Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Hier geht es um allgemeine Normen der Elektrotechnik, Auslegungen und deren Anwendung
Elo-Ocho
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Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von Elo-Ocho » Donnerstag 15. April 2021, 17:17

Moinsen,

so lange wie ich mich mit der Auslegung von Leitungen befasse, darf ich NYM 1,5 mm² in gedämmten Wänden, Verlegeart A1 bis 15,5 A absichern. Ein Schelm, wer dabei böses denkt, oder ist das bei Verlegung der Leitung ohne Schutzrohr anders?

Natürlich könnte ich jetzt davon ausgehen, dass es in der (klimatisierten) Bude nie wärmer als 25°C wird, dann wären, falls keine weiteren Reduktionsfaktoren dazu kommen, 16,43 A Absicherung möglich.

Das ist natürlich hanebüchener Unsinn, der 16 A-Automat ist der Standard, und wird natürlich auch für den Stromkreis in der Trockenbauwand verwendet, zumindest außerhalb dieses Forums. Alles andere würde ja extra Geld kosten.

Wer von den berufserfahreneren als ich weiß denn, seit wann das falsch ist, oder durfte der Standardstromkreis in der gedämmten Wand noch nie mit 16 A abgesichert werden, bei NYM 1,5 mm²?

Hintergrund ist der, dass ich mich rechtfertigen muss, warum bei mir immer alles so kompliziert ist und ich jetzt neue LS-kaufen muss, obwohl doch noch genug in der Garage rumliegen.

Ocho
Immer wenn ich Langweile habe, dann melde ich mich in einem Eltern-Forum an und Frage, wie weit man den Schimmel im Pausenbrot der Kinder wegschneiden sollte...

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SPS
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Re: Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von SPS » Donnerstag 15. April 2021, 18:01

Hallo,
nach meinen Informationen darf in Deutschland die Tabelle für 25 Grad angewendet werden.
Somit ist es beim 1,5 mm² Nym Verlegeart A2 mit 16,5 A Strombelastbarkeit.
Bei Drehstrom passt das dann nicht mehr.

Eine Herausforderung ist der Herdanschluss.
Hier gibt die Din 18015 einen LSS von 20 A als Absicherung vor.
Da kommt 2,5 mm² in A2 bei Drehstrom an die Grenze. (liegt oft in der Dämmung der Fußbodenheizung)
Ich habe noch keine 4 mm² Herdanschlussdose in den Händen gehalten. Es soll diese geben.
Ich bekomme schon bei 2,5 mm² bei den üblichen Geräteanschlussdosen Probleme alles unterzubringen.


https://library.e.abb.com/public/483edb ... _72dpi.pdf
Mit freundlichem Gruß sps

froebel88
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Re: Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von froebel88 » Donnerstag 15. April 2021, 20:56

Theorie und Praxis.. Wie lange muss eine Leitung mit 16A belastet werden, bis die sich ausreichend erwärmt dass es da zu Problemen kommt? Wie oft kommt das in Haushalten vor? Zumal in den Belastungswerten sicherlich auch Sicherheitsfaktoren eingerechnet sind.

Die Praxis in Deutschland sind doch viel eher zweiadrige Lautsprecherkabel in 0,5mm² ohne PE die Steckdosen versorgen oder 1~Zähler mit 3p-LS wo ein Herd drehstrommäßig angeschlossen ist. (Da wollte ein Zählermonteur mir letztens noch erklären, dass das problemlos ginge, weil Drehfeld braucht man ja eh nicht.) Und trotzdem brennen nicht täglich Wohnungen ab.

Sollte man sich an Normen und Vorschriften halten? Jo. 2,5mm² in Gedämmten Wänden? Jo. Geht die Welt unter wenn man das (in Privathaushalten!) nicht tut? Wahrscheinlich eher nicht. Gibt halt auch Ausnahmen, wo man sich daran halten sollte (Dauerverbraucher.. E-Mobilität!)

In meinem Ausbildungsbetrieb haben wir fast ausschließlich 1,5mm² für Steckdosen verlegt und den Betrieb gab es 50 Jahre, und soweit ich weiß ist da von den Installationen nie irgendwas abgebrannt.

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Elt-Onkel
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Re: Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von Elt-Onkel » Donnerstag 15. April 2021, 21:30

froebel88 hat geschrieben:
Donnerstag 15. April 2021, 20:56

Sollte man sich an Normen und Vorschriften halten? Jo. 2,5mm² in Gedämmten Wänden? Jo. Geht die Welt unter wenn man das (in Privathaushalten!) nicht tut? Wahrscheinlich eher nicht. Gibt halt auch Ausnahmen, wo man sich daran halten sollte (Dauerverbraucher.. E-Mobilität!)

In meinem Ausbildungsbetrieb haben wir fast ausschließlich 1,5mm² für Steckdosen verlegt und den Betrieb gab es 50 Jahre, und soweit ich weiß ist da von den Installationen nie irgendwas abgebrannt.
Mein Schwiegervater ist Landwirt.
Er hat in unserem Haus wacker rumelektrisiert.
Z.B. auch eine bunte Mischung von 1,5 und 2,5 mm² in der Steckdoseninstallation.
Einfach weil die Strippen bei Messerückbauten angefallen sind.
Und genau deswegen wären wir fast abgebrannt.

Wenn man 1,5 und 2,5 mm² unter eine Schraube klemmt,
ist die dünne Ader locker.
Da gab es dann Steckdosen, wo die Aderisolierung über mehrere cm weggebrutzelt war.
Von der fehlenden Messung vor Inbetriebnahme gar nicht zu reden.

...

froebel88
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Re: Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von froebel88 » Donnerstag 15. April 2021, 22:04

Dass man die Adern nicht richtig anschließt, hat ja nichts mit dem Querschnitt zu tun.. Das kann dir auch bei 2,5mm² passieren.

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Elt-Onkel
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Re: Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von Elt-Onkel » Donnerstag 15. April 2021, 22:25

Hallo,
froebel88 hat geschrieben:
Donnerstag 15. April 2021, 22:04
Dass man die Adern nicht richtig anschließt, hat ja nichts mit dem Querschnitt zu tun..
Das kann dir auch bei 2,5mm² passieren.
Also, wenn man zweimal 2,5 unter eine Schraube klemmt (rechts und links),
dann sind beide fest.

Ich habe dann immer noch die Ader, die rechts der Schraube liegt,
vorne 1mm umgebogen, so daß sie beim Festdrehen der Schraube
nicht rausrutschen kann.


...

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Re: Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von IH-Elektriker » Freitag 16. April 2021, 11:36

froebel88 hat geschrieben:
Donnerstag 15. April 2021, 22:04
Dass man die Adern nicht richtig anschließt, hat ja nichts mit dem Querschnitt zu tun.. Das kann dir auch bei 2,5mm² passieren.
Und auch bei Klemmen bei welchen sich ein geklemmter Draht eigentlich nicht lockern können dürfte....

Mir ist selbst schon passiert das eine NoName-Steckdose (Baumarkt-Billigware) Probleme mit der Federzugklemme hatte so das sich ein Kontakt gelockert hat. Dummerweise wurde an diese Steckdose immer ein Elektroheizlüfter mit 2KW angeschlossen und auch über Stunden betrieben.

Irgendwann ging nix mehr und man erinnerte sich an den Elektriker in der Nachbarschaft - der Fehler war schnell gefunden, die Leitung (Einzeldraht in Rohr) war über 20cm völlig verschmort, die Steckdose sah entsprechend aus.

Josupei
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Re: Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von Josupei » Freitag 16. April 2021, 13:53

froebel88 hat geschrieben:
Donnerstag 15. April 2021, 20:56
Theorie und Praxis.. Wie lange muss eine Leitung mit 16A belastet werden, bis die sich ausreichend erwärmt dass es da zu Problemen kommt? Wie oft kommt das in Haushalten vor? Zumal in den Belastungswerten sicherlich auch Sicherheitsfaktoren eingerechnet sind.

Die Praxis in Deutschland sind doch viel eher zweiadrige Lautsprecherkabel in 0,5mm² ohne PE die Steckdosen versorgen oder 1~Zähler mit 3p-LS wo ein Herd drehstrommäßig angeschlossen ist. (Da wollte ein Zählermonteur mir letztens noch erklären, dass das problemlos ginge, weil Drehfeld braucht man ja eh nicht.) Und trotzdem brennen nicht täglich Wohnungen ab.

Sollte man sich an Normen und Vorschriften halten? Jo. 2,5mm² in Gedämmten Wänden? Jo. Geht die Welt unter wenn man das (in Privathaushalten!) nicht tut? Wahrscheinlich eher nicht. Gibt halt auch Ausnahmen, wo man sich daran halten sollte (Dauerverbraucher.. E-Mobilität!)

In meinem Ausbildungsbetrieb haben wir fast ausschließlich 1,5mm² für Steckdosen verlegt und den Betrieb gab es 50 Jahre, und soweit ich weiß ist da von den Installationen nie irgendwas abgebrannt.
Hallo,
Habe mal in nem Arbeitspapier von ABB gesehen, dass davon ausgegangen wird, dass wenn man eine Leitung mit dem zulässigen Nennstrom belastet, diese nach ca. 10-15min Betriebstemperatur erreicht hat also bei NYM 70°C am Leiter. Hängt wohl immer ein wenig mit den äußeren gegebenheiten zusammen.

ThomasR
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Re: Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von ThomasR » Freitag 16. April 2021, 17:19

Wenn man alles auf die Goldwaage legen würde, müsste man für 16A vermutlich alles in 2,5mm ausführen!
In der Nähe der UV kommen selbst in einer einfachen Wohnung heutzutage soviele Leitungen zusammen, daß man dann mit einem Bündelungsabschlag rechnen müsste.
In meiner „Holzhütte“ (hochwärmegedämmtes Passivhaus in Holzständerbau) sind daher einfach genügend Stromkreise/LS mit Max 13A verbaut :cool:
86 LS sollten für ein EFH reichen rad2
Das war meine Interpretation der aktuellen Normen.

E-Jens
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Re: Gedämmte Wände: max. Absicherung <16A

Beitrag von E-Jens » Freitag 16. April 2021, 18:19

Hallo,

du darfst auch in jeden Raum eine UV setzen. joint1
Gruß Jens

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