"Sonderzeitzone" in Belgien dank zu hoher Netzfrequenz

Alles Rund um das Thema Elektrotechnik das nicht über eigene Foren abgedeckt ist.
Antworten
Apostoli
Beiträge: 469
Registriert: Mittwoch 13. Oktober 2004, 04:11
Wohnort: Wohlen AG - CH
Kontaktdaten:

"Sonderzeitzone" in Belgien dank zu hoher Netzfrequenz

Beitrag von Apostoli » Mittwoch 18. Oktober 2017, 21:15

Warum auch immer die dort einen Generator statt einer mobilen Trafoanlage hingestellt haben...

https://www.tagesschau.de/schlusslicht/ ... n-101.html

Benutzeravatar
Tobi P.
Beiträge: 1416
Registriert: Sonntag 18. November 2007, 13:46
Wohnort: 41516 Grevenbroich

Re: "Sonderzeitzone" in Belgien dank zu hoher Netzfrequenz

Beitrag von Tobi P. » Mittwoch 18. Oktober 2017, 22:21

Moin Apostoli,

das haben die gemacht weil es in so einem Fall (Stationsfreischaltung) die einfachste Vorgehensweise ist - bei der richtigen Vorbereitung habe ich die Station innerhalb einer Stunde nach Eintreffen an der Arbeitsstelle vom MS-Netz getrennt und zwar unterbrechungsfrei für die Abnehmer. Die NEAen werden auch immer kleiner und wendiger (AVS hat ein 130kVA unter 2,5t Gewicht als Anhängergerät rausgebracht) und damit auch in engen Innenstädten problemlos einsetzbar. Auch die 51Hz sind normal, das ist ebenfalls die übliche Vorgehensweise um Eigenerzeuger vom Netz zu nehmen. Interessant ist das übrigens auch für USV-Anlagen, je nach Parametrierung erkennen die die 51Hz als Netzfehler und gehen in den Batteriebetrieb. Da habe ich schon lustige Dinge bei Gebäudeeinspeisungen erlebt wenn die Aggregate über eine mechanische Regelung verfügen und so eingestellt sind dass sie die 50Hz erst ab einer bestimmten Abgabeleistung bringen. Muss man dann halt etwas mit der in Form von Lastwiderständen hoffentlich mitgebrachten Regelleistung spielen.


Gruß Tobi für den solche Aktionen ja gewissermassen Tagesgeschäft sind :)

Benutzeravatar
Gernot
Null-Leiter
Beiträge: 250
Registriert: Dienstag 27. Dezember 2005, 17:27
Wohnort: Taucha

Re: "Sonderzeitzone" in Belgien dank zu hoher Netzfrequenz

Beitrag von Gernot » Mittwoch 18. Oktober 2017, 22:57

Das war bei uns (vor der Wende) in jedem strengeren Winter so. Haben aber nur privilegierte mit "West-"Radioweckern gemerkt. :)
Und die Schaltuhren für die Nachtspeicheröfen mussten einmal im Jahr gestellt werden...

Benutzeravatar
Oberwelle
Beiträge: 8770
Registriert: Montag 4. April 2005, 17:54

Re: "Sonderzeitzone" in Belgien dank zu hoher Netzfrequenz

Beitrag von Oberwelle » Donnerstag 19. Oktober 2017, 06:43

Moin Gernot,

da waren die Uhren aber bestimmt nicht zu schnell sondern zu langsam oder ?

Ich vermute einen Frequenzrückgang im Winter durch die erhöhte Last.

Gruß OW

Benutzeravatar
Gernot
Null-Leiter
Beiträge: 250
Registriert: Dienstag 27. Dezember 2005, 17:27
Wohnort: Taucha

Re: "Sonderzeitzone" in Belgien dank zu hoher Netzfrequenz

Beitrag von Gernot » Donnerstag 19. Oktober 2017, 07:45

Hallo Oberwelle,
wenn ich mich recht erinnere ging mein Radiowecker immer vor (5 - 10 min pro Woche). War nervig, da man immer fast die ganze Stunde durchlaufen lassen musste beim stellen. Aber wie beschrieben, nur im Winter.
Ich habe mir das damals mit meinem gesunden Halbwissen so zusammengereimt, dass vielleicht die Drehzahl der Turbinen erhöht wurde, um mehr Leistung zu generieren oder die Spannung zu halten (wie in Stenkelfeld https://youtu.be/NjCA8x7EOZY ). ;)
Kann aber evtl. auch mit dem damaligen RGW-Verbundnetz zusammenhängen.
Schlimmer war, dass die Spannung teilweise rapide einbrach, wenn z.B. Nachtspeicheröfen geladen oder Ölradiatoren betrieben wurden. Das lag aber eher an den zu schwach dimensionierten Ortsnetzen...
Viele Grüße
Gernot

Trumbaschl
Null-Leiter
Beiträge: 1631
Registriert: Mittwoch 11. Februar 2004, 12:17
Kontaktdaten:

Re: "Sonderzeitzone" in Belgien dank zu hoher Netzfrequenz

Beitrag von Trumbaschl » Donnerstag 19. Oktober 2017, 11:53

Die besten Ortsnetze in Europa hat immer noch das ländliche Italien... Netzausläufer mit einigen km(!) 6 mm2 Cu-Wäscheleine! In Baldurs Forum hat Mirto (nach Sardinien ausgewanderter deutscher Kollege) erzählt, wie er vor weniger als 10 Jahren eine komplette Wohnanlage gebaut hat, mit glaube ich 95 mm2 ab Übergabepunkt bis zu den Zählerräumen um den Spannungsabfall in Grenzen zu halten. Dann kam Netzbetreiber Enel und nagelt einen km 6 mm2 davor!

Da erlebt man dann definitiv so spaßige Dinge wie seeeeehr dunkel glimmende Glühlampen und die Sony-Kompaktanlage meiner Mutter wollte auch nicht so richtig... erst lief der Kassettenteil immer langsamer, dann war ganz Schluss, Unterspannung. Italienurlaub 1991 und 1992.

In einem anderen Haus in der selben Gegend, das erst 1992 ans Stromnetz angeschlossen wurde, war die Versorgung allerdings verblüffend solide - vom Trafo weg Freileitung (geschätzt 4x70 Al) und das letzte Stück im gleichen Querschnitt unterirdisch bis zum Hausanschluss. Da gab es nie Probleme mit Unterspannung! Überspannungsableiter hätten dafür nicht geschadet, bei Gewitter hab ich mal Überschläge zwischen L und PE der Steckdose gesehen... schwer beeindruckend!
Witz am Rande: dieses Haus wurde wie gesagt 1992 angeschlossen, alles sehr sauber gemacht und ziemlich teuer. Die ganze Trasse im Wald freigeschnitten, dann verzinkte Achteck-Stahlmasten in Betonfundament gesetzt und ganz normales Freileitungskabel gespannt. Ein paar Jahre später wurde vom letzten Masten ausgehend das nächste Haus oben am Berg (das vorletzte überhaupt, das letzte ist nicht ganzjährig bewohnt und hat daher vermutlich bis heute keinen Strom) angeschlossen. Mit irgendwas, das verdächtig nach lose auf den Waldboden geschmissenem NYY 4x10 aussah! Nur bei Wegkreuzungen alibihalber verbuddelt (Tiefe unbekannt). Leitungslänge ganz grob über den Daumen einige 100 m. Aber bei 15 A Hausanschluss einphasig wird das sogar passen...

Antworten