mein Verständnisproblem mit dem Neutralleiter

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Olaf S-H
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Re: mein Verständnisproblem mit dem Neutralleiter

Beitrag von Olaf S-H » Montag 4. Januar 2021, 06:11

st0 hat geschrieben:
Sonntag 3. Januar 2021, 22:11
... das Potential der Erde ist gleich 0V und daher kann man auch an N fassen, weil man ja das gleiche Potential hat wie der Sternpunkt ...
Moin st0,

die Aussage kann man nicht unkommentiert lassen, da sie nur bedingt gilt.

Im fehlerfreien TN-System stimmt diese Aussage oft. Für das TT-System gilt sie nicht. Insofern: Der Neutralleiter ist per Definition immer ein aktiver Leiter und sollte auch immer wie ein solcher behandelt werden.

Gruß Olaf
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
vde1
Für elektrotechnische Laien gilt: Dieser Beitrag erläutert die technischen Zusammenhänge. Die Umsetzung obliegt den konzessionierten Fachbetrieben (§13(2)NAV).

"Wer eine Handlung begeht, der übernimmt auch alle daraus folgende Pflichten." §33 I-3 prALR 1794

DBY656
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Re: mein Verständnisproblem mit dem Neutralleiter

Beitrag von DBY656 » Montag 4. Januar 2021, 11:28

st0 hat geschrieben:
Sonntag 3. Januar 2021, 20:50
...
Mir ist klar das im Sternpunkt eines Drehstromnetzes durch die 120° Phasenverschiebung die Summe der Strangströme gleich 0V ergeben. Dadurch haben wir eben ein Potential von 0V auf dem Neutralleiter und durch diese Potentialdifferenz zu den Außenleitern kann der Strom fließen wenn wir einen Verbraucher in den Stromkreis einbringen.
...
Sind am Verbraucher alle 3~ Strangströme genau symetrisch, so ist die Spannung an dessen Sternpunkt identisch zum Sternpunkt des speisenden Netzes. Deshalb braucht z.B. ein Standard-Drehstrommotor in Sternschaltung keinen N-Leiter.
Ein symetrisch belastetes Netz stellt den Idealzustand dar. Die Last ist auf alle 3 Phasen gleich verteilt und damit sind auch die 3 Strangspannungen auf gleichem Niveau. Da dieser Zustand selten der Fall ist verfügt unser 4-Leiter-Netz über einen Neutralleiter.
Dieser Neutralleiter ist bei TN/TT - Netzen an definierten Punkten des Versorgungsnetzes mit der Erde verbunden. Dadurch wird die Spannung gegenüber der Umwelt in Position gebracht. Ansonsten könnten z.B. statische Ladungen die Spannung Netz <> Umwelt gefährlich überhöhen.

Achtung: Es gibt auch Netze ohne geerdetem Neutralleiter.

Gruß Markus

Elo-Ocho
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Re: mein Verständnisproblem mit dem Neutralleiter

Beitrag von Elo-Ocho » Montag 4. Januar 2021, 13:10

Moinsen st0,

leider habe auch ich Deine Vorstellunsg hier im Forum nicht gefunden, daher kenne ich Deine Vorbildung nicht.

Bei Deinem Problem mit dem Neutralleiter kann ich Dir nur in soweit weiterhelfen, dass ich Dir rate, Dich intensiv mit Strom und Spannung auseinander zu setzen.

Ein Leiter an sich hat kein Potential. Gar keiner, auch kein L2. Ein Potential liegt immer zwischen 2 Punkten in einem Stromkreis. Ideal betrachtet muss zwischen diesen 2 Punkten ein Verbraucher, Lampe, Motor oder sonst was liegen. In der Realität ist der Leiter als solcher ja schon ein Widerstand, also ein ohmscher Verbraucher (das bisschen Kapazität schenken wir uns an dieser Stelle mal).

Ein Stromfluss ist an einem Punkt feststellbar. Da in einem einphasigen, unverzweigten, Netz ist der Stromfluss, also die Zahl Elektronen, die da so lang oder hin und her schwirren, an allen Punkten gleich. Egal ob Gleich- oder Wechselstrom. In Drehstrom- oder verzweigten Netzen ist das anders, tut hier aber nix zur Sache.

Jetzt ist es so, dass manche Stromkreise geerdet werden, wo und wie auch immer, man könnte auch den + im Gleichstromkreis oder einen L bei Wechsel- oder Drehstrom erden. Wenn Du jetzt niederohmig mit einem solchen Erdungspunkt verbunden bist, und die Stelle, an der Du anlangst, ein Potential gegenüber der Erde aufweist, fließt ein Teil des Stromes über Deinen Körper zum Erdungspunkt. Nennt man Spannungsteiler.

Wenn der Stromkreis nicht geerdet (z. B. IT-Netz) ist, und / oder Du nicht geerdet bist (z. B. Gummimatte, Gummihandschuhe, "AuS") kannst Du anlagen wo du willst, wenn sonst alles gut ist, kommt kein Strom zum fließen.

Zu Deinem Punkt mit dem FI:

Der Strom über die Phase(N) wird gemessen. Wenn dieser 0 ist, das heißt, es geht genau soviel Strom in die Anlage rein wie raus, egal, ob über die verschiedenen Phasen oder auch über den Neutralleiterist alles gut. Sobald aber, über z.B. Dich, Strom "am FI vorbei" zum Erdungspunkt fließt, Löst der FI aus. Wieviel Strom am FI vorbeifließen muss, damit dieser auslöst, und wie schnell er das tut, steht drauf.

Ich hoffe, ich konnte zur allgemeinen Verwirrung beitragen,

Ocho
Immer wenn ich Langweile habe, dann melde ich mich in einem Eltern-Forum an und Frage, wie weit man den Schimmel im Pausenbrot der Kinder wegschneiden sollte...

st0
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Re: mein Verständnisproblem mit dem Neutralleiter

Beitrag von st0 » Montag 4. Januar 2021, 19:10

Ich danke euch allen für die ausführlichen Erklärungen. Ich habe es jetzt gecheckt. Ich habe mir selbst einfach total im weg gestanden.

Ich musste es bildlich sehen um es zu verstehen und der letzte Link von Probator hat es gebracht.
Probator hat geschrieben:
Sonntag 3. Januar 2021, 23:56
https://www.phyx.at/was-ist-der-untersc ... und-strom/
Ich habe schlicht weg die Treibende Kraft die vor dem Verbraucher ja anliegt einfach ignoriert bzw. die Tatsache das die Elektronen durch diese Kraft ja nach wie vor auch nach dem Verbraucher weiter durch die Leitung gedrückt werden bzw. hin- und her schwingen und somit natürlich ein Strom fließt und deshalb natürlich keine weitere Potentialdifferenz/Spannung nötig ist.

Ich stand wort wörtlich voll auf dem Schlauch und danke euch allen für die Hilfe dd1

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