut werden. Die Einbausituation ist immer gleich, nur die Bewegungsabläufe sind unterschiedlich, daher auch verschiedene Zellen.
Da diese "Automatisierung" mittels Roboter nur temporär genutzt wird, soll aus Kostengründen nur ein Roboter angeschafft werden.
Ich wurde gebeten mir gedanken über die Beschaffenheit des Schaltschrankes zu machen.
Hier bin ich auf die Problematik gestoßen, dass der Schuko-Stecker nicht verpolungssicher ist. Die Sicherung vor dem Steuerspannungstransformator
ist quasi zwischen dem Schukostecker und dem genannten Trafo.

Bin ich richtig mit meinen Gedanken davor, des der L1 und der N gleichzeitig, durch die Sicherung auf der Primärseite des Trafos, zu unterbrechen sind im Fehlerfall?
Wenn ja stellt sich mir auf Grund dessen, dass ich in der Thematik nicht Sattelfest bin die Frage kann ich dies z.B. mit diesem Betriebsmittel ( Hager NBN510 Leitungsschutzschalter 1P+N) sicherstellen?

vielen Dank im Voraus für eure Tipps

Elo-Ocho
Null-Leiter
Beiträge: 606
Registriert: Mittwoch 16. Juli 2014, 14:27
Wohnort: Münsterland

Re: Roboterzelle absichern mit Schukozuleitung

Beitrag von Elo-Ocho » Dienstag 5. Juni 2018, 13:51

Hallo Alias,

bist Du Elektromeister?

Mit dem von Dir zur Verfügung gestellten Wissen würde ich einen kleinen Motorschutz- oder Leistungsschalter in die Tür der Schaltkiste einbauen, mit rot/gelber Betätigung von Außen. Die können je nach Typ auch Anlagen- und Leistungsschutz.

Schau Dir doch mal die VDE-Schriftenreihe Heft 26 (Elektrische Ausrüstung von Maschinen) an, da steht einiges dazu drin.
Immer wenn ich Langweile habe, dann melde ich mich in einem Eltern-Forum an und Frage, wie weit man den Schimmel im Pausenbrot der Kinder wegschneiden sollte...

Alias
Null-Leiter
Beiträge: 10
Registriert: Donnerstag 26. Oktober 2017, 09:10

Re: Roboterzelle absichern mit Schukozuleitung

Beitrag von Alias » Dienstag 5. Juni 2018, 14:05

Moin Elo-Ocho,

Elektromeister bin ich noch nicht ganz, aber auf dem Weg (das Fachgespräch fehlt noch).
Hat sich aus dem Mechatronischen ergeben mich dahingehend weiterzubilden.

Deine Tipps finde ich gut, dennoch würde ich auch gerne wissen ob meine Gedanken fern der Realität sind oder ob die Gedanken ansatzweise richtig waren.
VDE-Zugang habe ich noch nicht, aber der Betrieb wird dort über kurz oder lang nicht drum rum kommen, sowie um die entsprechende Organisation.
Final wird es eh umgesetzt mit einen entsprechenden lizensierten Betrieb. Aber ich würde gerne etwas vorarbeiten damit ich in diese Thematik einfach mein Wissen erweitern kann. Zudem hoffe ich hier im Forum auf breit gefächerte Meinungen. Bei unserem ausführenden Elektrobetrieb bekomme ich nur eine. So kann ich mir wenigstens meine eigene Meinung bilden und dementsprechend nachlesen.
Der Tipp mit der VDE ist gut, so habe ich auch gleich noch ein Argument die Reihe vorher zu beschaffen.

IH-Elektriker
Null-Leiter
Beiträge: 1251
Registriert: Mittwoch 9. Januar 2013, 11:18

Re: Roboterzelle absichern mit Schukozuleitung

Beitrag von IH-Elektriker » Dienstag 5. Juni 2018, 15:59

Bei Industrierobotern ist auf jeden Fall die DIN EN ISO10218-1 /-2 zu beachten, wobei bei Verwendung eines handelsüblichen Industrieroboters davon ausgegangen werden kann das die DIN EN ISO 10218-1 erfüllt wird. Trotzdem ist als C-Norm die DIN EN ISO10218-2 anzuwenden hinsichtlich Integration des Roboters in eine Maschine bzw. Anlage. In dieser DIN EN ISO 10218-2 wird unter Punkt 5.3.4 gefordert das die elektrische Versorgung nach EN60204-1 zu erfolgen hat.

Somit muss die Energieversorgung über einen Schukostecker da nicht „Verpolungssicher“ (es ist nicht festgelegt wo Phase und N liegen) zweipolig abgesichert werden. Zudem muss eine Netztrenneinrichtung vorhanden sein – normal könnte dies rein nach EN60204-1 auch der Schukostecker sein – die EN10218-2 schreibt hier aber was von einem Schalter der in Aus-Stellung abschließbar ist. Insofern würde ich bei einem Roboter auf jeden Fall einen entsprechenden Schalter verwenden welcher sich in der Aus-Stellung abschließen lässt.

Ich sehe bei so einem „Wechsel-Roboter“ viel eher das Problem das dieser immer entsprechend in die Sicherheitskreise der Anlage entsprechend der Anforderungen der C-Norm eingebunden werden muss – Stichwort NOT-HALT, Stichwort Absicherung des Zutritts zu den einzelnen „Zellen“ bzw. Absicherung des Arbeitstraumes durch trennende Schutzeinrichtungen und ggf. nichttrennende Schutzeinrichtungen bzw. die Überbrückung dieser wenn die entspr. Maschine bzw. Station ohne Roboter als Handarbeitsplatz verwendet wird.

Mein Tipp daher: nicht nur die elektrotechnische Seite beachten, sondern viel mehr Augenmerk auf die entsprechende Anwendung der EN12100 und einer sauberen Risikoanalyse sowie eben entsprechender Sicherheitsnormen achten. Das ist definitiv nichts als Projekt für einen Anfänger, nicht zu Unrecht werden Roboter neben beispielsweise Pressen als mit eine der gefährlichsten Dinge im industriellen Umfeld angesehen – und wer schon mal miterlebt hat wie ein kleiner fummeliger Scara-Roboter dank einer Fehlprogrammierung bzw. Fehlfunktion in einer Anlage massive Aluminiumprofile und 12mm Rundstahl zu „Schleifen“ gebogen hat weil er volle Pulle in die Mechanik gecrasht ist weiß warum dem so ist (durfte ich schon mal erleben, dank (m)einer Fehlprogrammierung – der Robbi konnte gerade mal 500g anheben und hat trotzdem richtig viel Schaden angerichtet – ein menschlicher Arm wäre da mehrfach gebrochen gewesen)

Übrigens ist das genannte Buch aus der VDE-Schriftenreihe ein guter Einstieg in das Thema der elektrischen Sicherheit an Maschinen – für eine sichere Maschine gehört aber noch viel mehr dazu. Gerne wird aber die „Sicherheit“ auf die Elektrik abgewälzt – gerade erst letzte Woche wieder erlebt wo die nötigen mechanischen Abstände für ein Lichtgitter in der Mechanik dann Probleme bereitet haben weil schlicht der Platz fehlte….

Alias
Null-Leiter
Beiträge: 10
Registriert: Donnerstag 26. Oktober 2017, 09:10

Re: Roboterzelle absichern mit Schukozuleitung

Beitrag von Alias » Mittwoch 6. Juni 2018, 07:20

vielen Dank IH-Elektriker,
für die ausführlichen Informationen, diese sind ebenfalls sehr hilfreich für mich.
Für mich als Anfänger ist sicher die komplette Abarbeitung nicht zu stämmen,
was CE-Kennzeichnung und Maschinensicherheit angeht, habe ich hier aus dem
metallischen Bereich einen kompetenten Kollegen der dieses abarbeitet.
Da diese Geschichte nun eines der ersten "Projekte" ist, bei dem ich mal von Anfang
an dazugeholt wurde, möchte ich schon gerne umfangreiche Infomationen für mich
einholen. Dafür ist dieses Forum einfach super, auch wenn ich vermutlich zunächst nur
"Sauger" sein kann bevor ich selber bei einzelnen Themen auch Wissen liefern kann.
Für den Einzelnen noch zur Info, der Roboter ist ein wirglich kleines Gerät, er hat "nur"
Schneckengetriebe in der Antrriebsübersetzung.
Die Gewindegänge der Schnecke werden eher brechen als ein Arm.[nur so am Rande] ;-)

IH-Elektriker
Null-Leiter
Beiträge: 1251
Registriert: Mittwoch 9. Januar 2013, 11:18

Re: Roboterzelle absichern mit Schukozuleitung

Beitrag von IH-Elektriker » Donnerstag 7. Juni 2018, 09:27

Alias hat geschrieben:
Mittwoch 6. Juni 2018, 07:20
Für den Einzelnen noch zur Info, der Roboter ist ein wirglich kleines Gerät, er hat "nur"
Schneckengetriebe in der Antrriebsübersetzung.
Die Gewindegänge der Schnecke werden eher brechen als ein Arm.[nur so am Rande] ;-)
Tja, mit genau "so" was popeligem an Roboter - kleine Winz-Zahnrädchen, Antrieb über 3mm breite Zahnriemchen und sowas, vond er Optik her lächerliche Popelmechanik die mehr nach Fischertechnik oder Metallbaukasten aussah wie nach richtigem "Roboter" habe ich einen satten Crash gebaut der so richtig "in die Vollen" ging - u.a. Aluminiumprofil 20x20mm verbogen, Schrauben M6 glatt abgerissen und sowas...sah aus als wie wenn jemand die Maschine mit nem Vorschlaghammer traktiert hätte :D

Man glaubt nicht was da für ne Wucht dahinter steckt wenn ein Roboter mit voller Arbeitsgeschwindigkeit gegen ein Hindernis fährt....

Übrigens, nach "meinem" Crash war nicht nur die Maschine reif für eine Überarbeitung, auch der Roboter hat damals den Crash nicht ohne Schäden überlebt. Der war danach auch leicht lädiert, Achsen neu justieren und so war angesagt ;)

Seitdem möchte ich nicht wissen zu was so ein netter oranger Geselle so wie er z.b. im Karosseriebau in der Autoindustrie eingesetzt wird alles anrichten kann wenn der mal "Amok" läuft....das fetzt dann so richtig !

Alias
Null-Leiter
Beiträge: 10
Registriert: Donnerstag 26. Oktober 2017, 09:10

Re: Roboterzelle absichern mit Schukozuleitung

Beitrag von Alias » Donnerstag 7. Juni 2018, 12:01

Die größeren Kollegen kenne ich aus meine Vergangenheit. In der Firma wurden die zum Pallettieren von Zeitschriften benutzt.
Ein Roboter (Höhe ca. 2m) von der Packstation ist auf Grund eines Programmierfehlers des Bedieners mal richtig durchgegangen.
Die Stahlgittereinhausung war danach nur noch moderne Kunst.

Den kleinen hier, muss ich nach deinen Ausführungen nun wohl auch mit mehr Respekt behandeln.

Jörgi-1911
Null-Leiter
Beiträge: 802
Registriert: Mittwoch 25. Januar 2012, 21:31

Re: Roboterzelle absichern mit Schukozuleitung

Beitrag von Jörgi-1911 » Donnerstag 7. Juni 2018, 22:47

Alias hat geschrieben:
Donnerstag 7. Juni 2018, 12:01
Den kleinen hier, muss ich nach deinen Ausführungen nun wohl auch mit mehr Respekt behandeln.
Geh doch mal auf einen Modellflugplatz und frag einen Heli-Piloten ob Du mal einen Finger
auf die Taumelscheibe legen darfst, während er eine Vorflugkontrolle macht. Ich weiß
jetzt schon, das dem Heli nix passiert. Er wird seine Bewegung durchführen, ob Deine Flosse
da liegt oder nicht.

Antworten