Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Hier geht es um allgemeine Normen der Elektrotechnik, Auslegungen und deren Anwendung
Joachim
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Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Joachim » Dienstag 19. November 2019, 11:04

Hallo allerseits.

Kann mir bitte jemand "kurz" darlegen, ob eine Anpassung eines zum Zeitpunkt der Errichtung normenkonformen Zählerplatzes (z.B. NZ-Tafel) erforderlich ist, wenn die Hauptleitung neu verlegt wird, im Beispiel durch Umstellung von Freileitungs- auf Erdkabelanschluß?

In der VDE AR-N 4100 finde ich da keine eindeutigen Aussagen und in den Ergänzungen des VNBs dazu ebenfalls nicht...

Besten Dank im voraus!


Edit: der Rechtschreibung geschuldet. ;)

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Wulff
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Re: Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Wulff » Dienstag 19. November 2019, 13:38

Guckst du z. B. VDE-AR-N 4100:2019-04 Punkt 4.4

4.4 Erweiterung oder Änderung in bestehenden Kundenanlagen

Da steht so ungefähr drin:
...
Werden bei bestehenden Kundenanlagen Erweiterungen oder Änderungen vorgenommen, gelten für Anschluss und Betrieb für
erweiterten oder geänderten Anlagenteile die jeweils aktuell gültigen Anforderungen ....

Bei Änderungen ... bestehender elektrischer Anlagen ist durch den Errichter zu prüfen, ob die Anlagenteile ... anzupassen sind.

oben genannte Erweiterungen, Nutzungsänderungen oder Änderungen der Betriebsbedingungen könnten sein:
...

– Erhöhung der elektrischen Leistung
– Änderung einer Anlage von einphasigen auf dreiphasigen
- Änderung der Netzform

Hier mal genauer nachlesen, was bei Dir zutrifft.

Trumbaschl
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Re: Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Trumbaschl » Dienstag 19. November 2019, 13:56

Meine persönliche Erfahrung ist (mit österreichischen Netzbetreibern), dass sobald solche Arbeiten vom VNB veranlasst werden, jegliche Vorgaben plötzlich keinerlei Geltung mehr haben und bezüglich der nicht berührten Anlagenteile sämtliche Hühneraugen zugedrückt werden. Anpassungsforderungen gibt es ausschließlich, wenn die Änderungswünsche vom Kunden ausgehen.

Anders gesagt: ein österreichischer VNB würde mit Sicherheit sofort eine neue Hauptleitung an einen bestehenden Zählerplatz anschließen, sofern der Umbau durch eine Umstellung seitens des VNB notwendig wird. Sofern ein Eingriff hier überhaupt notwendig ist, und die Leitung nicht nur bis zum HAK/Kabelübergabekasten getauscht wird.

Joachim
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Re: Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Joachim » Dienstag 19. November 2019, 13:58

Vielen Dank für die Antwort! :)

Ja, genau an dieser Stelle war ich und konnte aber keinen der dort aufgeführten Punkte einem reinen Wechsel der Hauptleitung zubilligen.
Wäre gleichzeitig ein Zählertausch, bestenfalls von ein- auf dreiphasig angesagt, gäbe es keinen Zweifel. Es bleibt aber alles gleich, außer der eben Hauptleitung.

Natürlich könnte man über die 0100-444 für die neue Leitung eine Trennung auf TN-S ab HAK und somit dann eine komplette Neugestaltung des Zählerplatzes auf ein 5-Schienensystem etc. fordern, aber ist das normativ unanfechtbar? Eher nicht, da ja kein Neubau...

Joachim
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Re: Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Joachim » Dienstag 19. November 2019, 14:02

@Trumbaschl: ja, in der Praxis verhält es sich hier ähnlich.

Die Frage ist eben genau deshalb, ob man hier normativ-argumentativ eine Anpassung "fordern" kann, oder ob das wirklich ein Graubereich ist. Es geht hier nicht um vernachlässigbare Kleinigkeiten, sonder halt um beschädigte Hauptleitungsklemmen etc.
Und ja, da die Arbeiten vom VNB beauftragt werden, ist plötzlich vieles anders... doh1

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Re: Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Trumbaschl » Montag 25. November 2019, 18:36

Der Tausch der Hauptleitung ist offensichtlich eine wesentliche Änderung des Anlagenteils Hauptleitung, diese ist also nach aktuellen Normen auszuführen. Die spannende Frage ist, ob diese andere Anlagenteile, namentlich die Zähleranlage, berührt. Zieht man die Argumentation des ÖVE aus der "Fachinformation klassische Nullung" quasi als ausländischen Präzedenzfall heran, würde ich meinen, dass dies nicht zutrifft. Aber da wagen wir uns schon sehr weit in juristisches Territorium...

Der Leitungstausch stellt jedenfalls weder
- eine Änderung der Spannung oder Stromart
- eine Änderung der Schutzmaßnahme
noch
- eine Leistungserhöhung dar.

Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, die neue Hauptleitung 5-adrig auszuführen, die gelb/grüne Ader als PEN zu kennzeichnen und nützen und die blaue Ader am HAK auf N zu legen, am Zähler aber auf eine Klemme, bis zu einer allfälligen Erneuerung der Zähleranlage. Die dann - zynisch gesehen - vermutlich einen Tausch der Hauptleitung erfordert, weil bis dahin 35 mm2 gefordert werden oder ähnlicher Luxus. In dem Bereich werden die Vorgaben so oft geändert, dass ich es mir abgewöhnt habe, Reserven für spätere Erweiterungen vorzusehen.

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Re: Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Joachim » Dienstag 26. November 2019, 06:16

Mündliche Aussage eines Mitabeiters im Regionalzentrum des Netzbetreibers geht dahin, daß man seit der neuen AR-N 4100 auf die Anpassung der Zähleranlage auch bei einem ausschließlichen Tausch der Hauptleitung bestehen würde, vorher war dem eher nicht so.

Da das Thema aber recht neu sei, gibt er meine Anfrage in die Zentrale nach Stuttgart weiter um das grundsätzlich klären zu lassen - mal sehen, was mich dann schriftlich erreicht...

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Re: Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Trumbaschl » Sonntag 1. Dezember 2019, 00:25

Diese AR-N 4100 war auch so ein feuchter Traum der Industrie, oder trügt mich dieser Eindruck?

In GB schrauben sie im Jahr 2019 Zähler auf einer flammwidrig imprägnierten Spanplatte auf die Wand und gut ist... und es gibt dort auch nicht mehr elektrisch gezündete Brände als in Mitteleuropa, oder mechanisch beschädigte Zähler, auch nicht in Garagen und Kellern. Die Hauptsicherung (-en) sind in einem kleinen Gehäuse separat untergebracht und alles ist mit 1-adriger Mantelleitung 16 oder 25 mm2 verbunden.

Neubau von 2014:
http://4.bp.blogspot.com/-hiXSoVxLtbY/U ... ockets.jpg

Links Hausanschluss (einphasig), daneben elektronischer Zähler und Verteiler. Offensichtlich TT-Netz, da es am "HAK" keinerlei PE-/PA-Verbindung gibt. Laut Text ist das übrigens ein Baustromanschluss, Haus dazu gab es zu dem Zeitpunkt nicht. Eine EFH-Anlage sieht um kein Haar anders aus, bis auf die beiden Doppelsteckdosen rechts.

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Re: Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Wulff » Sonntag 1. Dezember 2019, 15:33

Wer sich mal die Systeme der Franzosen ansieht, wundert sich auch, wie einfach es gehen kann.

Das Prinzip ist-stark vereinfacht dargestellt- ein Stück breiter Kabelkanal mit Zählertafel drauf und einem fertig verdrahteten Standardverteiler dran .

Anschrauben, abklemmen und fertig.

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Re: Zählerpatzanpassung bei Hauptleitungstausch

Beitrag von Trumbaschl » Dienstag 3. Dezember 2019, 21:38

Hier hab ich noch ein schönes Beispiel aus GB, diesmal von 2015, Zählerkasten für ein neues EFH, TN-C-S-Netz.

http://4.bp.blogspot.com/-RC4T_FYUEI4/V ... 114256.jpg

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