Brand in Unterverteiler bei Bedienung

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Funker
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Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von Funker » Sonntag 31. Dezember 2017, 12:44

Bevor die Elektrobrände durch Silversterfeuerwerk kurzzeitig die Oberhand gewinnen möchte ich einmal auf eine aktuelles in meiner Nähe ereignetes
Brandereignis verweisen, mit Bildern im Link.

http://www.sz-online.de/nachrichten/feu ... 48543.html

Textauszug :

"Dresden. Am Donnerstagabend brannte es um kurz nach 20 Uhr in einem Fahrrad-Geschäft an der Dohnaer Straße. Als ein 40-jähriger Mitarbeiter den Hauptschalter am Sicherungskasten betätigte, um das Licht im Laden zu löschen, erlitt er einen Stromschlag und der Sicherungskasten ging in Rauch auf. ...
Kriminaltechniker untersuchten am Freitagvormittag den Brandort und gehen bisher von einem technischen Defekt aus als Ursache für den Stromschlag samt Brand."


Unabhängig von der auslösenden Ursache würde ich einmal nach dem was man auf dem Bild erkennen kann vermuten.

Hauptursachen :

Nichteinhaltung von VDE 0100-100 Punkt 34, durch sparsames Bauen.
Der Verteiler ist für das was drin ist mindestens um die Hälfte zu klein.
Abgänge und Zuleitung nicht prüfgerecht zugänglich installiert, untereinander Überbaut und daher auch immer ein Problem für die Erwärmung als auch für die Brandausbreitung, aber die Hersteller und Kunden wollen das offensichtlich so und die Normung gibt das nicht vor.

Auslösend vermutlich ständiges Ausschalten der gesamten Last mit dem Hauptschalter der UV im Sinne eines Bereichshauptschalters
(Fahrradladen) ohne vorherige Teillastabschaltungen, und oder Klemmen Lockerung am Hautpschalter.

Nicht hinreichende Prüffristen.

Da ich den Fotografen von der Feuerwehr kenne, werde ich einmal nächste Woche versuchen zu erfragen, ob er noch mehr weiß.
Auch zu den betreffenden Kriminaltechnikern habe ich guten Kontakt, vielleicht erzählen die auch einmal mehr.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr,

Olaf S-H
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Re: Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von Olaf S-H » Sonntag 31. Dezember 2017, 13:14

Funker hat geschrieben:
Sonntag 31. Dezember 2017, 12:44
... Mitarbeiter den Hauptschalter am Sicherungskasten betätigte, um das Licht im Laden zu löschen, erlitt er einen Stromschlag ...
Moin Funker,

dann scheint aber an der elektrischen Anlage einiges im Argen gewesen zu sein.

Gruß Olaf
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Wulff
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Re: Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von Wulff » Sonntag 31. Dezember 2017, 14:09

Na, da interpretiert ihr anhand des unscharfen Fotos aber ziemlich viel rein.

Interessant wäre in detailreicheres Foto...

ego11
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Re: Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von ego11 » Sonntag 31. Dezember 2017, 14:12

Am wahrscheinlichsten erscheint mir ein mechanicher defekt im Hauptschalter, welcher dann einen unvollständigen Kurzuschluß mit dem gezeigtem Schadensbild auslöste. Auch wird es nicht zu einer "elektrifizierung" des Schaltenden gekommen sein, sondern wohl eher zu verbrennungen durch den Lichtbogen.

Ansonsten sieht die Anlage eigentlich recht neu aus?

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Elt-Onkel
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Re: Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von Elt-Onkel » Sonntag 31. Dezember 2017, 15:02

Hallo,

bei uns im Lebensmitteleinzelhandel hat die HV auch nur 14 Jahre gehalten.

...
Kaufladen.jpg

EBC41
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Re: Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von EBC41 » Sonntag 31. Dezember 2017, 22:56

Bei einem Sicherheitsseminar vom TÜV, hatte der Referent mal erzählt, er würde bei Anlagenprüfungen nie selbst die Prüftaste der RCDs drücken, sondern das lieber vom Anlagenbetreiber bzw. seinem Vertreter machen lassen, da er selbst mal so einen Fall erlebt hat, dass es den FI explosionsartig zerlegt hat.

Die Ursache hat er nicht näher erklärt. Ich könnte mir vorstellen, dass der Prüfwiderstand, der ja nicht für Dauerbetrieb ausgelegt ist, im Falle des Nichtauslösens total überlastet wird, verkohlt, und sich dann ein massiver Lichtbogen entwickelt, der den RCD augenblicklich sprengt. Die Zuleitungen zu diesem Widerstand, inclusive der Leiterschleife durch den Kernring und dem Tastschalter bestehen doch nur aus 0,5 mm Klingeldraht?

Funker
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Re: Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von Funker » Dienstag 2. Januar 2018, 00:12

Mit den RCD schweifen wir schon etwas ab.
Das war damals 2006 und ff eine Folge Typen F374 e.t.c. .
Aus der Zeit kenne ich auch solche Themen.

Mit dem Lichtbogen, daß sehe ich auch so, Zeitungschreiber und Bedienerzeugen verwenden meist falsche Begriffe.

Der mechanische Fehler am HS muß ja seine Ursachen haben.
Das kann dann schon Kontaktabbrand sein. Dessen Ursache wäre dann das tägliche Schalten induktiver Lasten oder kapazitiver Lasten.

Durch den gedrängten Verteileraufbau wird dann die Ausbreitung des Lichtbogens in der UV begünstigt.

El Taco
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Re: Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von El Taco » Dienstag 2. Januar 2018, 01:34

Ich könnte mir vorstellen, dass der Prüfwiderstand, der ja nicht für Dauerbetrieb ausgelegt ist, im Falle des Nichtauslösens total überlastet wird, verkohlt, und sich dann ein massiver Lichtbogen entwickelt, der den RCD augenblicklich sprengt. Die Zuleitungen zu diesem Widerstand, inclusive der Leiterschleife durch den Kernring und dem Tastschalter bestehen doch nur aus 0,5 mm Klingeldraht?
Interssant...

Meine erste Reaktion war "So ein Blödsinn!". Zumal ich schon bei einigen defekten FIs die Testtaste sehr exzessiv gedrückt hielt und da noch nie was passiert ist.

Dann habe ich aber mal nachgerechnet: P=U*I=230 Veff*0,030 Aeff=6.9 W. Das ist schon was. Widerstände mit so einer Belastbarkeit sind schon etwas größer. Könnte also sein, dass die Prüfwiderstände nicht auf Dauerbelastung ausgelegt sind. Weiß da jemand was? Herstellervorgaben gemäß "maximal für 5 Sekunden drücken" sind mir auf jeden Fall nicht bekannt.


Gruß,
El Taco

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Re: Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von Funker » Dienstag 2. Januar 2018, 11:37

Ich wollte bei den Prophezeihungen nur einmal zum Denken am praktischen Beispiel anregen, was so alles passieren kann.

Praktisch erlebt habe ich schon folgendes bei Wiederholungsprüfungen von Kunden.

- flexibler Leiteranschluß ca. 16 qmm oder 25 qmm an NH 00 intern in UV zwar mit Kabelschuh ausgestattet, aber nicht gepreßt,
beim vorsichtigen Berühren mit Schraubendreher fällt die Leitung heraus, glücklicherweise die abgehende Leitung
angeschlossen die UV Werkstatt

- Leiteranschluß am Hauptschalter unten, Klemme auf Isolierung angedrückt und nicht auf Leiter, durch Erwärmung Lockerung und siehe oben
angeschlossen war die Buchaltung

- Leiteranschluß in N Klemme an vierpoligem RCD war festgezogen, N steckte hinter der Klemme zwischen Klemme und Gehäuse

Zuerst und unter Schwachlast funktioniert das offensichtlich alles hervorragend bis zum entscheidenden Punkt.

Hinsichtlich der Abschaltung induktiver Lasten gibt es ja ca. aus 2000 ein paar Untersuchungen von DEHN.
Mir ist da vor ein paar Jahren auch gelungen nur durch das Auslösen von RCD das Netzteil einer 10 Jahren alten Telefonanlage
abzuschießen. Bei schwachen Steckernetzteilen kommt so etwas öfter vor.

Daher sind die alten Forderungen der VDE 0100 - 100 Punkt 34 nach einem zugänglichen strukturierten Aufbau von Verteilern
auch hinsichtlich innerer Leitungsführung gepaart mit aktuellen Anforderungen an SPD so schlecht nicht.
Praktisch spielt daß leider auch heue noch nur zu gering eine Rolle.
Der Krug geht eben solange zu Wasser, bis er bricht.

meisterglücklich
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Re: Brand in Unterverteiler bei Bedienung

Beitrag von meisterglücklich » Mittwoch 3. Januar 2018, 13:15

Funker hat geschrieben:
Dienstag 2. Januar 2018, 11:37
...
Mir ist da vor ein paar Jahren auch gelungen nur durch das Auslösen von RCD das Netzteil einer 10 Jahren alten Telefonanlage
abzuschießen. Bei schwachen Steckernetzteilen kommt so etwas öfter vor.

Daher sind die alten Forderungen der VDE 0100 - 100 Punkt 34 nach einem zugänglichen strukturierten Aufbau von Verteilern
auch hinsichtlich innerer Leitungsführung gepaart mit aktuellen Anforderungen an SPD so schlecht nicht.
...
Auch gealterte Kondensatoren können für eine Nichtanschwingen von Netzteilen (oder Spannungsversorgungen hinter Wickeltrafo) nach Spannungswiederkehr verantwortlich sein.

Auch ein stufenweises Abschalten einer Anlage kann zu seiner "Schonung" beitragen, bevor ich einen Hausanschluß spannungslos mache, versuche ich auch zuvor möglichst viel Last anderweitig rauszunehmen.

Der Unfallhergang (der Brand dürfte wohl eine Folge dessen sein) läßt durchaus auf Bauteilversagen/Verschleiß oder Installationsfehler (schlechter Kontakt, lose Klemmstelle) schließen, es kann auch nicht ausgeschlossen werden, daß man über den Lichtbogen "eine gepfeffert kriegt".

Ob der "Hauptschalter" für seine Aufgabe geeignet war, wäre dann noch zu ermitteln.

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