Jeden Tag ein neues Bild

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ThomasR
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Re: Jeden Tag ein neues Bild

Beitrag von ThomasR »

Hoffentlich hat das Radio einen Netztrafo? Bis in die späten 50er gab es Allstromgeräte ohne Trafo bei denen das Chassis auf Netzpotential liegt. Da wäre ein Schutzleiter in der Zuleitung ziemlich nutzlos. Da die Holzgehäuse wohl als „Schutzisolierung“ gelten, ist eine zweiadrige Zuleitung Standard gewesen (heute wohl mit doppelter Isolierung) :)
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Alfred Tetzlaff
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Re: Jeden Tag ein neues Bild

Beitrag von Alfred Tetzlaff »

Ja, das Radio hat schon einen Netztrafo, da es ein reines Wechselstromgerät ist.
Verräterisch ist immer wenn auf dem Gerät GW oder G steht. Das steht für Gleichstromnetz.
Es gibt aber auch sehr alter Geräte als reine Wechselstromgeräte, so z. B. den Volksempfänger VE301 Dyn von 1938.

Ganz fies wird es bei Geräten mit Spartrafo oder reinem Heiztrafo. Da steht dann W drauf und es sind E- anstatt U- Röhren drin und dennoch hat das Chassis Verbindung mit einem Netzpol. Hier ist die Isolierung bei Schrauben und Knöpfen aber verstärkt ausgeführt.

Richtig fies ist der Plattenspieler bzw. Tonbandeingang. Oft ist die Masse direkt (und berührbar) nach außen geführt, manchmal auch über 2x 5000pF Kondensatoren. Beim Lautsprecheranschluss sieht es ähnlich aus. Hier sollte man besser nichts anschließen, wenn man nicht genau weiß, was man tut.

Früher gab es extra spezielle Tonabnehmer und Gerätekonstruktionen.
Diese Schutzmaßnahmen sind heute aber meistens schon Essig, da Isolierteile fehlen oder die Kondensatoren hin sind.

In der Regel behalte ich aber die 2-Adrige Netzleitung bei reinen Radios bei, da durch die zusätzliche Erdung HF-Müll aus dem Netz eingetragen wird und der Empfang auf den AM-Bändern kaum noch möglich ist. Es gibt zwar keine Deutschen Sender, aber z. B. Absolute Radio aus England ist sehr gut empfangbar und macht ein gutes Programm.

Nur bei bestimmten Geräten (Ältere Verstärker, Tonbandgeräte...) mit eindeutig fehlender doppelter Isolierung und bei persönlichen Bauchschmerzen rüste ich auf SKI um. Ich muss mal Bilder einer Revox G36 raussuchen. Hier isoliert nur ein dünner Plastestreifen an den Umschaltkontakten das Netz vom Chassis.

Und anbei wieder etwas Bilderfutter.
Alt kann auch schön sein bravo1

Steht in einer großen Stuttgarter Firma.
Die neue Schaltanlage hat man deneben gestellt.
Wollte man wohl nicht abreißen.
Dateianhänge
Schalttafel Marmor 3.jpg
Schalttafel Marmor 2..jpg
Schalttafel Marmor 1.jpg
Trumbaschl
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Re: Jeden Tag ein neues Bild

Beitrag von Trumbaschl »

Ich hab vor vielen, vielen Jahren eine Tischleuchte aus dem Verkehr gezogen, die auf einem Schulflohmarkt verkauft werden sollte (ich war dort Schüler). Ein crimp-/lötbarer Eurostecker, der sich nicht schließen ließ, sondern immer aufklappte, dann ein Stück H03VH-H2F bis zum Schalter. Der Schnurzwischenschalter war ein älteres italienisches Unding ohne Zugentlastung, aus dem aber als zusätzliche Krönung noch kurz abgeschnittene spannungsführende Adern ragten, einfach zwischen den Gehäuseschalen eingeklemmt. Auf der anderen Seite des Schalters folgte Zwillingsleitung mit einem weiteren Schnur-Zwischenschalter, diesmal amerikanischer Bauart (aber immerhin für 250 V/1 A geprüft) und eine E26-Fassung aus Blech mit Hartpapier-Isoliereinsatz, um so etwas ähnliches wie Schutzisolierung herzustellen. Wer diese Fassungen nicht kennt: der Gewindedurchmesser ist mehr oder weniger mit E27 kompatibel, aber das Gewinde um mehrere Gänge kürzer, so dass eine E27-Lampe sich einschrauben lässt, aber fast 10 mm Gewinde berührbar sind.
Diese Fassung steckte lose auf einem Stück Messingrohr, die Leitung war durch ein scharfkantiges Loch geführt. Das Messingrohr war in einen ebenfalls aus Messing gefertigten Kerzenständer gelötet.

Meine Lösung war Entsorgung der gesamten elektrischen Komponenten und Auslöten des Rohrstücks. Das Ergebnis war ein historischer Messing-Kerzenständer. Birgt auch eine gewisse Brandgefahr, aber entspricht definitiv allen Elektro-Normen :D
Probator
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Re: Jeden Tag ein neues Bild

Beitrag von Probator »

Diese Woche sagte mir mein Secutest bei einer alten Kreissäge, der Schutzleiter sei überhaupt nicht verbunden.
Am Gerät war der Kontakt in Ordnung, also habe ich den Stecker geöffnet.

Neben der fehlenden Aderendhülsen sah ich etwas, das ich so auch noch nie hatte: der PE-Kontakt ist steckbar! 8o
Und der Konstruktur hatte die glorreiche Idee, aus dem Blech für den PE auch gleich die Zugentlastung zu bilden.
Ergebnis: durch Zug am Kabel kann man den PE innerhalb des Steckers trennen!
doh1
Ich würde das mal als selten dämliche Fehlkonstruktion bezeichnen!

So sah es aus, als ich den Stecker geöffnet habe:
Schuko_schlecht2.jpg
Wieder zurückgeschoben:
Schuko_schlecht1.jpg
Der Stecker wurde natürlich sofort abgeschnitten und entsorgt.

Leider war kein Hersteller auf dem Stecker erkennbar...
Olaf S-H
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Re: Jeden Tag ein neues Bild

Beitrag von Olaf S-H »

Moin zusammen,

die heutige "Ausbeute":
  • keine Zugentlastung
  • Aderenden verzinnt
  • 2 Schrauben (Anschlussklemmen) locker
  • PE bei Steckermontage zerquetscht
Das Gerät wurde "wirksam" gesperrt - ich habe den Stecker jetzt im Keller liegen.

Neben den unfachmännischen Arbeiten haben wir da noch andere Punkte, die die Betriebssicherheit betreffen. Die Baustelle wird also noch etwas größer.

Gruß Olaf
IMG_0991  verkleinert.jpg
IMG_0989 verkleinert.jpg
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft sondern meine Meinung bzw. mein Tipp für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland! Die einschlägigen Normen/Vorschriften (z. B. DIN, VDE, TAB, DGUV, TRBS, BekBS, NAV, EN, LBO, LAR, ArbStättV, BetrSichV, ProdSG, ...) sind zu beachten. Ein Rechtsanspruch kann hieraus nicht abgeleitet werden. Die Nennung von Fundstellen in Regelwerken stellt keine Rechtsberatung sondern nur die Sichtweise des Verfassers dar.
vde1
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TSR_9614
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Re:

Beitrag von TSR_9614 »

Hallo,

Trumbaschl hat geschrieben: Montag 15. Mai 2017, 13:25 Peschelrohr war der Länge nach geschlitztes Stahlrohr aus sehr dünnem federndem Blech, habe ich nie persönlich gesehen.
(Ist zwar schon ein bisschen länger her aber besser spät als nie?)

Peschelrohr habe ich bei uns in West AT auch nur einmal gesehen. (und wenn der Schriftzug nicht eingewalzt wäre hätte ich es nicht als solches erkannt.)

6958.JPG
6959.JPG
Trumbaschl hat geschrieben: Montag 15. Mai 2017, 13:25 Das war ein Wellschlauch aus mehreren Lagen Pappe, die innere reine Pappe, die äußere geteert, und in der Mitte eine Lage Alufolie. Sieht man sehr selten, war vermutlich deutlich teurer als Stangenrohr.
Den kann man bei uns z.B in öffentlichen Gebäuden finden, und dann meistens in Betonwänden (um den Hartkieseln auszuweichen)

Hier ein Foto in einem Haus von ca. 1926, ich vermute das die Installation aber nachträglich gemacht wurde, kein Einziger G-Draht zu finden alles H07V-U von Kabel & Draht.
120.JPG
Grüße

Manuel
Trumbaschl
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Re: Jeden Tag ein neues Bild

Beitrag von Trumbaschl »

Danke für die Fotos! Das Papp-Wellrohr würde ich auch eher den 50ern zuordnen, und PVC-Aderisolierung kam definitiv in der ersten Hälfte der 50er auf. Belegen kann ich eine Installation von 1954. In einem Gebäude von 1949 hingegen waren noch ausschließlich G-Drähte. In der zweiten Hälfte der 50er kamen dann die Kunststoffrohre, das berühmte Evilon von Dietzel-Univolt und das TIP-Isolierrohr (Tekum Iso-Plast oder so ähnlich). Damals noch anthrazit für leichte mechanische Belastbarkeit und gelb für mittlere, in den 60ern kam die heutige Zuordnung hellgrau für leichte und dunkelgrau für mittlere Belastbarkeit auf. Für das "neue gelbe Rohr" ist mir irgendwann eine Werbung von ich meine 1957 untergekommen.

Erstmals begegnet ist mir das Papp-Wellrohr in einer Jahrundertwende-Wohnung, in der kurz nach dem Krieg Teile modernisiert wurden, und die von der Wasserleitung gezogenen Schutzleiter in Küche und Bad waren in solchen Schläuchen. Rote, PVC-isolierte Adern, also 50er oder frühe 60er, wobei in den 60ern eher schon Kunststoffschlauch oder -rohr verwendet worden wäre. Bergmannrohr ist um 1960 schnell verschwunden, vermutlich weil der Verarbeitungsaufwand so viel höher war. Mit der Biegezange eine Kerbe nach der anderen setzen dauert viel länger als Biegefeder rein und zack.
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