lokales TT

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SPS
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lokales TT

Beitrag von SPS » Donnerstag 23. November 2017, 18:58

Hallo zusammen,
in anderen Foren wird gelegentlich vorgeschlagen ein lokales TT zu errichten.
Wenn also im Geräteschuppen nur 2 Ader ankommen, ein Erder einschlagen und lokales TT zu errichten.

Jetzt lese im bei der Fachzeitschrift de auf der Seite im Beitrag Festlegung der Netzform folgendes
Die Wahl der Netzform ist Sache des Versorgungsnetzbetreibers
http://www.elektro.net/praxisprobleme/f ... -netzform/

Ist dann für die Lösung "lokales TT" im TN System immer beim VNB Anzufragen

------

Edit: Schreibfehler berichtigt.

Olaf S-H
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Re: lokales TT

Beitrag von Olaf S-H » Donnerstag 23. November 2017, 21:20

Moin SPS,

lokales TT ist bei TN technisch möglich.

In "meiner" TAB steht:
12 Auswahl von Schutzmaßnahmen
(1) Die Niederspannungsnetze der Netzbetreiber werden grundsätzlich als TN- oder TT-Systeme betrieben. Der Netzbetreiber erteilt Auskunft über das vorhandene Netzsystem
Danach wird nur angegeben, wie der HAK ausgeführt ist. Mehr nicht.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden.
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Für elektrotechnische Laien gilt: Dieser Beitrag erläutert die technischen Zusammenhänge. Die Umsetzung obliegt den konzessionierten Fachbetrieben (§13(2)NAV).

"Wer eine Handlung begeht, der übernimmt auch alle daraus folgende Pflichten." §33 I-3 prALR 1794

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SPS
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Re: lokales TT

Beitrag von SPS » Freitag 24. November 2017, 18:28

Hallo Olaf dank1, für die Antwort
Olaf S-H hat geschrieben:
Donnerstag 23. November 2017, 21:20
Der Netzbetreiber erteilt Auskunft über das vorhandene Netzsystem

Ich lese es so, das ich über die Netzform nicht entscheiden kann,sondern nur der VNB

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Strippe-HH
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Re: lokales TT

Beitrag von Strippe-HH » Freitag 24. November 2017, 19:10

SPS hat geschrieben:
Donnerstag 23. November 2017, 18:58

in anderen Foren wird gelegentlich vorgeschlagen ein lokales TT zu errichten.
Wenn also im Geräteschuppen nur 2 Ader ankommen, ein Erder einschlagen und lokales TT zu errichten.
Nun frage ich mich so in stillen, was hat der VNB damit zu tun, wenn jemand in seinen Geräteschuppen ein lokales TT errichtet nur weil ihn für den PE der dritte Draht fehlt?

Olaf S-H
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Re: lokales TT

Beitrag von Olaf S-H » Freitag 24. November 2017, 22:36

Moin SPS,

ich lese da nur, dass der VNB die Auskunft erteilt, was m HAK ankommt.

Gruß Olaf
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Trumbaschl
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Re: lokales TT

Beitrag von Trumbaschl » Dienstag 28. November 2017, 13:26

Wenn der VNB die Auskunft "TT" erteilt, darfst du naheliegenderweise die Kundenanlage nicht als TN ausführen. Umgekehrt geht in Deutschland, sofern nicht in den TAB etwas wie "Die Kundenanlage ist als TN-C-S auszuführen" steht. In Österreich geht mit ganz wenigen Ausnahmen nur TN-C-S mit PEN-Aufteilung am Hausanschluss, das besagt die Nullungsverordnung 1998. Die Ausnahmen beziehen sich ausschließlich auf Netzausläufer mit extremer Impedanz und Einflussbereiche der Erder anderer Stromsysteme (Wechselspannung abweichender Frequenz, Gleichspannung, also hauptsächlich Bahnanlagen).

waaglein
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Re: lokales TT

Beitrag von waaglein » Dienstag 28. November 2017, 23:03

Strippe-HH hat geschrieben:
Freitag 24. November 2017, 19:10
SPS hat geschrieben:
Donnerstag 23. November 2017, 18:58

in anderen Foren wird gelegentlich vorgeschlagen ein lokales TT zu errichten.
Wenn also im Geräteschuppen nur 2 Ader ankommen, ein Erder einschlagen und lokales TT zu errichten.
Nun frage ich mich so in stillen, was hat der VNB damit zu tun, wenn jemand in seinen Geräteschuppen ein lokales TT errichtet nur weil ihn für den PE der dritte Draht fehlt?
Hm.... wenn es ein eigenständiges gesamtes Gebäude mit Potentialausgleich ist, mag es wohl gehen.... Wenn es aber sagen wir mal in einem Gebäude ein Gebäudeteil ist, wo man einen fehlenden Schutzleiter mit einem Erdspieß ersetzen will, sehe ich das Problem das auch der Schutzleiter des Gebäudeteils mit Erdspieß in den Hauptpotentialausgleich einbezogen sein muß. Und wenn ich dann diese Leitung legen müßte, kann ich gleich den Schutzleiter nachziehen.


Übrigens gibt es in der Tat Netzbetreiber die das TN Netz verbindlich vorschreiben, weil sie einfach wollen das ihr PEN so oft wie möglich geerdet ist. Die erhoffen sich einfach durch möglichst viele Fundamenterder auch eine Verbesserung ihres Netzes, obwohl sie eigentlich selber für den nötigen Érdungswiderstand sorgen müssen.

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SPS
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Re: lokales TT

Beitrag von SPS » Mittwoch 29. November 2017, 00:12

Also bist du der Meinung das der neue Erder in den Schutzpotentialausgleich vom Hauptgebäude eingebunden werden muss.
Somit ergibt sich ein TN System wieder über diese Verbindung.
Wenn in dem Nebengebäude keine Rohrleitungen sind, kann das dann ohne diese Erdverbindung gehen?

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Re: lokales TT

Beitrag von EBC41 » Donnerstag 30. November 2017, 00:01

Eigentlich wäre so ein lokales Insel - TT-Netz mit eigener Erdung bei verlässlichem RCD eine ziemlich sichere Sache.

Gefährlich könnte es werden, wenn im Fehlerfall durch irgendwelche Antennen-, Netzwerk- oder sonstige Leitungen Spannungen hierher verschleppt werden, die die lokale Erdung "hochziehen".

Beispiel:

Altbau ohne RCD, Sat-Spiegel auf Terrasse / Balkon, wie da meist üblich, ohne Erdung und PA. Ein Receiver ( Schutzklasse II ) im Altbau hätte Körperschluss. Das heisst, der Koaxschirm läge satt am L.

Im Gartenhaus (als lokales TT mit Staberder) steht ein Fernsehgerät mit Schutzklasse I, auch an dieser Sat-Schüssel angeschlossen.
Somit würde der lokale PE im Gartenhaus praktisch Aussenleiter-Potential annehmen.

Bei den mit Staberdern erzielbaren Erdungswiderständen würde nie die im Altbau vor dem defekten Receiver liegende Sicherung / LS-Schalter auslösen.

Besondern gefährlich, weil dann alles, was sonst noch rund ums Gartenhaus am lokalen PE hängt, unter Spannung steht. Meist Betriebsmittel im Freien, am Garten-Pool usw.

waaglein
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Re: lokales TT

Beitrag von waaglein » Donnerstag 30. November 2017, 18:56

Also ich kann es mir nur in einem eigenständigen Gebäude mit eigenen Potentialausgleich vorstellen, und auch nur dann wenn der Netzbetreiber es zulässt.
Begründung: In einem Gebäude wird ein Potentialausgleich gefordert, in dem alle leitfähigen Teile einschließlich Fundamenterder, Blitzschutz, Schirme, Rohre und was haste nicht gesehen einbezogen sein müssen und eben auch sämtliche Schutzleiter.
Die niederohmige Verbindungen ist bei der Inbetriebnahme eine der Prüfungen die nach VDE0100 Teil 600 durchzuführen sind.
In dem Moment wo du einen Raum oder einzelne Stromkreise über über einen eigenen Stromkreis versorgst durchbrichst du den durchgehenden Potentialausgleich. Ich stelle mir gerade vor ein Hobbyraum mit eigenen Erder. Eine Verlängerungsleitung welche in einen anderen Raum führt und dort angeschossen ein Gerät der Schutzklasse 1. In der Nähe ein Heizkörper.
Nun könnt ihr mich schlachten, ich würde das bei einer Wiederholungsprüfung als Mangel aufschreiben, weil ganz einfach kein durchgehender Potentialausgleich vorhanden ist.

Bei einem eigenständigen unabhängigen abgesetzen Gebäude mit eigen Potentialausgleich würde ich das anders sehen.

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