Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

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bettmann
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Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

Beitrag von bettmann » Dienstag 9. Januar 2018, 21:30

Hallo,

ab und zu wird das Thema hier, im Zusammenhang mit el. Bauteilen und Komponenten, angesprochen. El. Geräte fallen nach einer bestimmten Zeit einfach aus. Vermutet wird Vorsatz seitens der Hersteller.
Frankreich hat dafür / dagegen seit 2015 ein Gesetz! Bis jetzt gab es (leider) noch keine Verurteilung.

Aktuell hier im Zusammenhang mit den Akkus "vom Apfel".

https://www.swr.de/swraktuell/frankreic ... index.html

bettmann
Yo, wir schaffen das !!! (Bob der Baumeister)

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Elt-Onkel
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Re: Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

Beitrag von Elt-Onkel » Dienstag 9. Januar 2018, 22:18

Hallo,

es gab vor 25 Jahren bei BOSCH mal eine Arbeitsgruppe,
dessen einziges Ziel es war, zu ergründen, wie man die Lebensdauer von KFZ-Scheibenwischermotoren reduzieren kann.

Für den Bereich der Hausgeräte würde ich es begrüßen, wenn die Hersteller die Kondensatoren mal zu 90 % ausnutzen.
Bisher ist es ein beliebtes Spiel, Kondensatoren mit 130 % zu bemessen.


...

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NZ-Tafel
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Re: Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

Beitrag von NZ-Tafel » Samstag 10. Februar 2018, 19:33

Nabend,

es ist sehr schade, dass gerade ein Thema wie dieses sehr schnell untergangen ist. Tja, das ist leider die heutige Zeit.
Anbei für alle Interessierten ein paar Interessante Dokumentationen, aus den öffentlich-rechtlichen Medien.

ORFIII Dokumentation "geplanter Murks" https://www.youtube.com/watch?v=UfUehiIlrHI.
Arte Dokumentation "Kaufen für die Müllhalde" https://www.youtube.com/watch?v=xaQyoAt6O58.
MDR Dokomentation "DDR Design im Alltag - langlebig, ressourcenschonend, wartungsarm und zeitlos" https://www.youtube.com/watch?v=EqGynRM9aSs

Und noch etwas "Off-Topic" zum Nachdenken. ZDF_NEO Doku "die gelenkte Konsumgesellschaft".
https://www.youtube.com/watch?v=QztcpDcjHPk

Eigentlich Schade, dass heute für so gut wie jede Firma und jeden Privatbürger der finanzielle Gedanke zählt. Eine fatale und falsche Entwicklung.
Noch trauriger zu wissen, dass heutige Produkte nie so lange "leben" werden, wie Ihr Pendant aus den 50er - 80er Jahren.
Ich restauriere historische Elektrotechnik in allen mir möglichen Bereichen. Der Qualitätsverlust, ist erschreckend.
Gut, es kamen neue sichere Schutzmaßnahmen hinzu, doch eine heutige Elektroinstallation mit KNX und etlichem SchnickSchnack wird nie eine Qualitativ hocherwertige aus den 50er Jahren überlegen. Auch werden unsere mit Elektronik vollgestopften Autos nie Oldtimer werden (können).
Wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, den ganzen gefährlichen Chinakrempel gab es früher nicht und die Leute waren im Umgang mit Elektrizität wesentlich vorsichtigter und denkten mehr mit.

Grüße

Trumbaschl
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Re: Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

Beitrag von Trumbaschl » Sonntag 11. Februar 2018, 18:11

Einerseits wird sicher explizit mit Schäden kalkuliert, andererseits sind die Preise für Geräte absolut ins Bodenlose gefallen, wen wundert es wenn die Sachen dann weniger lange halten? Wer würde heute einen Monatslohn für eine Küchenmaschine oder Schlagbohrmaschine ausgeben? Für das Geld kann ich mir 5 billige kaufen und komme u.U. damit noch auf eine höhere Gesamtlebensdauer! Den kürzeren zieht dabei halt die Umwelt, die den ganzen Schrott verkraften muss.

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NZ-Tafel
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Re: Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

Beitrag von NZ-Tafel » Sonntag 11. Februar 2018, 18:44

Das ist halt auch irgendwie das Gesetz des Kapitalismus... Der günstigste bekommt den Zuschlag. Wohin solches Verhalten Geschäftlich und Privat sieht, sieht man ja in diversen guten Beispielen. Qualität Made in Germany gibts noch kaum. Selbst beim Gütersloher Waschmaschinenbauer rudert man mit der Qualität zurück, um am Markt bestehen zu können. Der BER wird nicht fertig. Stuttgart21 eine Katastrophe...

Aber, wer sagt den immer, das man neu kaufen muss? Also ich sehe da noch genügend Licht am Ende des Tunnels. Gebrauchtgeräte kaufen und herrichten! Gut, günstig, langlebig. Und wenn das der Elektriker um die Ecke macht, ist auch noch etwas für die Wirtschaft getan.
Das ganze ist auch so ein kleines Hobby von mir geworden, gebrauchte Geräte wieder herrzurichten. Der Elektriker ums Eck freut sich immer, wenn er die DGUV3 Prüfung für mich machen darf, bevor ich Geräte abstoße.

Hier mal so, was bei mir täglich im Einsatz ist:

- Miele Novotronic W842, Bj. 1997. - Läuft mit neuen Lagern, Stoßdämpfern, Motorkohlen und Riemen wie am ersten Tag.
- AEG Lavatherm T5700, Bj um 2000. - 1x Riemen getauscht, läuft noch wie neu. Steuerplatine getauscht, da Überspannungsschaden.
- Siemens Elektroherd, Bj 1985. - Nach Besitzübernahme gründlichst gereinigt, läuft wie neu!
- Saba Meersburg W4 Röhrenradio. Bj. 1953 - Teerkondenstatoren getauscht, Chassis gereinigt, 2 Röhren getauscht, Super Tonqualität und Empfang
- Panasonic CT757 Tapedeck Bj. 1990 - Riemen gewechselt, Laufwerk gereinigt, läuft wie neu!
- RFT W48 Fernsprecher Bj. 1953 - Mal feucht mit dem Lapen abgewischt... Tut seinen Dienst nach wie vor
- Körting Hifi Studio Bj. 1973 - Läuft und Läuft und Läuft

Und hier etwas neuere Sachen, die einfach laufen:
- Eizo FlexScan S2410W Bj. 2006
- Belinea 0815 17Zoll Monitor Bj. 2003
- Lenovo Thinkpad T60 Bj. 2006 - Wird nur langsam etwas langsam
- Lenovo Thinkpad T420 Bj. 2011
- Fritz!Box 7270 Bj. 2007

Brauche ich ein Gerät, was ich noch nicht habe, so schaue ich Online was gut war, kaufe mir ein gebrauchtes Gerät und überhohle es. Kostet etwas Zeit und Nerven, aber "machste nix, haste nix". Ich vertraue dem Handel und der Industrie schon lange nicht mehr.
Würde auch nie einen Neuwagen kaufen. Eher einen gebrauchten aus den 80ern und Ihn komplett überhohlen, auch wenn es am Ende teurer ist.

Jörgi-1911
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Re: Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

Beitrag von Jörgi-1911 » Sonntag 11. Februar 2018, 21:39

Um ein Gerät der jetzigen Zeit zu reparieren, muß man es erstmal schadlos auf kriegen.
Das ist nicht mehr für's öffnen gebaut. Clipverbindungen gehen lieber kaputt als auf.
Geschraubt ist kaum noch was. Serviceunterlagen sind dünn gesät. Früher war in jeder
Bedienungsanleitung (braune Technik) ein Schaltplan dabei. Manchmal sogar mit Service-
messpunkten. Heute gibt es nichtmal mehr Sicherungen, die nicht eingelötet sind.
Multilayerplatinen, abgeschliffene Bauteilbezeichnungen, unterdimensionierte Bauteile,
schnell alternde Mechanik, durch Werbung künstlich erzeugter moralischer Verschleiß und
nicht zuletzt 'günstige' Finanzierungen schieben den Verkauf an. Wir können schon nicht
mehr über die Berge von Elektroschrott gucken. Alles wird irgendwo in Indien auf
freien Flächen abgefackelt und das bischen Metall rausgefischt. Aber wir, als fast kleinstes
Land auf der Kuller, streben das Dieselfahrverbot an und verhindern damit den Untergang
des Abendlandes.

Eigentlich brauchen wir nur noch auf den Knall warten, damit wir von vorne anfangen
können. Wohl dem, der etwas vorgesorgt hat. Nicht in Form von Geld, sondern im
erlangen von Fähigkeiten.

Sorry für den langen Text.

IH-Elektriker
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Re: Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

Beitrag von IH-Elektriker » Montag 12. Februar 2018, 15:44

NZ-Tafel hat geschrieben:
Sonntag 11. Februar 2018, 18:44
Würde auch nie einen Neuwagen kaufen. Eher einen gebrauchten aus den 80ern und Ihn komplett überhohlen, auch wenn es am Ende teurer ist.
Das kannst Du gerne tun - nur ob Du das Fahrzeug dann noch bewegen und nutzen darfst bzw. kannst steht auf einem anderen Blatt… ;)

Einmal hast Du das Problem mit den Umweltzonen. Aktuell hilft hier noch das H-Kennzeichen – Frage ist nur noch wie lange es das noch tut. Aktuell ist durchaus vorstellbar das entweder das Eintrittsalter von aktuell 30 Jahren auf 40 oder sogar 50 Jahre angehoben werden könnte, ebenso ist ungewiss wie Oldtimer mit H-Kennzeichen bei den drohenden „blauen Plaketten“ bzw. kommenden Fahrverboten behandelt werden. Das Problem sind die ganzen älteren, gut gepflegten und nach wie vor tadellos nutzbaren älteren Golf 2 und Golf3, Audi 80/100, Mercedes und Ford – also alles die Autos welche massenhaft noch als „Rentnerauto“ quasi scheckheftgepflegt in den Garagen schlummern und die ohne größere Probleme auch im aktuellen Straßenverkehr wie neuere Fahrzeuge bewegt werden können.

Genau diese Fahrzeuge sind jetzt durchaus H-Kennzeichen – fähig und werden tlw. problemlos als Alltagsauto genutzt. Und genau das ist wohl einigen Damen und Herren eher ein Dorn im Auge. Einmal wegen dem „Umweltschutz“ (olle Stinker) und natürlich ist die Autolobby ebenfalls nicht froh da diese Fahrzeuge ja quasi potentiell entgangenen Neuwagenumsatz darstellen….

Irgendwann löst sich dieses Oldtimer-Problem von alleine, denn die neueren, heutigen Autos werden wir irgendwann mal als „Immobilien“ in Museen bewundern können, fahrend werden wir sie nur noch selten sehen. Schuld daran ist einmal die komplexe Elektronik, andererseits die immer komplexeren Systeme wo niemand mehr durchblickt und wo auch Ersatz- und Verschleißteile nicht so ohne weiteres nachgebaut werden können – eben weil niemand genau weiß wie die ganze Steuerungselektronik wirklich funktioniert und niemand dazu Unterlagen hat….

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Elt-Onkel
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Re: Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

Beitrag von Elt-Onkel » Montag 12. Februar 2018, 16:58

Hallo,

kein Problem.

Mein ältester LKW ist jetzt 61 Jahre alt.


...
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Tobi P.
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Re: Obsoleszenz / künstlich beeinflusste Alterung

Beitrag von Tobi P. » Montag 12. Februar 2018, 19:02

Moin,
IH-Elektriker hat geschrieben:
Montag 12. Februar 2018, 15:44
Genau diese Fahrzeuge sind jetzt durchaus H-Kennzeichen – fähig und werden tlw. problemlos als Alltagsauto genutzt. Und genau das ist wohl einigen Damen und Herren eher ein Dorn im Auge. Einmal wegen dem „Umweltschutz“ (olle Stinker) und natürlich ist die Autolobby ebenfalls nicht froh da diese Fahrzeuge ja quasi potentiell entgangenen Neuwagenumsatz darstellen….
du hast den entgangenen Umsatz bei Reparaturen vergessen. Die kann man an alten Autos nämlich noch selbst machen und auch das ist einigen ein Dorn im Auge.
Bzgl. Umweltschutz: Es gibt nichts schöneres als an einem strahlend schönen Sonntag mit einem LKW-Oldtimer durch eine Umweltzone zu fahren, dort ein wenig die Sicht zu vernebeln und sich an den geschüttelten Fäusten und hinterhergerufenen Flüchen der kleinkarierten Umweltaktivisten zu erfreuen :D

Und sollte es wirklich zu einem Dieselfahrverbot kommen leih ich mir den Güllewagen vom Nachbarn und kippe denjenigen die das durchgedrückt haben erst mal eine Ladung Schxxxe genau vor die Tür damit sie endlich mal das wiederbekommen womit wir Autofahrer seit eh und je von diesem verlogenen lobbygesteuerten Politpack befeuert werden furios1 Ich werde mir jedenfalls nicht alle zwei Jahre einen neuen Transporter kaufen weil sich wieder irgendein Schwachkopf eine neue Umweltsauerei ausgedacht hat um den Absatz anzukurbeln :mad:


Gruß Tobi

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