Wechselstrom und Drehstrom in einer Leitung

Hier geht es um allgemeine Normen der Elektrotechnik, Auslegungen und deren Anwendung
Antworten
Corioliskraft
Null-Leiter
Beiträge: 79
Registriert: Mittwoch 27. September 2017, 09:09

Wechselstrom und Drehstrom in einer Leitung

Beitrag von Corioliskraft » Montag 22. Februar 2021, 10:12

Hallo zusammen,

vorweg: ich hoffe ich bin hier im richtigen Bereich.

Bei einer Anlagenüberprüfung ist mir aufgefallen das mehrere Stromkreise in einer Leitung sind (ölflex Classic 110). Nämlich Wechselstrom (separate Sicherung) und einmal Drehstrom (Neozed Element). Theoretisch gemeinschaftlich abschaltbar über den Hauptschalter der Anlage.

Da ich ursprünglich aus dem Handwerk komme und das eigentlich ein No-Go ist weiß ich nicht wie es im Maschinenbau / Schaltschrankbau / Anlagenbau ist. Gibt es hier Normen zum Nachlesen?

Es handelt sich um eine Industrie Anlage.

Gruß

Elo-Ocho
Null-Leiter
Beiträge: 804
Registriert: Mittwoch 16. Juli 2014, 14:27
Wohnort: Münsterland

Re: Wechselstrom und Drehstrom in einer Leitung

Beitrag von Elo-Ocho » Montag 22. Februar 2021, 10:37

Moinsen,

das gibt es im Industriebereich häufiger.

Sogar im "Handwerk" legt mal ja zu DALI-Leuchten ein 5x1,5, da hat man ja auch verschiedene Spannungsebenen.

Nur, weil es so was öfters gibt, möglich und sogar erlaubt ist, muss das aber nicht heißen, dass es in Deinem Fall zwingend richtig so ist.

Aber grundsätzlich und aus prinzip ist das nicht verboten.

Gruß,

Ocho
Immer wenn ich Langweile habe, dann melde ich mich in einem Eltern-Forum an und Frage, wie weit man den Schimmel im Pausenbrot der Kinder wegschneiden sollte...

ThomasR
Null-Leiter
Beiträge: 1105
Registriert: Sonntag 27. März 2005, 01:20
Wohnort: Nideggen
Kontaktdaten:

Re: Wechselstrom und Drehstrom in einer Leitung

Beitrag von ThomasR » Montag 22. Februar 2021, 14:04

Im einem Industrieschaltschrank muß man mit allem rechnen hair1 8o auch Sachverhalte die mit deutschen Normen so gar nichts zu tun haben :D

Solange man das an den Leitungsenden entsprechend kennzeichnet ist dagegen nichts einzuwenden. Spannend wird es, wenn die Leitung "unterbrochen wird".....

Benutzeravatar
Tobi P.
Beiträge: 1764
Registriert: Sonntag 18. November 2007, 13:46
Wohnort: 41516 Grevenbroich

Re: Wechselstrom und Drehstrom in einer Leitung

Beitrag von Tobi P. » Montag 22. Februar 2021, 14:18

Moin,

schau mal in der Veranstaltungstechnik, da hast du auch mal sechs+ Stromkreise pro Leitung :)
Ist auch kein No-Go sondern Stand der Technik und nennt sich (Last)Multicore.

Gruß Tobi

IH-Elektriker
Null-Leiter
Beiträge: 1497
Registriert: Mittwoch 9. Januar 2013, 11:18

Re: Wechselstrom und Drehstrom in einer Leitung

Beitrag von IH-Elektriker » Montag 22. Februar 2021, 16:42

Corioliskraft hat geschrieben:
Montag 22. Februar 2021, 10:12

Bei einer Anlagenüberprüfung ist mir aufgefallen das mehrere Stromkreise in einer Leitung sind (ölflex Classic 110). Nämlich Wechselstrom (separate Sicherung) und einmal Drehstrom (Neozed Element). Theoretisch gemeinschaftlich abschaltbar über den Hauptschalter der Anlage.

Da ich ursprünglich aus dem Handwerk komme und das eigentlich ein No-Go ist weiß ich nicht wie es im Maschinenbau / Schaltschrankbau / Anlagenbau ist. Gibt es hier Normen zum Nachlesen?
Nix No-Go, im Maschinenbau gängige Praxis.

Siehe EN60204-1 unter 13.1.1:

Leiter von verschiedenen Stromkreisen dürfen nebeneinander verlegt werden, im selben Leitungskanal (z. B.
Elektroinstallationsrohr, zu öffnender Elektroinstallationskanal) liegen oder zur selben mehradrigen Leitung
oder zur selben Stecker/Steckdosen-Kombination gehören, vorausgesetzt, dass diese Anordnung die ein-
wandfreie Betriebsweise der entsprechenden Stromkreise nicht beeinträchtigt und:

 bei Stromkreisen mit unterschiedlichen Spannungen die Leiter durch geeignete Hindernisse voneinander
getrennt sind oder;

 die Isolation der Leiter für die höchste vorkommende Spannung der Leiter geeignet ist, z. B. die
Spannung zwischen den Außenleitern in einem ungeerdeten System und die Spannung zwischen
Außenleiter zur Erde in einem geerdetem System.



Sogar die Kombination von 24V (PELV) und 230/400V in einer gemeinsamen Leitung und auch über gemeinsame Steckverbinder wären zulässig.

Also Herzfrequenz runterfahren, cool bleiben, nicht den Kopf schütteln, das ist alles vollkommen legal und normativ abgesichert ;)

Das nicht jeder alles wissen kann ist doch völlig normal, ich bin beispielsweise seit inzwischen gut 30 Jahren im Maschinen- und Anlagenbau unterwegs, wenn ich aus dem Bauch raus ein Wohnhaus installieren sollte müsste ich mich auch erst "schlau" machen da ich da nicht auf aktuellem Stand bin was alles wie fachgerecht gemacht wird.....

Das ist ja das schöne hier im Forum, man erweitert seinen Wissenshorizont und weiß wo man ggf. auch mal nachfragen kann und meist auch fachlich fundierte Auskunft bekommt.

Olaf S-H
Beiträge: 13386
Registriert: Montag 10. Januar 2005, 23:57

Re: Wechselstrom und Drehstrom in einer Leitung

Beitrag von Olaf S-H » Samstag 27. Februar 2021, 04:29

Corioliskraft hat geschrieben:
Montag 22. Februar 2021, 10:12
... Da ich ursprünglich aus dem Handwerk komme und das eigentlich ein No-Go ist ...
Moin Corioliskraft,

auch im Handwerk ist es zulässig, wenn man die Rahmenbedingungen einhält: VDE 0100-520:2013-06, 521.7.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
vde1
Für elektrotechnische Laien gilt: Dieser Beitrag erläutert die technischen Zusammenhänge. Die Umsetzung obliegt den konzessionierten Fachbetrieben (§13(2)NAV).

"Wer eine Handlung begeht, der übernimmt auch alle daraus folgende Pflichten." §33 I-3 prALR 1794

Antworten