Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Hier geht es um neue Normen/Vorschriften und Änderungen
Funker
Null-Leiter
Beiträge: 1119
Registriert: Donnerstag 23. April 2015, 21:13

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von Funker » Donnerstag 14. Mai 2020, 15:05

Hallo SPS, dein Wunsch zur Anpassungsforderung in der Elektrotechnik in der Kanzlerin und der Bundestagsabgeordneten Gehörgang.
Das wird wegen dem Schutz des Eigentums, der Privatsphäre und "My home is my castel" nicht funktionieren.
Du kannst ja gern "fridays for electrical homesafty" organisieren, da geht sicher keiner hin.
Weiterhin brauchte das bei der derzeitigen Neubaurate von unter 1 % des Wohnungsbestandes 100 Jahre.
So viele Elektroinstallateure haben wir gar nicht die das bräuchte.
Aus dem Grunde habe sicher auch erst 40 % der Bäder einen RCD 30 mA und sicher nur 20 % der Wohnungen überhaupt.
Die Umschlagzahlen bei Elektrogeräten liegen dagegen bei ca. 10 Jahren.
Alles schon oft und breit diskutiert.
Wer also wirklich schnell mehr Sicherheit, weniger Tote und weniger Brände will muß zusätzlich zu neuen modernen Anlagen
mit 100 Jahren Umstzungszeit auf die zusätzliche Sicherheit im Produkt setzen,
die ohne zusätzlich notwendige Elektroinstallateure nur durch Neukauf sofort
funktioniert und das auch bei jedem nicht vorhergesehen Einsatz durch tolpatschige Laien.
Du mußt das Elektrikerdenken alles in der Anlage abzusichern wollen verlassen.

Funker
Null-Leiter
Beiträge: 1119
Registriert: Donnerstag 23. April 2015, 21:13

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von Funker » Donnerstag 14. Mai 2020, 15:27

Beispiel für andere großzügigere Denkweise
Der RCD ist wie der Airbag beim Auto - der vermeidet keine Verletzungen aber rettet Leben.
Mein Schwiegersohn hatte im letzten Jahr so einen Vollcrash mit ca. 50 kmh,
Airbag ausgelöst - Brustbein angebrochen, wohl mit Schmerzen aber überlebt.
Mit dem RCD ist das ähnlich üblicherweise soll der schalten "bevor" der elektrische Schlag möglich ist.
Bei unsachgemäßem Gebrauch der BM durch Laien, dann "bei" elektrischem Schlag, bzw. früher direktes Berühren,
tritt zwar unter Umständen eine Durchströmung ein und tut weh, durch kleinen Idn und kleine Abschaltzeiten
wird aber das Leben gerettet. Mehr ist nicht das Ziel.

froebel88
Null-Leiter
Beiträge: 175
Registriert: Samstag 26. Januar 2019, 11:57

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von froebel88 » Freitag 15. Mai 2020, 19:38

Ich weiß, niemand mag Klugscheißer. Aber der FI begrenzt nicht den Idn, das tut nur der Körperwiderstand. Der FI begrenzt nur die Einwirkdauer. (Genauso wie eine Sicherung nicht den Kurzschlussstrom begrenzt)

Funker
Null-Leiter
Beiträge: 1119
Registriert: Donnerstag 23. April 2015, 21:13

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von Funker » Freitag 15. Mai 2020, 21:17

Hallo Froebel88,

das mit dem Idn ist bekannt.
Der Unterschied, nach VDE 0140, VDE 0100-410 wird bei der Schutzmaßnahme "vor" elektrischem Schlag immer von eine nahezu widerstandslosen
Erdschluß oder PE Kurzschluß ausgegangen.
Bei Einwirkung von Wasser beim Haartrockner und anderen Geräte in feuchter Umgebung oder auch beim teilweisen Isolationsversagen ist das nicht der Fall.
Daher verlangt die VDE 0100 -710 auch die Prüfung von RCD mit 1x idn im Gegensatz zur VDE 0105 - 100 mit 5 x idn.
Wenn der Fehlerstrom durch nur teilweise Erdung oder teilweisen Isolationsfehler zusammen mit dem Körperwiderstand des Menschen
gerade einmal z.B. die 20 mA erreicht, kann es sein, daß ein RCD 30 mA eben dann dauerhaft noch nicht auslöst, er muß ja erst bei 30 mA auslösen.
Auf die Dauer gesehen kommt man dann eben doch in den roten Bereich und zu Körperschaden.
Muskelkontraktionen sind da schon möglich.
Es gibt einige Fälle wo es trotz 30 mA RCD zum Todesfall kam.
Ein 10 mA RCD würde dann ausschalten.
Ähnlich ist das mit dem teilweisen Isolationsversagen hinsichtlich Bränden zu sehen. Ein AFDD wirkt nach Norm erst ab 2,5 A, wenngleich einige
Hersteller da schon besser sind, wohl um 1,5 A.
Ein RCD mit geringem Idn würde aus Gründen des Brandschutzes eher reagieren bevor es offen brennt.

Ein RCD oder LS in der Verteilung ist so ausgelegt, daß er bei mehren Verbrauchern im Stromkreis normal arbeitet.
Bei einer zusätzlichen Verlagerung der Sicherheit auf den Stecker des Produktes, kann ich sowohl idn als auch In soweit
herunterschrauben wie das zum Betrieb des Produktes gerade erforderlich ist und damit die Sicherheit erheblich verbessern z.B. auch auf unter
10 mA.

Man sollte da durchaus noch einmal nachdenken, bevor man alles neue schlecht macht.

Den Nachweis das das so ist liefert die amerikanische Unfallstatistik zu privaten Elektrounfällen, zu Haartrockern, zu Bränden im privaten Bereich durch elektrische Geräte u.s.w. . Man muß nur "Googeln" und einmal im Original lesen. Die Statistik der Österreicher liefert ähnliche Erkenntnisse.

Benutzeravatar
SPS
Beiträge: 4302
Registriert: Freitag 16. Juli 2004, 20:27
Kontaktdaten:

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von SPS » Freitag 15. Mai 2020, 21:47

dank1 Funker für den Hinweis auf die 0100-710 und einfachen Prüfstrom.
Das war mir nicht Bekannt.
Diese Norm ist doch für "Medizinisch genutzte Bereiche" und nicht für das Bad?
Mit freundlichem Gruß sps

Funker
Null-Leiter
Beiträge: 1119
Registriert: Donnerstag 23. April 2015, 21:13

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von Funker » Freitag 15. Mai 2020, 22:18

Das Bad ist ja laut Definition grundsätzlich ein trockener Raum, wo in den feuchten Bereichen,
sprich gefüllte Wanne dann normale Elektrogeräte nicht vorgesehen sind.
Mit medizinischen Geräten am Körper angeschlossen sind die Widerstände dann aber im feuchten Umgebungsbereich im Inneren des Menschen.
Daher gibt es dort dann auch kleinere zugelassen dauerhafte Berührungsspannungen.
Manchmal sind die Vorgaben eben nicht so richtig widerspruchsfrei.

E-Jens
Null-Leiter
Beiträge: 244
Registriert: Freitag 16. Dezember 2016, 21:37
Wohnort: im Norden

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von E-Jens » Samstag 16. Mai 2020, 12:07

Hallo,
ich dachte, es gibt kaum Tote und Verletzte durch elektrischen Strom in Deutschland. Aber doch zu viele durch den Haartrockner. verd1
Gruß Jens

elo22
Null-Leiter
Beiträge: 627
Registriert: Sonntag 3. Oktober 2004, 05:05
Kontaktdaten:

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von elo22 » Sonntag 17. Mai 2020, 10:15

Funker hat geschrieben:
Donnerstag 14. Mai 2020, 08:38
Fließt ein Teilstrom durch die Person gegen Erde ab, z.B. über das Auslaßventil
Da frage ich mich wie der Strom da fliesst bei meiner Acrylwanne und dem generell nicht mehr vorhandenen Schutzpotenzialausgleich…
Duck und weg

Lutz

Funker
Null-Leiter
Beiträge: 1119
Registriert: Donnerstag 23. April 2015, 21:13

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von Funker » Sonntag 17. Mai 2020, 10:40

1. Nicht jeder hat eine Acrylwanne. Es gibt mehr alte Haushalte als mancher denkt.
2. Bei ordentlich gefüllter Wanne mit Badezusatz, z.B. Salz oder Seifenlösung und gezogenem Ablaufstöpsel ergibt sich im Verlauf der
Abflußleitung sicher doch ein leitfähiger Weg.

Im Gutachten des SuF des VDE vom 15.02.2019 ist folgende Einschätzung zu finden

https://www.vde.com/de/suf/todesfall-kassel-2013

Der metallene Wannenabfluss und der Überlauf sind nicht in den Potenzialausgleich eingebunden. Am 11.11.2013 wurde RE > 300 MΩ gemessen. In einer Steckerposition des Haarschneiders erfolgte eine Abschaltung des RCD, so dass am 10.11.2013 Ab-leitströme über feuchte Innenseiten der Abflussrohre oder über den Dichtgummi geflossen sein dürften [3].

3. Es gibt auch Spielereien im Bad, Wirlpool u.ä. wo trotz geforderter Schutzkleinspannung aber durchaus fremdes leitfähiges PE Potential in die
Badewanne kommt.

Funker
Null-Leiter
Beiträge: 1119
Registriert: Donnerstag 23. April 2015, 21:13

Re: Haartrockner neue staatliche Vorgabe

Beitrag von Funker » Freitag 5. Juni 2020, 17:55

Das zuständige Gremium der DKE will sich Anfang September 2020 einmal damit befassen.

Antworten