Verlautbarung zu DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2016-02

Hier geht es um neue Normen/Vorschriften und Änderungen
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didy
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Beitrag von didy » Samstag 6. August 2016, 16:21

Lightyear hat geschrieben:Mir wurde gesagt, dass z.B. ein Raum in einem ausgebauten Dachgeschoß eines Wohnhauses, welches über einen hölzernen Dachstuhl verfügt, unbedingt mit einem AFDD geschützt werden muss, da die Norm die Installation auch in Räumen aus brennbaren Baustoffen fordert...
Dann steht in der Norm also noch deutlich mehr drin als in der Verlautbarung. Weil da ist ja nur von besonders schützenswerten und unwiderbringlichen Gütern wie Archiven und Baudenkmälern die Rede.

IH-Elektriker
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Beitrag von IH-Elektriker » Sonntag 7. August 2016, 10:15

didy hat geschrieben:Dann steht in der Norm also noch deutlich mehr drin als in der Verlautbarung. Weil da ist ja nur von besonders schützenswerten und unwiderbringlichen Gütern wie Archiven und Baudenkmälern die Rede.
Sicherlich steht da mehr drin. Frei aus dem Kopf, stark vereinfacht (habe gerade keinen Zugriff auf den Normtext):

AFDDs müssen verwendet werden bei:

- Verarbeitung und Lagerung von brennbaren Materialien
- brennbaren Baumaterialen
- barrierefreien Wohnungen
- Alten-/Pflegeheime
- Güter von großem Wert (u.a. auch Museen, Archive, Baudenkmäler)

AFDDs sollten verwendet werden:

- Schlafräume (auch private)


Mehr fällt mir dazu auf die Schnelle nicht ein. Aber man fidnet fast immer einen Grund einen AFDD zu verwenden ;)

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Tobi P.
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Beitrag von Tobi P. » Sonntag 7. August 2016, 12:31

Moin,

[quote="IH-Elektriker"]Aber man fidnet fast immer einen Grund einen AFDD zu verwenden ]

vor allem wenn man für den Hersteller arbeitet. Jedesmal wenn ich mich mit irgendeiner technischen Frage dort melde lautet jeder zweite Satz "Kennen Sie eigentlich schon unsere neuen Brandschutzschalter? Die sind ja jetzt Pflicht!" Wie mir das mittlerweile auf die Nerven geht ist unbeschreiblich furios1


Gruß Tobi
Gründer und 1. Vorsitzender des "Vereins der Freunde des 175kVA Bosch"

IH-Elektriker
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Beitrag von IH-Elektriker » Sonntag 7. August 2016, 19:16

Tobi P. hat geschrieben:Moin,



vor allem wenn man für den Hersteller arbeitet. Jedesmal wenn ich mich mit irgendeiner technischen Frage dort melde lautet jeder zweite Satz "Kennen Sie eigentlich schon unsere neuen Brandschutzschalter? Die sind ja jetzt Pflicht!" Wie mir das mittlerweile auf die Nerven geht ist unbeschreiblich furios1


Gruß Tobi
Man könnte wenn man die Norm liest und solche Aussagen wie Deine hört tatsächlich den Eindruck bekommen das bei der Erstellung der Norm fast perfekte Lobbyarbeit geleistet wurde....

Übrigens arbeite ich NICHT für den Hersteller ! ;)

Etrick
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Beitrag von Etrick » Sonntag 7. August 2016, 19:24

Hey, das musst Du verzeihen.
Jetzt haben sie sich erfolgreich hinter den VDE geklemmt und Du willst ihnen das Geschäft mit dem (nach meiner Ansicht weitgehend sinnfreien) Schalter verderben?

Böse Elektriker könnten damit bei Kunden ein dickes Fass aufmachen: den Nutzen übertreiben, darauf hinweisen, dass es nur Sinn hat, wenn jeder Stromkreis damit bestückt wäre und dass nun "leider" eine neue Verteilung her muss, weil der ganze Scheiß nicht mehr in die alte passt...

Solche Firmen sagen auf Saarländisch immer: "Wenn de e Baustell hann willscht, dann musche e Baustell mache..."

(hoffe, dass Heinz Becker Sprachkurse zum Verständnis ausreichen ;) )


Gruß

Achim

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Lightyear
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Beitrag von Lightyear » Sonntag 7. August 2016, 19:40

[quote="Etrick"]

(hoffe, dass Heinz Becker Sprachkurse zum Verständnis ausreichen ]

Tun sie, mein Bester, tun sie... :D

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Lightyear
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Beitrag von Lightyear » Sonntag 7. August 2016, 19:52

Und um jezt mal die Ketzerei zu starten:

Die Elektrohandwerker jammern ja ständig, das ungeliebte Kind am Bau zu sein.
Kaum Verdienstmöglichkeiten, weil ja keiner die E-Installation sieht, daneben ständig mit einem Bein im Gefängnis, mt dem Andren im Grab, dennoch viel zu niedrige Margen, ja, z.B. die Sanitärer verkaufen goldene Wasserhähne und haben da etliche hundert Prozent Marge dran, nur wir armen Elektriker und bla und blubb.

Nun kommt ein Hersteller, entwickelt ein Produkt, sorgt sogar dafür, dass der Bedarf für dieses Produkt in der VDE verankert wird - und was macht der Elektriker..?
Anstelle dem Kunden die Türe einzurennen und den Bedarf mit den Worten: "Ich habe hier etwas für Sie, damit können Sie Ihr Hab und Gut schützen, das ist so gut, dass es bei Neubauten inzwischen sogar in der Norm vorgeschrieben wird. Wollen Sie nicht etwas tun, damit Sie und Ihre Kinder besser schlafen können..?" zu wecken?
Er mault, will davon nichts wissen und sucht alle möglichen und unmöglichen Wege, die Norm zu umgehen. Das kommt mir ebenso saudumm vor, wie diese ständigen Versuche, die Fehlerstromschutzschalter für Steckdosenstromkreise zu umgehen. LEUTE, hier könnt Ihr GELD verdienen!

Manchmal frage ich mich schon, wes Geistes Kind mancher Elektriker so ist...

Daneben halte ich es für etwas zu kurz gedacht, Siemens hier die Alleinschuld zu geben - die anderen Hersteller sitzen ebenso im Normengremium, hätten die etwas gegen den Alleingang gehabt, wäre es ihnen durchaus möglich gewesen, dieses einfließen in die Norme zu verhindern oder zu gestalten.

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Strippe-HH
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Beitrag von Strippe-HH » Sonntag 7. August 2016, 21:13

Erst waren es die RCD-S nun die AFDD-s, na mal sehen was als nächstes kommt.hair1
Immer das Beste draus machen

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NZ-Tafel
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Beitrag von NZ-Tafel » Sonntag 7. August 2016, 22:39

Nur die wenigsten Kunden wollen an der Elektrik was machen. Ich habe schon so oft versucht im Privatbereich RCD-Nachrüstungen zu verkaufen.

80% der Kunden reagieren mit "Wieso denn? Das war die letzten 40 Jahre sicher, es ist nie etwas passiert. Die haben schon früher gewusst, warum da kein RCD hinkommt. Außerdem habe ich von schlimmen Fehlauslösungen Grund XYZ gehört". 3 Leute haben mal den Bock abgeschossen und wollten uns einen Betrugsversuch anhängen.

Du diskutierst, argumentierst, machst Spezialangebote und am Ende bist du meistens der Arsch. Die Elektrik ist immer etwas anderes, als ein Design Waschbecken oder eine teure Armatur. Du verkaufst eher teure Design-Schalter in einer Anlage der 50er - 70er Jahre, anstatt einen RCD oder AFFD in einer 70er - 2006er Jahre Anlage.

Für 80% - 90% der Privatkunden muss die Elektrik einfach funktionieren und gut aussehen, der Rest ist egal und gilt für die meisten als "Geldschneiderei". Das Geld wird bei den Gewerbekunden und bei gut kalkuliertem Zweckbau gemacht.

Wie oft habe ich schon (vorsichtig) versucht einen RCD zu verkaufen, zum Schluss kam der 10 Jahre treue Kunde nicht mehr und war beim Billigheimer.

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didy
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Beitrag von didy » Montag 8. August 2016, 02:31

Strippe-HH hat geschrieben:Erst waren es die RCD-S nun die AFDD-s, na mal sehen was als nächstes kommt.hair1
Wobei der Nutzen von RCDs ja wohl unumstritten ist, die Nebenwirkungen/Fehlauslösungen gering, und der Preis auch sehr gering.

Lightyear, grundsätzlich hast du ja recht.
Aber da die Dinger derzeit noch recht teuer sind, und du nicht nur 2 pro Wohnung (wie bei RCDs) brauchst sondern einen je Stromkreis, macht das eine Elektroinstallation doch deutlich teurer. Damit wird in meinen Augen die Bereitschaft, eine alte Elektrik zu sanieren, zunächst mal deutlich sinken. Und damit ist der Sicherheitsgewinn in Summe erstmal eher nicht so gegeben - weil viele alte Installationen - oft noch mit klassischer Nullung, und mit Leitungsschutzschaltern mit H(ausbrand)-Charakteristik - weiterbetrieben werden.

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