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  #1  
Alt 17.02.2017, 01:44
Benutzerbild von Elt-Onkel
Elt-Onkel Elt-Onkel ist offline
Starkstrom
 
Registriert seit: 25.03.2004
Beiträge: 4.527
Chromnickelstahl for Beginners

Hallo,

an anderer Stelle habe ich eine Abhandlung geschrieben.

Da ich weiß, daß zumindest einer aus dem Forum inzwischen genau
Bescheid weiß, dachte ich mir, ich könnte es hier auch veröffentlichen,
und es allen anderen kund und zu wissen tun.

Es ist niemand gezwungen, alles zu lesen.

Vielleicht hat aber mal jemand mit Erdern oder Rohren zu tun,
die so seltsam silber aussehen.

Auch sind Ausschreibungen immer wieder die Quelle von Überraschungen.

Zur Blitzstromtragfähigkeit kann Dipol etwas sagen.


...
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  #2  
Alt 17.02.2017, 01:47
Benutzerbild von Elt-Onkel
Elt-Onkel Elt-Onkel ist offline
Starkstrom
 
Registriert seit: 25.03.2004
Beiträge: 4.527
Hallo,

Teil 1 - Grundlagen:

Es begab sich zur Zeit des alten Krupp.
In seiner Hexenküche entwarf er Versuchschargen, um korrosionsfesten Stahl zu kreieren.
Er erfand: V1A, V2A, V3A und V4A
Die Versuchschargen (V) mit den Nummern 1 und 3 schafften es nicht aus dem Labor.
Es blieben die Versuchschargen 2A und 4A.
Das war ca. 1912.

Die Rezepturen vom alten Krupp kann man heute nicht mehr kaufen.
Die Technik hat sich in den letzten 105 Jahren weiterentwickelt.

Heute gibt es in Deutschland etwa 1'000 gängige Stahlsorten.
Ob Hoesch, Voest-Alpine, Tyssen-Krupp, oder andere,
jeder kocht das, was der Konsument nachfragt.

Je nach Art und Menge der Legierungselemente gibt es heute zwei sehr bekannte Chromnickel-Stahlsorten:
Werkstoffnummer: 1.3401 und 1.4571
Der erste entspricht so grob in etwa dem V2A vom alten Krupp.
Der zweite entspricht so grob, und in etwa dem V4A vom alten Krupp.
Jede Art und Weise des Gebrauchs der Bezeichnungen V2A und V4A oder VA2 oder VA4 ist irreführend,
und mehrdeutig.
Es werden regelmäßig Gerichtsprozesse geführt.
Die dienen einzig und allein zur Generierung des Einkommens von Gutachtern und Rechtsanwälten.
Für die Betroffenen haben sie keinen Nährwert.
Denn die Chemie und die Technik hätte man ja im WWW selbst nachlesen können.

Bei den korrosionsfesten Schrauben haben sich die Fraktionen A2 und A4 durchgesetzt.
Die aber wiederum rein gar nix mit V2A oder V4A zu tun haben.

Dann die Mähr, daß die Bezeichnung 'Edelstahl' etwas mit Korrosionsfestigkeit zu tun hat.
Das ist mitnichten so.
Als Edelstahl wird jeder Stahl bezeichnet, der mehr als 0,2 % Kohlenstoff beinhaltet.
Daher der Test beim Schraubenhändler:
Man lässt sich eine Unterlegscheibe aus Edelstahl geben.
Dann die Probe:
Zwischen die Zähne nehmen, und kräftig draufbeißen.
Ist hinterher der Zahn kaputt, war es Edelstahl.

Die Legierungselemente eines jeden Chromnickelstahls kann jeder im WWW nachlesen.
Desgleichen die Festigkeiten, und die Art der Werkzeuge zur Bearbeitung.

Wenn also jemand eine Frage hat,
dann nenne er zuerst die Bauaufgabe,
oder zuerst die Werkstoffnummer des zu verwendenen Stahls.
Dann kann ich etwas dazu sagen.


...
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  #3  
Alt 17.02.2017, 01:49
Benutzerbild von Elt-Onkel
Elt-Onkel Elt-Onkel ist offline
Starkstrom
 
Registriert seit: 25.03.2004
Beiträge: 4.527
Hallo,

Teil 2 - Schweißen:

Ja, man kann Schwarz-Weiß-Verbindungen herstellen.

Aber Achtung:
Beim Verbinden von Chromnickelstahl an unlegierten Stahl gehen in der Schweißnaht Legierungselemente verloren.
Je mehr, desto größer das Bad ist.

Daher bitte das Scheffler-Diagramm beachten.

Als Faustformel:
Den Schweißzusatzwerkstoff immer höher legiert auswählen, als den anzuschweißenden Chromnickelstahl.


...
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  #4  
Alt 17.02.2017, 01:50
Benutzerbild von Elt-Onkel
Elt-Onkel Elt-Onkel ist offline
Starkstrom
 
Registriert seit: 25.03.2004
Beiträge: 4.527
Hallo,

Teil 3 - Werkzeuge und Oberflächenreinigung:

Chromnickelstahl erfährt seinen Korrosionsschutz durch eine Passivierungsschicht.

Daher niemals Werkzeuge im Weiß-Bereich verwenden,
mit denen schon einmal im unlegierten Bereich gearbeitet wurde.

Die mikroskopisch kleinen Stücke vom unlegierten Stahl werden in die Oberfläche einmassiert.
Und genau dort erfolgt dann die Interkristalline Korrosion.
Früher nannte man es: Lochfraß.
Das ist eine anschauliche Beschreibung.

Man kann also so CrNi-Stahl-Oberflächen unreparabel zerstören.

Selbst zur Oberflächenreinigung verwende man tunlichst Waschbürsten und
Putzwolle mit gleicher Legierung.

Das gilt natürlich für die heimische Küche genau so,
wie für das Wohnmobil.


...
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  #5  
Alt 17.02.2017, 07:12
Jörgi-1911 Jörgi-1911 ist offline
Dauerbrenner
 
Registriert seit: 25.01.2012
Beiträge: 699
...selbiges gilt natürlich für das trennen.
Wenn man schon trennschleifen muß, dann nur mit Trennscheiben die eine
Eignung für Edelstahl mit Cr/Ni Anteil als Hauptlegierungselemente hat.
Die Scheiben dürfen keinen anderen Stahl trennen/schleifen. Ab da sind sie
für Edelstahl wertlos. Das Ablaufdatum der Scheibe sollte auch nicht zu weit
zurück liegen.

Wenn immer es geht sollte Edelstahl gesägt, gedreht, gestochen oder wie
auch immer werden. Trennschleifen bleibt die zweite Wahl. Warum:
Erstens schleift man sich Trennscheibenmaterial in die Oberfläche des
Schnittes was das schweißen etwas verunschönt.
Zweitens kann an die Schnittemperaturen nicht klein halten. Man kommt
eigentlich immer über die Vergütungstemperatur des Stahles. Der Chrom
möchte sich mit dem Kohlenstoff zu Chromcarbid verbinden. Das wäre
doof, weil der Korrosionsschutz dann dahin ist. Das ist die zweite Seite der
interkristallinen Korrosion. Der Nickelanteil verhindert
die unschöne Verbindung ein wenig. Ist aber nicht endlos.

So, das war meine Ergänzung zum bisher sehr gut vorgetragenem Thema.
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  #6  
Alt 17.02.2017, 09:15
jf27el jf27el ist offline
Starkstrom
 
Registriert seit: 02.08.2007
Ort: BW
Beiträge: 4.212
Beisstest

Ich mach mit schöner Regelmäßigkeit auch einen "Tüpfeltest" auf Molybdän.
Dies ist für mich als Elektriker der einzige Schnelltest der kurzfristig machbar ist.

Könntest du mir einen Link setzen oder Deine Abhandlung zukommen lassen?

Gruß
Jf27el
__________________
„Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ (I.Kant)
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  #7  
Alt 17.02.2017, 22:19
chris11 chris11 ist offline
Dauerbrenner
 
Registriert seit: 14.01.2011
Beiträge: 722
Hallo,

hast oben einen kleinen Zahlendreher. 1.4301 ist der Wald und Wiesen Chrom-Nickelstahl.

1.3401 ist Manganhartstahl. X120Mn12. Eher was für Tresore, Brecherbacken usw.

Zu A2 und A4 ist man nicht weit von den klassischen "V2A" und "V4A" Rezepten weg.

siehe hier Seite 30.

http://www.schrauben-lexikon.de/down...ischeDaten.pdf

Mit freundlichen Grüßen
Christian
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